Rede der Frau Bundesministerin Dr. Claudia Schmied gehalten am 5. Oktober 2007 bei der Wr. Neustädter Bildungsenquete 2007 "Schule bringt Wissen bringt Zukunft"
Bundesministerin Dr. Claudia Schmied
(Es gilt das gesprochene Wort!)
Sehr geehrte Damen und Herren,
Bildungspolitik nimmt derzeit in Österreich einen großen Stellenwert in der politischen Diskussion ein. Das ist aus zwei Gründen zu begrüßen: Erstens weil wir über die Zukunft jener Generationen reden, die in zwei, drei Jahrzehnten das Schicksal unseres Landes bestimmen werden. Zweitens, weil wir hierzulande in den letzten zehn Jahren einen fatalen Stillstand in der Entwicklung des Bildungssystems verfolgen mussten, der uns von den Besten in Europa deutlich entfernt hat. Wir haben die Aufgabe aufzuholen und eine dynamische Entwicklung einzuleiten.
So sehr diese Diskussion auch kontroversiell geführt wird, sollten wir uns auf eine zentrale These einigen können: Im Mittelpunkt aller Überlegungen stehen Kinder und Jugendliche.
Als Bildungsverantwortliche haben wir die Aufgabe, die Schule so zu gestalten, dass sie den Bedürfnissen der jungen Menschen gerecht wird und ihnen Orientierung im Leben geben kann. Durch Vermittlung von Wissen, Kultur, Kreativität und sozialem Bewusstsein.
Das ist ein anspruchsvolles Ziel. Es wird nicht genügen, die Struktur der Schule, den Namen des Schultyps in den Vordergrund zu stellen, sondern wir müssen über Inhalte reden. Alles andere ist populistisch und schadet.
Meine Damen und Herren, ich sage es nochmals deutlich: Wir sind es unseren Kindern schuldig, dass wir – abseits tagespolitischer Konflikte – ernsthaft darüber reden, wie wir zu einer optimalen Förderung aller Talente kommen können, wie wir dazu beitragen können, dass Kinder gerne und mit Freude in die Schule gehen und dort alles bekommen, was sie brauchen, um kreative, soziale und gebildete Menschen zu werden. Das Thema Schule ist nicht auf eine einfache Formel zu bringen. Wir müssen die Komplexität akzeptieren und sie zum Inhalt unserer Überlegungen machen.
An erster Stelle, meine Damen und Herren, müssen wir uns fragen, welchen Bildungsbegriff wir verwenden, von welchem Menschen- und Gesellschaftsbild wir ausgehen. Bildungsexperten sprechen heute nicht mehr von Begriffen wie „Belehrung,“ „Wissensvermittlung“ und Ähnlichem, sondern es geht ihnen um eine ganzheitliche Bildung als lebensbegleitenden Entwicklungsprozess des Menschen, in dem er seine geistigen, kulturellen und lebenspraktischen Fähigkeiten und seine personalen und sozialen Kompetenzen erweitert.
Schon Wilhelm von Humboldt definiert Bildung als „die Anregung aller Kräfte des Menschen, damit diese sich über die Aneignung der Welt entfalten und zu einer sich selbst bestimmenden Individualität und Persönlichkeit führen.“
Die „Aneignung der Welt“ ist für viele junge Menschen jedoch schwierig geworden. Viele Familien können heute nicht mehr all das leisten, was Kinder brauchen. Mit dem zunehmenden Leistungsdruck fällt es vielen Müttern und Vätern schwer, ihren Kindern jene Kompetenzen durch eigenes Vorleben und durch Erziehung mitzugeben, die sie brauchen.
Die Schule muss zusätzliche Aufgaben übernehmen, ob wir die Entwicklung nun begrüßen oder nicht, und sie muss ihre angestammten Aufgaben auch weiterhin erfüllen, nämlich den Kindern jenes Wissen zu vermitteln, das sie in der Arbeitswelt und in ihrem gesellschaftlichen Leben benötigen.
Die Lehrerinnen und Lehrer an den österreichischen Schulen sind bereit dazu, sich dieser Herausforderung zu stellen. Die Schule von Heute begreift sich mehr als bisher als lernende Organisation und muss von der Politik auch als solche verstanden werden. Es geht um das angemessene Reagieren auf neue Anforderungen, es geht um die Harmonisierung mit gesellschaftlichen Entwicklungen.
