2. November – 16. Dezember 2007
Österreich ist bekannt für ein lebendiges und erfolgreiches Architekturschaffen, künstlerische, experimentelle Architektur hat Tradition und Ansehen und auch jüngere Architektinnen und Architekten haben Chancen zur Architekturentwicklung in Österreich und International beizutragen.
Als Vertreter Österreichs bei der 7. Architekturbiennale Sao Paulo 2007 wird daher diesen Aspekten entsprechend das Architekturbüro feld72 ausgewählt. Diese Formation hat in den vergangenen Jahren sowohl durch Aktionen im öffentlichen Raum, die der Entwicklung urbaner Strategien dienen, aufmerksam gemacht, wie durch zahlreiche Wettbewerbsteilnahmen, erste Realisierungen und theoretische Beiträge zum Architekturdiskurs.
Sowohl ihr Blick auf den öffentlichen Raum und seine Funktion, als auch die Fähigkeit, die Überlegungen dazu sowohl in klassischer Form (etwa als städteplanerischen Analyse), als auch in Form öffentlicher Installationen und Aktionen zu thematisieren, ist besonders geeignet, zum Biennale-Thema „private and public space“ dieses Jahres beizutragen.
Vor allem aber gehören feld72 zu den interessantesten Protagonisten der jüngeren österreichischen Architekturszene.
feld72 sind Anne Catherine Fleith, Michael Obrist, Peter Zoderer, Mario Paintner und Richard Scheich. 2002 wurde aus gelegentlichen Kooperationen zwischen einzelnen Mitgliedern die ständige Bürogemeinschaft, bis 2004 war auch Lorenz Potocnik Teil der Formation.
Die Arbeit von feld72 bewegt sich an der Schnittstelle zwischen Architektur, angewandtem Urbanismus und Kunst. Im Rahmen der selbst initiierten Projektreihe Urbane Strategien beschäftigt sich feld72 seit Anbeginn ihrer Bürogründung mit Fragestellungen des Gebrauchs und der Wahrnehmung des öffentlichen Raumes. Diese einer „Theorie durch Praxis“ zu Grunde liegenden 1:1-Projekte wurden quer durch Europa umgesetzt und thematisieren die verschiedensten Bedingungen des öffentlichen Raumes.
Die Bandbreite der temporären Arbeiten von feld72 reicht von Filekit© - dem Survivalkit für Stauopfer am Autobahnring in Rotterdam über Toronto Barbecue und Servus MQ am Vorplatz des Museumsquartiers Wien, von den subversiven Mappingprojekten CT_map und 48N13 16E20 für den Stadtraum Wiens über den Architektenstrich©, das Stickerprojekt MEGA bis zu Public Parameters für den Vorplatz des Österreichischen Biennale Pavillons in Venedig.
In Projekten wie den im September für Public Art Niederösterreich fertig zu stellendem Wolkon (multifunktionale Bushaltestelle und Dorfplatzgestaltung Paasdorf), dem Million Donkey Hotel in Süditalien als auch für 15/32, dem gewonnenen und in Kürze umgesetzten Wettbewerb für die Vorplatzgestaltung der Arbeiterkammer Wien werden dieselben Fragestellungen auch in gebauter Form umgesetzt. Die Untersuchungen von Raum als sozialer Form lassen sich ebenfalls an den bereits ausgezeichneten Architekturprojekten wie dem Winecenter Kaltern bis hin zu den gewonnenen Wettbewerben für Großprojekte ablesen.
feld72 wird eine Installation zeigen, die den Besucher in aktiver Form involviert und lustvoll an das Thema heranführt.
Dieser Beitrag wird ihre Serie der „Urbanen Strategien“ fortsetzen und eine Dokumentation dieser Fragestellungen zeigen und ermöglicht somit einen Überblick über ihr vielfältiges Schaffen und ihre Annäherung an verschiedenen Themen der Architektur.
Zudem wird ein Katalog in englischer und deutscher Sprache erscheinen.
Lilli Hollein, studierte Industrial Design an der Universität für angewandte Kunst in Wien und arbeitet seit 1996 vorwiegend als Journalistin und Kuratorin. Sie ist Kommissärin für den österreichischen Beitrag bei der 7. Architektur-Biennale Sao Paulo 2007. Als Kuratorin hat sie Ausstellungen aus den Themenbereichen Architektur und Design konzipiert, darunter 2002 „Memphis-Kunst /Kitsch/Kult“, Designzone Looshaus und „Memphis - 21 Jahre nach der Designrevolution", Kunsthalle Krems, 2005 in der Galerie Aedes East, Berlin und 2006 im Zumtobel Lichtforum Wien „AustriArchitektur- sieben Debüts aus Österreich". Zudem ist Lilli Hollein (gemeinsam mit Tulga Beyerle und Thomas Geisler als „Neigungsgruppe Design“) für die Konferenz „D06 – Zeitzonen“ und „D07 – Die Mitte“ (8. und 9. Oktober 2007) an der Universität für angewandte Kunst Wien und die „Passionswege- Designtage Wien“, 2006 und die „VIENNA DESIGN WEEKs 2007“ verantwortlich.
Geändert am 17.08.2007