Rede der Frau Bundesministerin Dr. Claudia Schmied zum Festakt in Salzburg am Donnerstag, den 18.09.2008
Bundesinstitut für Bildungsforschung, Innovation und Entwicklung des österreichischen Schulwesens - BIFIE

(Es gilt das gesprochene Wort)

Sehr geehrte Landeshauptfrau, liebe Gabi,
Sehr geehrter Herr Professor Fend,
Sehr geehrte Herr Direktor Haider, lieber Günter,
Sehr geehrter Herr Direktor Lucyshyn,
Sehr geehrte Festgäste,

Die in der letzten Woche präsentierte OECD-Studie „Education at a Glance 2008“ zeigt uns einmal mehr, dass großer Handlungsbedarf im österreichischen Bildungssystem besteht.

Vor allem die geringe Chancengerechtigkeit in unserem Bildungssystem und der noch immer zu geringe Zustrom zu höherer Bildung müssen uns zu denken geben.

Wir brauchen mehr junge Menschen mit höherer Bildung, unabhängig vom finanziellen Status der Eltern, unabhängig von der Herkunft der Eltern.

Wir brauchen mehr Durchlässigkeit in unserem Bildungssystem und Top-Universitäten.

In den vergangenen 20 Monaten ist es gelungen, eine breite Allianz der Schulreformer zu bilden. Ich nenne hier besonders die Sozialpartner, die Industriellenvereinigung aber auch die katholische Kirche.

Ein breites Bekenntnis zu Verbesserungen und Weiterentwicklungen unseres Bildungssystems ist da.

Eine erstklassige Faktenlage weist uns den Weg: PISA, PIRLS, OECD-Berichte, EU-Studien, OECD-Studie sowie Bildungsexperten im In- und Ausland zeigen uns den großen Reformbedarf immer wieder auf.

Sehr geehrte Damen und Herren,

das neue Schuljahr 2008/09 startet mit vielen Verbesserungen für die Schülerinnen und Schüler.

Kleinere Klassen, mehr Lehrerinnen und Lehrer in den Klassenzimmern, intensive Sprach- und Frühförderung, Start der Neuen Mittelschule, Ausbau der Tagesbetreuung, Fixierung von Bildungsstandards und Start der Berufsmatura sind Beispiele für zukunftsorientierte Projekte.

All diese Projekte zeigen: Die Richtung stimmt.

Es ist allerdings klar: Die nächste Regierung muss den Weg der Bildungsreform konsequent fortführen. Sie darf sich nicht durch ideologische Blockaden und Standesinteressen bremsen lassen.

Wir stehen im internationalen Bildungs- und Innovationswettbewerb. Österreich kann sich einen Stopp der Reformen keinesfalls leisten.

Denn: Die Probleme des Bildungssystems von heute sind die Probleme des Wirtschaftsstandortes von morgen.

Die nächste Regierung ist aus meiner Sicht vor allem bei vier Themen gefordert:

  1. Verpflichtendes vorschulisches Bildungsjahr
  2. Neue Mittelschule in allen Bundesländern
  3. Investitionen in den Lebensraum Schule
  4. Universitäre Ausbildung mit Aufnahmeverfahren für alle pädagogischen Berufe

Sehr geehrte Damen und Herren,

das Bildungssystem in Österreich braucht einen Innovationsschub und muss mit den Herausforderungen und Anforderung der Gesellschaft des 21. Jahrhunderts harmonisiert werden.

Das Bundesinstitut für Bildungsforschung, Innovation und Entwicklung des österreichischen Schulwesens wird – davon bin ich überzeugt - unverzichtbare Beiträge leisten.

Ich bin aufgrund meines beruflichen Werdegangs in der Wirtschaft daran gewöhnt, wichtige Zukunftsentscheidungen auf der Basis einer guten Faktenlage zu treffen. Auch als Bildungspolitikerin brauche ich regelmäßig Fakten aus wissenschaftlichen Analysen und internationalen Vergleichen, um faktenbasiert Entscheidungen für die notwendigen Reformen zu treffen und damit kontinuierlich und konsequent die Qualität des österreichischen Schulsystems zu verbessern.

Deshalb habe ich 2007 die Initiative zur Neugründung des BIFIE gesetzt.

Die Arbeit des BIFIE ist ein zentraler Bestandteil meiner bildungs-politischen Arbeit, diese Arbeit ist auch für die zukünftige Bundesregierung wichtig!

Ich erwarte mir vom BIFIE insbesondere

  • die Durchführung internationaler Untersuchungen wie PISA, PIRLS
  • die intensive Begleitung der Implementierung der Bildungsstandards
  • die wissenschaftliche Begleitung der Neuen Mittelschule
  • die Erstellung des neu geschaffenen Bildungsberichts
  • die aktive Mitwirkung an weiteren qualitätsorientierten Projekten wie z.B. der teilstandardisierten Reifeprüfung

Ich bin überzeugt, dass unsere Schulen, Pädagoginnen und Pädagogen, aber auch Schülerinnen und Schüler und ihre Eltern von diesen wichtigen Beiträgen zur Verbesserung der Bildungsqualität profitieren werden.

Sehr geehrte Herren Direktoren, ich setze große Erwartungen in Sie und in die Arbeit des BIFIE und wünsche Ihnen und allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des BIFIE dabei viel Erfolg!

Geändert am 18.09.2008

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