Vor allem die Vermittlung von Werten wie Integrität, Zivilcourage, Verantwortung sowie von Kompetenzen wie Kreativität, Flexibilität, Kommunikations-, Konflikt- und Teamfähigkeit und das soziale Lernen erfordern eine Weiterentwicklung der Lernkultur an den Schulen.
Bildung, Innovation und Kreativität müssen auch in Österreich stärker als bisher übergreifend betrachtet und sozusagen „zusammen gedacht“ werden. Es sind dies schließlich die zentralen Standort- und Wettbewerbsfaktoren der Europäischen Union, zunehmend aber auch weltweit.
Und Bildung ist ganz allgemein die Grundlage für Innovation und Wirtschaftsentwicklung sowie für eine konfliktfreie, gesellschaftliche Entwicklung.
Meine Damen und Herren,
Bildungspolitik ist angewandte Gesellschaftspolitik und - bis zu einem gewissen Grad - auch Wirtschaftspolitik. Die Bundesregierung hat deshalb auch in den Budgets für 2007 und 2008 insgesamt 200 Millionen Euro zusätzlich für besondere Bildungsmaßnahmen bereitgestellt. Damit können notwendige Reformen in Richtung eines modernen, talentefördernden Bildungssystems auf den Weg gebracht werden.
Mit diesem MEHR an Budget wird es für MEHR junge Menschen MEHR Bildung und MEHR Zukunftschancen geben.
Ich möchte an dieser Stelle die Senkung der Klassenschülerzahlen erwähnen, die wir mit Beginn dieses Schuljahres begonnen haben. Das bedeutet mehr Zuwendung für die Kinder und Jugendlichen.
Wir können freilich nicht ignorieren, dass die weiterhin voranschreitende Globalisierung, der rasante Wissenszuwachs und die schier erdrückende Überfülle an Informationen, die durch die neuen Technologien allerorts und jederzeit verfügbar sind, das Bildungswesen nachhaltig verändern werden. Lebensbegleitendes Lernen, so lautet eine These der Delphi - Studie zur Zukunft der Bildung, wird deshalb zu einem Grundprinzip im zukünftigen Bildungswesen.
Eine ganzheitliche und vernetzte Ausrichtung von Allgemeinbildung, beruflicher Bildung und Weiterbildung ist eine entscheidende Grundlage in einer Perspektive des lebensbegleitenden Lernens. Wir brauchen ein Bildungssystem mit transparenten und durchlässigen Übergängen. Kein einmal eingeschlagener Bildungs- oder Ausbildungsweg darf zu einer „Bildungssackgasse“ werden.
Ich möchte Sie einladen, die Schulreform einmal von einer neuen Seite her anzuschauen. Stellen wir uns vor, wir könnten ein Bildungssystem auf die grüne Wiese, nein – auf eine bunte Wiese bauen, eine Schule, wie sie den Anforderungen der heutigen Zeit und den Bedürfnissen der jungen Menschen entspricht.
Diese Bedürfnisse sind unterschiedlich, wie die Kinder selbst. Die Einen brauchen individuelle Förderung beim Lernen, die Anderen Unterstützung beim Erwerb sozialer Fähigkeiten, die Dritten beste Rahmenbedingungen für ihre ausgeprägten kreativen Talente, wieder andere Unterstützung ihrer Begabung für naturwissenschaftliche Fächer.
Die neue Schule, die wir miteinander bauen, unterstützt all diese unterschiedlichen Fähigkeiten, Fertigkeiten und Talente. Sie versucht, jedem Kind die beste Unterstützung zu geben, die nur irgend möglich ist. Sie ist eine Schule, die allen Chancen gibt und das Beste für unsere Kinder ermöglicht.
Wir geben also allen Kindern eine faire Chance durch individuelle Förderung. Meine Damen und Herren, ich hoffe, Sie können mit mir übereinstimmen, dass dieses Bild einer neuen Schule ein Bild der Vielfalt ist.
Und jetzt frage ich: Warum soll dieses, von mir skizzierte Schulsystem in zwei unterschiedlichen Schultypen für 10-14jährige stattfinden? Es kann doch nicht um Separation, sondern es muss um die Vielfalt in der gemeinsamen Schule gehen. Die Gegner einer gemeinsamen Schule sprechen immer wieder davon, dass diese einen Eintopf brächte.
