„tropic appetite“ 2010, analoger C-Print, 108x140cm
„im rausch des immer gleichen“
2008, analoger C-Print, 108x140cm,
© Andrea Witzmann, BMUKK
Analysieren wir den Zustand des Rausches im allgemeinen, so zeigt dieser sich als ein mehrphasiges Modell der Annäherung an einen Schwebezustand - Schweben als Gefühl der Enthobenheit profaner Verpflichtungen; Schweben aber auch als ein zeitliches Empfinden des Noch-nicht-Seins zu einem Gerade-noch-Sein, einem intensiven Selbst-Erlebnis, abgekoppelt vom 'Hier' oder abgekoppelt vom 'Jetzt' - vielleicht liegt darin der magische Moment: den Niederungen des 'Hier und Jetzt' entschlüpft zu sein.
So selten ein beglückendes Rauscherlebnis eintritt, so häufig wird versucht, diesen Zustand herbeizuführen, die Umstände der Hinbewegung auf den Höhepunkt zu simulieren, zu imitieren oder schlichtweg aus dem Kontinuum eines zeitlichen Ablaufs heraus eine Permanenz der Vorfreude zu installieren. In Erwartungshaltung. In der Redundanz der seriellen Absicherung dessen, das schon einmal, zweimal den richtigen Weg zum Ziel gewiesen hat; im präzisen Aufbau und im Evidenz halten möglicher Erfülltheiten. So verlagert sich der große Rausch des Losgelöstseins in die vielen kleinen Räusche der Repetition, der Nachahmung, des Festhalten Wollens und Fixierens. Die Wiederholung und das Beständige sind so Voraussetzung und zugleich Nachwirkung des Ausnahmezustandes.
Die Wiederholung und das Beständige sind das Bettgestell und die Matratze unseres Alltagslebens, und genau hierauf richtet Andrea Witzmann ihr Augenmerk: auf jene Rahmenbedingungen, innerhalb derer wir auf das große Rauscherlebnis zusteuern oder auf jene Hüllen, die wir gleich Schlangen nach der Häutung abstreifen und anstandslos zurücklassen. (Ulrike Sladek)
Andrea Witzmann, *1970 Wien, Akademie der Bildenden Künste Wien,2010 NAMOC National Art Museum of China, Contemporary Art Museum, Kumamoto, Japan, Landesgalerie Linz, Tokyo Wonder Site - Shibuya, 2009 Kunsthalle Wien, Public Space Karlsplatz Wien, 2008 Förderungspreis für künstlerische Fotografie, 2007 Austrian Cultural Forum, New lebt und arbeitet in Wien
Geändert am 07.02.2012