Die Sammlung Österreich – Museumspolitische Initiative

Museen haben sich in vergangenen Jahren zu einem einflussreichen massenmedialen und damit meinungsbildenden gesellschaftspolitischen Faktor entwickelt. Ihr Einfluss geht weit über den Kulturbetrieb hinaus. Er betrifft auch soziale, wirtschaftliche und nicht zuletzt politische Handlungsfelder. Es kommt ihnen daher eine zentrale Verantwortung im Rahmen einer sich rasch verändernden nationalen und internationalen Gesellschaft zu.

Museumspolitik wird damit zu einem wichtigen Schwerpunkt der Kulturpolitik des Bundes. Aus diesem Grund startete Kulturministerin Dr. Claudia Schmied im Herbst 2007 eine museumspolitische Initiative, um 10 Jahre nach der Ausgliederung der Bundesmuseen einen nächsten Innovationsschritt zu setzen. Nach einem umfassenden Reformdialog mit internationalen und nationalen ExpertInnen, den MuseumsdirektorInnen sowie VertreterInnen des Ministeriums wurden museumspolitische Ziele definiert sowie ein mehrjähriger Aktionsplan erarbeitet, der mit den Bundesmuseen in regelmäßigen Gesprächen besprochen, aktualisiert und schrittweise implementiert wird.

Als Kern der Ergebnisse der bisherigen Diskussionen, die sich auch im neuen Regierungsprogramm wiederfinden, stellte die Kulturministerin im Rahmen einer DirektorInnenkonferenz der Bundesmuseen die Leitlinien vor, welche die Grundlage für ein neues Selbstverständnis der Museumspolitik im 21. Jahrhundert bilden:

1. Aktive Museumspolitik als Teil der Bundeskulturpolitik, um eine
Stärkung der kulturellen und gesamtgesellschaftlichen Position und Präsenz der österreichischen Bundesmuseen zu erreichen.

2. Verstärken des gesellschaftspolitischen Engagements der Bundesmuseen, um in höherem Maß als bisher ihrer Rolle als eine für die Bevölkerung zentrale kulturelle Bildungs-, Vermittlungs- und Forschungseinrichtung gerecht zu werden.

3. Innovativer Ausbau der Teilhabe der Bevölkerung am Museumsgeschehen, um durch aktive Förderung des Museumsbesuchs von Kindern und Jugendlichen, durch ein dynamisches Zugehen und sensibles Eingehen auf bisher zu wenig Beteiligte, vor allem aber durch das Einbeziehen von neuen Gesellschaftsgruppen und der Bevölkerung außerhalb des näheren Einzugsgebiets von Wien eine qualitativ hochwertige Bindung zwischen Museum und Bevölkerung zu erreichen.

4. Ganzheitliche Betrachtung der Sammlungen des Bundes, um das auf verschiedene Häuser verteilte kunst- und kulturgeschichtliche Vermögen im Sinne einer „Sammlung Österreich“ als eine Vielfalt sowohl in inhaltlicher als auch in wirtschaftlicher Hinsicht zu verstehen.

5. Laufende Abstimmung der Sammlungs- und Ausstellungspolitik der Bundesmuseen, die in gleichem Maße auf eine Optimierung der zeitgemäßen Vermittlung der historischen Bestände zielt wie sie auch durch Sinn gebende Erweiterungen auf Veränderungen des kulturellen Zusammenhangs reagiert und dabei den Schwerpunkt auf Kunst und Kultur der Gegenwart legt.

6. Verbesserung der bestehenden rechtlichen und organisatorischen Struktur der Museen und des Ministeriums, um die Effektivität der gemeinsamen Arbeit durch Stärken der verantwortlichen Organe zu steigern.

Nachlese zum Prozess:

Im Sommer 2007 wurde von einer Arbeitsgruppe im Auftrag der Kulturministerin ein inhaltliches Grundsatzpapier (pdf, 137 KB) verfasst, das als Basis für die Diskussionen diente. Weiters wurden die drei inhaltlichen Schwerpunkte definiert: Staatliche Museumspolitik, Sammlungs- und Programmpolitik sowie Governance. Die Zukunftsdiskussion wurde von drei ModeratorInnen in Abstimmung mit dem Ministerium koordiniert und moderiert. Als ModeratorInnen konnten drei ExpertInnen gewonnen werden: Dr. Dieter Bogner, Dr. Sabine Breitwieser, Mag. Martin Fritz;
Lebensläufe (pdf, 14 KB)

Die Zukunftsdiskussion wurde in einem ersten Schritt unter Einbindung von internationalen und nationalen ExpertInnen, der politischen Parteien, der MuseumsdirektorInnen, VertreterInnen des Ministeriums unter der Leitung des ModeratorInnenteams in großen Dialogen mit 40-50 TeilnehmerInnen und internationalen ImpulsgeberInnen diskutiert:

Jedem Komplex wurden jene Forderungen, Fragen, Anregungen, Themen (PDF, 69 KB) zugeordnet, die in den vergangenen Monaten Direktorinnen und Direktoren direkt oder über öffentliche Medien an das Ministerium herangetragen haben und die mit mehr oder weniger großer Intensität auch immer wieder von KulturexpertInnen, KulturpolitikerInnen, JournalistInnen und vielen anderen geäußert wurden. Umfang und Komplexität dieser Fragenliste spiegeln Problembewusstsein und Diskussionsbedarf der Museumsszene wider.

Nach mehreren Runden von Zukunftsgesprächen formulierte das ModeratorInnenteam in Abstimmung mit dem Ministerium im April 2008 Thesen, welche der Bundesministerin vorgelegt wurden. Auf Basis dieser Thesen hat Kulturministerin Dr. Claudia Schmied die museumspolitischen Ziele ausgewählt, die den Kern der weiteren Überlegungen und Schritte bilden.
Im Rahmen der DirektorInnenkonferenz vom 10.11.2008 stellte die Bundesministerin den GeschäftsführerInnen von Bundesmuseen und Österreichischer Nationalbibliothek ihr Grundsatzpapier "Museumspolitische Ziele. Schwerpunktsetzungen auf Basis der museumspolitischen Initiative" (pdf, 21 KB) vor und diskutierte in diesem Kreis die sich daraus ergebenden weiteren Maßnahmen und Überlegungen.
Wesentliche Ziele dieses Papiers sind die Steigerung der Teilhabe der Bevölkerung an der Sammlung Österreich durch Maßnahmen wie etwa eine umfassende Digitalisierungsstrategie, ein genereller Gratis-Eintritt bis zum 19. Lebensjahr und Vermittlungsschwerpunkte für neue BesucherInnenkreise. Weiters soll mehr Raum für Gegenwartskunst geschaffen werden. Ein weiterer Schwerpunkt wird der wissenschaftlichen Arbeit der Bundesmuseen eingeräumt. Die Forschung wird als Kernkompetenz und Kernaufgabe der Bundesmuseen unterstrichen. Zentrale Zielsetzung ist außerdem die Stärkung der Profile der einzelnen Häuser. Schwerpunktsetzungen und bessere Abstimmung der einzelnen Museen sind für eine lebendige Museumslandschaft unabdingbar.

Geändert am 10.11.2010

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