Wenn wir aber die Schule nicht grundlegend inhaltlich verändern, haben wir zwar zwei Töpfe, aber in beiden köchelt dieselbe, nicht mehr ganz frische, bald schon völlig ungenießbare Mahlzeit.
Meine Damen und Herren, es besteht akuter Handlungsbedarf und das beweisen nationale und internationale Untersuchungen und Studien der letzten Zeit: Ich nenne nur den Rechnungshof-Bericht, die jüngste Untersuchung des Instituts für Höhere Studien und den alljährlichen OECD-Bericht „Bildung auf einen Blick“, die PISA-Studien und den in den letzten Tagen veröffentlichten Bildungsbericht der EU.
Sie alle bestätigen mehr oder minder deutlich, was führende Schulexpertinnen und –experten aus dem In- und Ausland seit Jahren fordern: Das Ende der pädagogisch bedenklichen und ökonomisch teuren Trennung der Bildungswege im 10. Lebensjahr der Kinder. Der deutschsprachige Raum hinkt in dieser Hinsicht der Entwicklung in den meisten anderen europäischen Ländern hinterher. Ohne sie überzubewerten, spricht doch alles dafür, dass die ernüchternden PISA-Ergebnisse in Deutschland und Österreich wohl kein Zufall, sondern eher systembedingt sind.
Die Frage lautet also: Wie kommen wir im Bildungssystem zu mehr Spitzenleitungen und wie können wir gleichzeitig auch achtsam mit Schwächeren und Benachteiligten umgehen?
Ich bin überzeugt, dass nur eine ganz neue Schule für die 10 bis 14jährigen diese scheinbar diametral entgegengesetzten Anforderungen erfüllen kann. Unter der Bezeichnung „Neue Mittelschule“ haben wir dafür Ideen und Konzepte entwickelt, die ab dem Schuljahr 2008 modellhaft in einigen Regionen in der Praxis erprobt werden sollen. Sie ist die Schule, die wir auf die bunte Wiese der Vielfalt setzen.
Die Neue Mittelschule wird eine neue Leistungsschule sein, aber auch eine Schule der Vielfalt, die verstärkt auf Begabungen und Talente eingehen kann. Schülerinnen und Schüler werden entsprechend ihren individuellen Möglichkeiten bestmöglich gefordert, aber nicht überfordert. Lehrerinnen und Lehrer werden ihres dazu tun, um Begabungen zu erkennen, Chancen zu eröffnen und Leistungen differenziert zu bewerten. Sie werden dafür auch gezielt ausgebildet.
Es wird mehr Förderung geben, weil mit Benachteiligungen und Schwächen achtsam umgegangen wird.
Es wird mehr Miteinander geben im Sinne einer modernen Bildungsgesellschaft und einer neuen Ära, in der alle Kinder gemeinsam die Schule besuchen. Eine Schule, in der sie unabhängig von Herkunft, Einkommen und sozialem Hintergrund miteinander lernen und leben, fördert auch die soziale Kompetenz in der Gesellschaft.
Wir sind verpflichtet, ungleiche, individuelle Ausgangsbedingungen in gleiche Chancen zu verwandeln – und das in jeder Lebensphase.
Dazu zähle ich den Ausbau von ganztägigen Betreuungsangeboten an Pflichtschulen. Das würde uns ermöglichen, spezielle Förderungen im Rahmen der Nachmittagsbetreuung anzubieten. Eltern – die heute zum Teil enorme Summen für Nachhilfe ausgeben – könnten wir damit finanziell entlasten.
Dazu zähle ich die Möglichkeit, alle formalen Ausbildungen der Sekundarstufe I und II – altersunabhängig – kostenfrei nachholen zu können. Wir wollen damit das Nachholen von Basisbildung, Hauptschulabschlüssen und der Berufsreifeprüfung im Erwachsenenalter besonders fördern.
Dazu zähle ich das Konzept „Lehre mit Matura“, das die seit 10 Jahren sehr erfolgreiche Berufsreifprüfung ergänzen soll. Wir wollen damit motivierten jungen Menschen die Möglichkeit bieten, parallel im Rahmen der Lehre einen Beruf zu erlernen und die Hochschulreife zu erlangen.
