Venedig, Österreich-Pavillon, 27.08.2010, 17:00

Rede von Frau Bundesministerin Dr. Claudia Schmied zur Eröffnung des Österreich-Pavillons bei der Architektur-Biennale 2010 in Venedig
27. August 2010, 17:00

(es gilt das gesprochene Wort!)

AUSTRIA UNDER CONSTRUCTION

Vorgeschichte

Der römische Kaiser Nero ließ sich ein prächtiges Domizil entlang der Hügel unweit des Kolosseums erbauen. Einer seiner Nachfolger, Kaiser Trajan errichtete später – einer klaren Strategie folgend – seine neuen ausladenden Thermen und Gärten genau darüber, am Dach des Domes Aurea, und brachte auf diese Weise Teile der (ehemaligen) Kuppeldecke zum Einsturz.

Trajan über Nero.

Herzlich willkommen bei der 12. Architektur Biennale in Venedig.

Österreichs Beitrag zur Architektur-Biennale in Venedig von Bundespräsident Heinz Fischer und Kulturministerin Claudia Schmied eröffnet
v.l.n.r.: Kommissär Eric Owen Moss, Bundespräsident Dr. Heinz Fischer, Bundesministerin Dr. Claudia Schmied. Copyright: EOMA

Sehr geehrter Herr Bundespräsident,
sehr geehrter Herr Staatssekretär,
liebe Vertreter der Landesregierung,
meine sehr geehrten Damen und Herren,

heute wird der Österreichbeitrag zur Biennale „Austria under Construction“ eröffnet.
Mit großer Freude begrüße ich den Kommissär unseres Beitrages, Herrn Eric Owen Moss aus Los Angeles.

Eric, herzlich willkommen.

Das Thema der diesjährigen Biennale lautet „People meet in Architecture“. Es geht um die Verbindung von Mensch und Architektur.

Es geht um Räume, Menschen, Orientierung, Zukunft, Optimismus, Veränderung, ich ergänze, Reformen.

Eric Owen Moss spricht oft vom Orakel der Architektur; Eine antagonistische, widersprüchliche, verbindliche Gegenwart demontiert eine einst verbindliche Vergangenheit und gibt dabei eine zukünftige Perspektive zu erkennen.“

Neues ersetzt Altes.

Überkommene Strukturen werden überwunden. Alte Macht- und Herrschaftsverhältnisse werden gestürzt.

Trajan über Nero.

Architektur ist Motor und Spiegel der Gesellschaft.

Wenn wir sagen:

Respekt vor der Geschichte blockiert Architektur.
Dann können wir bezogen auf die aktuelle innenpolitische Diskussion in Österreich sagen: zu viel Respekt vor bestehenden föderal-feudalen Strukturen blockiert Reformen.

Wir müssen das Bestehende überwinden, damit die Zukunft eine Chance hat.

Architektur, und nicht nur Architektur, bewegt sich dialektisch: These – Antithese.

Erneuerungen brauchen Entschlossenheit, Konfliktbereitschaft und Ausdauer.

Meine sehr geehrten Damen und Herren!

Eric Owen Moss ist der erste Nicht-Österreicher als Kurator des österreichischen Beitrages in Venedig.

Ich habe diese Entscheidung getroffen. Ich habe damit bewusst mit der Tradition gebrochen.

Eric Owen Moss ermöglicht einen Perspektivenwechsel.

Die österreichische Architektur ist international nicht wegzudenken. Österreichische Architektinnen und Architekten bauen und lehren auf der ganzen Welt.

Denken Sie an Exilarchitekten wie Rudolph Michael Schindler, er arbeitete insbesondere in Los Angeles, denken Sie an unsere Zeitgenossen.

Unser Österreichbeitrag bei der 12. Architektur-Biennale in Venedig ist ein klares Bekenntnis zur Weltoffenheit und Internationalität.

In Anspielung an die aktuell laufende Lehrerdebatte in Österreich sage ich:

Tiroler Architekten bauen in Tirol und auf der ganzen Welt. Internationale Architekten bauen in Tirol.

Österreich muss offen sein für das Neue, das Fremde, das Unorthodoxe.
Das betone ich, weil wir so viele einflussreiche bewahrende Kräfte im Land haben.

Wir müssen für das Neue kämpfen.

Trajan über Nero!

Herzlichen Dank Eric Owen Moss.

Geändert am 07.09.2010

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