Die Fotosammlung des Bundes

Fotografische Bilder – ob analog oder digital – sind in unserem Alltag omnipräsent. Als Werbeplakate, Postkarten, Abbildungen in Zeitschriften und im Netz werden sie von uns täglich mehr oder weniger bewusst konsumiert, als private Erinnerungsbilder von fast allen auch produziert. Sie sind ein konstitutiver Bestandteil dessen, was unter dem Begriff der visuellen Kultur subsumiert wird. Fotografische Methoden prägen ganz selbstverständlich die zeitgenössische Kunst mit.

Damit Fotografie als "künstlerische Technik" in Österreich in ihrem Eigenwert, ihren spezifisch medialen Aspekten erkannt und diskutiert wird, engagiert sich die Fotoabteilung der Kunstsektion daher seit den 1970er Jahren in diesem Bereich. Direkte Unterstützung von Künstlerinnen und Künstlern wird durch ein breit gefächertes Stipendien- und Preissystem ergänzt, begleitet von der Finanzierung von Vermittlungsinstitutionen wie der Galerie Fotohof in Salzburg und international renommierten Fotozeitschriften wie Camera Austria oder Eikon.

Durch den gezielten Ankauf von Fotoarbeiten wurde seit 1981 die bedeutendste nationale Fotosammlung in Österreich aufgebaut, die zusammen mit der Sammlung des Landes Salzburg als "Fotogalerie" im Museum der Moderne gelagert und betreut und immer wieder national und international in Ausstellungen präsentiert wird. Die letzte Ausstellung "Simultan" mit 200 Werken aus dieser Sammlung war 2007 im Fotomuseum Winterthur zu sehen und gab einen Überblick über die aktuelle österreichische Fotoszene.

Die gesamte Fotosammlung umfasst zur Zeit mehr als 16.000 Einzelarbeiten, davon etwa 7.500 aus Bundesbeständen von 370 Künstlerinnen und Künstlern. Der Ankaufswert der Bundessammlung stellt einen Wert von € 2,5 Mio dar. Dabei lautet der Auftrag nicht nur, hochkarätige Einzelstücke zusammenzutragen, sondern auch Wachstums- und Reifungsprozesse sichtbar zu machen.

Der umfangreiche Sammlungsbestand beherbergt Beispiele dokumentarischer, konzeptioneller und experimenteller fotografischer Strategien, von lang bekannten Routiniers ebenso wie von jungen zeitgenössischen "newcomers", er spannt den Bogen von den fotojournalistischen Arbeiten der 1950er und 1960er Jahre über den Aktionismus bis zu den heutigen diversen künstlerischen Positionen. In den 1960er Jahren firmierte die Fotografie als wichtiges Medium zur Dokumentation des Aktionismus rund um Mühl, Schwarzkogler, Brus und Nitsch. Diese Fotografien bilden einen wichtigen Bestandteil der Sammlung. Ein weiterer Schwerpunkt liegt bei den Arbeiten der klassischen, journalistisch orientierten Dokumentarfotografie, wie z.B. der "Heimkehrer-Serie" von Ernst Haas, den Arbeiten der StaatspreisträgerInnen Inge Morath, Franz Hubmann, Erich Lessing und Harry Weber.

Es finden sich Beispiele der konzeptuellen und experimentellen Fotografie im Werk von Wolfgang Kudrnovsky, Branko Lenart, aber auch von Gerhard Rühm und Oswald Oberhuber. Medienkritische Arbeiten, Reflexionen über die Bedingtheit der Fotografie, wie sie im medialen Kontext funktioniert, die Befragung des Mediums in der Wahrnehmungs- und Kontextdiskussion von Peter Weibel, Herwig Kempinger, Günther Selichar oder Horakova-Maurer sind ebenso vertreten wie die konstruierten Wirklichkeiten von Lois Renner oder Constanze Ruhm, die narrativen, filmischen Wirklichkeiten von Heinz Cibulka, Peter Dressler und Paul Albert Leitner. Die Arbeiten von Heimrad Bäcker, Seiichi Furuya und Manfred Willmann erzählen vom Land Österreich, seiner Geschichte und seinen ländlichen Strukturen. Die Künstlerinnen Aglaia Konrad und Bitter/Weber stellen sich die Frage nach Urbanität und der Bedingtheit von Menschen im städtischen Raum. In Österreich sind Valie Export und Birgit Jürgenssen als zwei herausragende Künstlerinnen zu nennen, die in den 1970er Jahren begannen, kulturelle Konstruktionen von Weiblichkeit zu untergraben und dabei ihre Körper als Projektionsfläche kultureller Codes und deren Kritik zu benutzen. Die Jahres- und Tagesporträts von Friedl Kubelka, mit denen die Künstlerin ihrer Obsession für die Dimensionen der Zeit nachgeht, Maria Hahnenkamp, die sich konsequent mit dem Bild der Frau in Bezug auf das Verhältnis von Subjekt, Körper und Macht beschäftigt, die Wahrnehmungen von Identität einer Elke Krystufek, das allgemeine, umfassende, universelle Bild der Welt bei Eva Schlegel – sie alle sind in der Sammlung vertreten. Seit es in Österreich zwei universitäre Ausbildungsmöglichkeiten für Fotografie – an der Universität für angewandte Kunst und an der Akademie der bildenden Künste – gibt, entdecken verstärkt viele der ganz jungen Künstlerinnen und Künstler das Medium für sich neu und entwickeln spannende innovative Strategien, die ebenso Eingang in die Sammlung finden, die kontinuierlich erweitert wird. Jährlich werden auf Vorschlag des Fotobeirats Werke im Wert von ca. € 160.000 seitens des Bundes angekauft. Um diese für einen größeren Interessentenkreis sichtbarer zu machen, wurde ein neues Instrument geschaffen: Als Ankäufe online sind die jeweils letzen Erwerbungen auch auf den Webseiten der Kunstsektion zu sehen.

Ankäufe online: Neues aus der Fotosammlung des Bundes

Die Fotosammlung des BMUKK umfasst zur Zeit etwa 7.500 Einzelarbeiten von 370 KünstlerInnen. Der Auftrag lautet, einen repräsentativen Überblick über das Fotoschaffen in Österreich zu geben und neue, innovative Positionen aufzuzeigen. Die Sammlung wird kontinuierlich erweitert, auf Vorschlag des Fotobeirats werden jährlich Werke im Wert von insgesamt ca. € 160.000 angekauft.
Ankäufe online ist ein neues Instrument, um die wachsenden Bestände der Fotosammlung einem breiteren Publikum vorzustellen und zugänglich zu machen. Wir laden Sie ein, unsere letzen Ankäufe einzusehen und einen Einblick in die Sammlungsstrategie des Bundes und die Arbeitsweisen der KünstlerInnen zu erhalten.

Mag. Gudrun Schreiber

Geändert am 03.07.2009

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