Meine Damen und Herren,
Unsere Schulen sollen es keinem Kind zum Vorwurf machen, dass es die deutsche Sprache noch nicht ausreichend spricht, sondern ihm helfen, sie zu perfektionieren und sich zu entwickeln. Wir wollen kein einziges Kind allein und ohne Unterstützung lassen und wir respektieren jedes von ihnen. Die Vielfalt einer Kultur entsteht durch die Fähigkeit, Andere zu verstehen und anzuerkennen. So, nur so entsteht kultureller Mehrwert.
Unsere gemeinsamen Bemühungen um Integration im Interesse der Kinder und Jugendlichen sollen diesen Tore in unsere Gesellschaft öffnen, denn erst eine stabile Persönlichkeit schafft die Grundlagen für Offenheit und Kooperation.
Integration geschieht aber nicht auf Knopfdruck, sondern ist ein langer Prozess. Die systematische und frühe Förderung der deutschen Sprachkenntnisse im Vorschuljahr ist das wichtigste Instrument für den Bildungserfolg der Kinder und Jugendlichen, die eine andere Muttersprache haben.
Vielfalt entwickelt sich durch das Erkennen von Potenzialen und ihre Förderung, sie entwickelt sich durch das Identifizieren von Schwächen und durch ihren Ausgleich. Nicht der Schultyp, nein - unsere Haltung zu den Kindern schafft jene Vielfalt, die eine Leistungsgesellschaft benötigt.
Meine Damen und Herren,
das Profil und die Atmosphäre einer Schule werden entscheidend von der Schulleitung und tätigen Lehrenden geprägt. Zugespitzt könnte man sagen: Die Schule wird von den Lehrerinnen und Lehrern gemacht. Von ihrem Engagement und ihrer Motivation hängt in hohem Maß die Qualität des Unterrichts, hängt das Gelingen jeder Schulreform ab.
Sie sind zudem „Schlüsselkräfte“ im Hinblick auf Talenterkennung und erfüllen eine ganz wichtige Mentorenfunktion. Lehrpersonen sollen ermutigen, sollen Wege aufzeigen. Daher sind neben fachlicher und pädagogischer Kompetenz Güte, Humor und Poesie zentrale Eigenschaften, die eine gute Lehrerin oder einen guten Lehrer ausmachen. Dazu kommen ihr oder sein Menschenbild, die innere Orientierung und die Motivation.
Damit die Pädagoginnen und Pädagogen die ihnen zugedachten Aufgaben auch erfüllen können müssen sie im Zuge einer modernen Ausbildung auf die vielfältigen Anforderungen und Möglichkeiten des Bildungssystems vorbereitet werden. Integration, Qualitätssicherung, individuelle Förderung und politische Bildung sind Schwerpunkte in der Ausbildung. Sowohl fachlich als auch didaktisch und pädagogisch sind Lehrerinnen und Lehrer heute, wie in Zukunft aufgefordert, stets auf dem aktuellen Stand zu sein. Nur so kann die Qualität im Bildungsbereich dauerhaft gewährleistet werden.
Der Lehrberuf ist eine hochprofessionelle Tätigkeit von Bildungsexpertinnen und Bildungsexperten, die eine große Verantwortung für individuelle und gesellschaftliche Lern- und Bildungsprozesse tragen. Als Architektinnen und Architekten der Zukunft lernen sie – in enger Verschränkung von Lehre und Praxis – zuzuhören, zu inspirieren, experimentieren, motivieren und Möglichkeitsräume aufzuzeigen.
Das „Empowerment,“ das wir unseren Kindern mit einem modernen Schulsystem zugute kommen lassen wollen, braucht seine Entsprechung auch bei der Ausbildung der Lehrenden.
Mit der Gründung der Pädagogischen Hochschulen wird einerseits die Tradition der österreichischen Lehrerinnen- und Lehrerbildung weitergeführt, andererseits wird die Ausbildung den neuen Herausforderungen dynamisch angepasst. Durch die Zusammenlegung der Pädagogischen Akademien und der Pädagogischen Institute kommt es auch zu einer Zusammenführung von Aus- und Weiterbildung der Lehrerinnen und Lehrer in einer Institution. Aber auch hier ist zu betonen: Vielfalt wird durch Inhalte und Methodenfülle erreicht, nicht durch eine Zweiteilung der Institutionen.
