Wien, ÖNB, Camineum, 23. November 2010
(Es gilt das gesprochene Wort!)
Sehr geehrte Auszuzeichnende,
Sehr geehrte Frau Generaldirektorin Rachinger,
Sehr
geehrter Herr Mag. Leitner (GF Büchereiverband),
Sehr geehrter Herr Dr. Ehgartner (GF Österreichisches
Bibliothekswerk),
Sehr geehrter Herr DI Wödl (GF ÖGB-Verlag),
Sehr geehrte Festgäste,
„Das Paradies habe ich mir immer als eine Art Bibliothek vorgestellt.“
Diese treffende Aussage stammt von Jorge Luis Borges (1899-1986), einem der bedeutendsten argentinischen Dichter.
Büchereien sind Orte des Vertrauens, Treffpunkte, Orte der Kommunikation und Veranstaltungsorte.
Die vergangene Woche ist mit der „Buch Wien“ (18. – 21. November) und der Lesefestwoche (15. – 21. November) ganz unter dem Motto Lesen und Bibliotheken gestanden.
Mit 196 Veranstaltungen mit Autorinnen und Autoren waren Bibliotheken der Treffpunkt schlechthin.
Öffentliche Bibliotheken sind wichtige demokratische Einrichtungen, der Zugang zu ihnen ist unabhängig von Bildung, Alter, Herkunft und Religion.
Büchereien leisten einen wichtigen Beitrag zur Gleichstellung von MigrantInnen mit der österreichischen Bevölkerung, indem sie zwei-sprachige Medien und Medien in den jeweiligen Muttersprachen sowie Lehrmittel, Ratgeber und Kurse, Vorleseveranstaltungen und einschlägige Services anbieten.
Büchereien sind aber auch Zentren des Lesens und der Literaturförderung, Sie sind Garanten für Chancengleichheit beim Zugang zu den neuen Informations- und Kommunikationstechnologien.
Heute ist ein Tag, an dem ich Danke sagen möchte.
Die heurigen Bundes-Ehrenzeichen verleihen wir an Sie, an Menschen, die sich mit großem persönlichen Engagement im Öffentlichen Büchereiwesen einsetzen.
Nur etwa zehn Prozent aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Büchereien sind hauptberuflich tätig. Ohne ehrenamtliche MitarbeiterInnen wäre eine flächendeckende Versorgung mit Büchereien in Österreich nicht möglich.
Neben den Schulen sind die Öffentlichen Büchereien die zweitgrößte Leseeinrichtung im Land und von eminenter Wichtigkeit für die kulturelle Bildung.
Sehr geehrte Festgäste,
die Qualifizierung der MitarbeiterInnen ist ein Schwerpunkt meines Ressorts im Bereich des Öffentlichen Büchereiwesens.
Das BMUKK finanziert und betreut die Aus- und Fortbildung sowohl hauptamtlicher als auch ehrenamtlicher und nebenberuflicher BibliothekarInnen.
Für ehrenamtliche BibliothekarInnen findet alljährlich eine große Anzahl von Aus- und Fortbildungslehrgängen im Bundesinstitut für Erwachsenenbildung St. Wolfgang in Strobl statt. Dabei finanziert das BMUKK sämtliche Kurskosten, wie Materialien, Skripten, Honorare der Ausbildner, Raummieten und auch die Aufenthalte.
Zusätzlich gibt es noch die sogenannte „Einführung in die regionale Bibliothekspraxis“, die den ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die Möglichkeit bietet, den ersten Teil ihrer Ausbildung im eigenen Bundesland zu absolvieren. Der zweite und dritte Teil findet im Bundesinstitut für Erwachsenenbildung in Strobl statt.
Zusätzlich gibt es ein vielfältiges Angebot an Fortbildungskursen, Seminaren sowie Workshops in den Bereichen Literaturvermittlung und Leseanimation, Büchereiverwaltung, Internet- und Softwareschulungen sowie für aktuelle Themen des Öffentlichen Büchereiwesens in Strobl und auch in allen Bundesländern.
Was hat sich in den letzten Jahren im Öffentlichen Büchereiwesen geändert ?
Erstmals in der Geschichte des österreichischen Büchereiwesens wurden von der von mir eingerichteten „Arbeitsgruppe Öffentliches Büchereiwesen“ einheitliche, ambitionierte „Zielstandards“ festgelegt.
Diese sind im Konsens mit den drei bundesweiten Interessensvertretungen des Öffentlichen Büchereiwesens, dem Büchereiverband Österreichs, dem Österreichischen Bibliothekswerk und dem Büchereiservice des ÖGB erarbeitet worden und betreffen sowohl die großen hauptberuflich geführten Stadtbüchereien, als auch die kleinen, ehrenamtlich geführten Büchereien in ganz Österreich.
Mit der Erhöhung der jährlichen Fördersumme auf € 500.000 wurde die jährliche direkte Büchereiförderung des BMUKK ab heuer signifikant aufgestockt. Neue Förderrichtlinien sichern die Steigerung der Leistungsfähigkeit der Öffentlichen Büchereien Österreichs. Die Öffentlichen Büchereien werden auf dem Weg in Richtung „Zielstandards“ begleitet, und die Förderung des Ministeriums wird an eine Beteiligung durch Büchereiträger und Bundesland gebunden.
Ein neu eingerichteter „Beirat für Büchereiförderung beim BMUKK“ empfiehlt auf Antrag der Büchereien und auf Basis der erarbeiteten Förderrichtlinien die Förderempfänger und die jeweilige Förderhöhe, die vom Ministerium direkt an die Büchereien ausbezahlt wird. Auch wurde zukunftsorientiert ein Vertrag mit dem Büchereiverband Österreichs (BVÖ) als Servicestelle für das Öffentliche Büchereiwesen abgeschlossen.
Sehr geehrte Bibliothekarinnen und Bibliothekare,
die Entwicklung des Büchereiwesens ist mir ein wichtiges Anliegen.
Das Besondere und Gemeinsame in diesem Kreis ist ihr freiwilliges, ehrenamtliches, unentgeltliches Engagement für die Gesellschaft.
Dafür möchte ich Ihnen herzlich danken und ich freue mich, dass ich Ihre ehrenamtlichen unentgeltlichen Verdienste für die Republik Österreich mit dem „Bundesehrenzeichen 2010 für Öffentliches Büchereiwesen“ auszeichnen darf.
Geändert am 25.01.2011