(es gilt das gesprochene Wort!)
Sehr geehrte Kommissärin Eva Schlegel,
sehr geehrter Markus Schinwald,
meine
Damen und Herren,
ILLUMInations, das ist das Motto der Biennale.
Im ersten Wortteil geht es um das Licht, ein
wesentliches Element der Kunst.
Mit dem zweiten Wortteil „Nations“ ist wieder einmal die Frage aufgeworfen worden, ob es denn im Hinblick auf die Globalisierung und unseren Wunsch, das Nationalstaatliche zu überwinden, noch zeitgemäß ist, Länder-Pavillons zu bespielen.
Ist Kunst nicht eine eigene Nation?
Sind Künstlerinnen und Künstler nicht eine Population, die sich über alle Grenzen hinaus bewegt?
Eva Schlegel hat dazu auf der Homepage des österreichischen Biennale-Beitrags Kunstexpertinnen und -experten zu Wort kommen lassen und ich möchte auf Jacqueline Burckhardt verweisen.
Sie bekennt sich zur Kontextualisierung durch die nationale Bespielung, weil schon die Auswahl der Künstlerinnen und Künstler Hinweise auf die Verfasstheit eines Landes gibt.
Wir sind auch stolz auf das, was im österreichischen Pavillon gezeigt wird.
Nicht aus einem kleinlichen nationalen Reflex heraus, sondern weil die hohe Qualität österreichischen Kunstschaffens auch – ich betone: auch – etwas mit den Bedingungen in unserem Land zu tun hat.
Es geht um ein Klima der Weltoffenheit in der Gesellschaft, um ein Fördern von Diskurs und Widerstand. Wir müssen die Freiheit der Kunst zulassen, sie als die Unsere begreifen und sie verteidigen.
Und wir brauchen Räume, in denen Kunst sich entwickelt.
Bevor ich den Künstler Markus Schinwald würdige, lassen Sie mich ein Beispiel für Momente der Kunstentwicklung anführen.
Wir haben den freien Eintritt in die Bundesmuseen eingeführt und damit vielen jungen Menschen die Chance zu einer vielleicht ersten Begegnung mit Kunst gegeben.
Wie ich lesen konnte, haben auch Sie, lieber Markus Schinwald Ihre erste Begegnung mit der Kunst in einer renommierten Kultureinrichtung gehabt.
Sie haben als Teil einer Gruppe von Kindern bei den Salzburger Festspielen die Schlange in der Zauberflöte gebildet.
Damals waren Sie ein Teil einer Bewegung, die von Anderen choreographiert wurde. Heute sind Sie ein wahrlich Eigenständiger, der die scheinbar festgefügte, gesicherte Welt in Frage stellt.
Die Dinge, die Sie uns zeigen schweben im Raum, sie durchbrechen ihn.
Die gewohnte Struktur des Pavillons hat sich durch Sie verändert und ist in Frage gestellt.
Ein Pavillon voll von Anregung und Irritation.
Lieber Markus Schinwald, ich möchte Ihnen zu Ihrer großen Gesamtinstallation gratulieren.
Ebenso danke ich Eva Schlegel für die Wahl von Markus Schinwald und für die großartige Arbeit, die sie und ihr Team in der Vorbereitung und hier in Venedig geleistet haben und leisten.
Der österreichische Beitrag zur 54. Biennale von Venedig ist eröffnet.
Geändert am 16.06.2011