Die Weiterentwicklung des Lehramtsstudiums in Österreich soll in enger Kooperation der Pädagogischen Hochschulen
mit den Universitäten erfolgen. Unter Nutzung der Stärken beider Institutionen soll eine gemeinsame Lehramtsausbildung
mit gemeinsamen Standards entstehen, die sich an den Bedürfnissen der jeweiligen Altersgruppen orientiert.
Das ist ein ambitioniertes Ziel, das gebe ich schon zu. Es stimmt mich aber zuversichtlich, dass
bereits eine gemeinsame Arbeitsgruppe von Universitäten und Pädagogischen Hochschulen zur Weiterentwicklung der
Lehrerinnen- und Lehrerbildung ihre Arbeit aufgenommen hat.
Neue organisatorische Rahmenbedingungen sind wichtig, sie verändern eine Institution aber noch nicht im Kern.
Dazu braucht es auch eine entsprechende Haltung, Einstellung und Kompetenz der Verantwortlichen und der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Pädagogischen Hochschulen, die nach meinem Verständnis zu Kompetenzzentren einer modernen Lehrerinnen- und Lehrerbildung werden sollen.
Ich sehe es als meine Aufgabe, die Pädagogischen Hochschulen darin zu begleiten und zu unterstützen. Und ich sehe es auch als meine und die Aufgabe meines Ministeriums, dafür zu sorgen, dass das Bild der Lehrerinnen und Lehrer in der Gesellschaft verbessert wird und die Angehörigen dieser Berufsgruppe endlich jene Anerkennung bekommen, die ihrer Bedeutung in der Gesellschaft gerecht wird. Es ist hoch an der Zeit!
Meine Damen und Herren,
Bildung ist, wie schon mehrfach in meiner Rede angeklungen mehr als reiner Wissenserwerb. Es ist dies auch und nicht zuletzt die Entwicklung der Fähigkeit des Menschen zur Teilhabe am kulturellen Leben, zur verstehenden Auseinandersetzung mit den Künsten.
Ich halte deshalb die Initiative „Kunst macht Schule“ für besonders wichtig, weil die Beschäftigung mit Kunst und Kultur wieder mehr Bedeutung im österreichischen Schulsystem bekommen muss. Das kann auf sehr unterschiedliche Art geschehen und findet in manchen Schulen bereits in vorbildlicher Weise statt.
Wir wollen jetzt solche „best practice-Beispiele“ sammeln und analysieren, um daraus Erkenntnisse für neue Strukturen und Ansatzpunkte für die Fortbildung der Lehrerinnen und Lehrer zu gewinnen. Die Rückkehr der Zuständigkeit für Kunst in das Unterrichtsministerium ist in diesem Zusammenhang sehr hilfreich, weil wir dadurch dieses Projekt sozusagen „von zwei Seiten“ angehen können.
In der kulturellen Bildung steckt sehr viel „Kapital“ - ökonomisches genauso wie kulturelles und soziales: Sie gibt ganz wesentliche Impulse für die Gestaltung des Lebens und setzt in dieser zunehmend beschleunigten Welt enorm wichtige Anker- und Orientierungspunkte. Deshalb denke ich mir die ideale Schule auch als eine Art „öffentliches Lernzentrum“, das an etablierte Kultureinrichtungen andockt und in dem es beispielsweise zu persönlichen Begegnungen von Kunstschaffenden mit Schülerinnen und Schülern kommt.
Es geht um eine neue und direktere, auch um eine sinnlichere Vermittlung von Kunst und Kultur und um deren Verknüpfung mit Bildung und Innovation.
Nach Jahren des Beharrens und wohl auch der Selbsttäuschung ist wieder Bewegung in die Bildungspolitik gekommen, ist es gelungen, den Bildungszug zu beschleunigen und in eine neue Richtung zu lenken. Derzeit erleben wir eine breite bildungspolitische Diskussion, die ich sehr begrüße, weil ich sehe, dass mancherorts traditionelle Standpunkte relativiert, Stereotype hinterfragt und mehr oder minder irrationale Ängste und Befürchtungen im Lichte von Fakten und internationalen Erfahrungen sich abschwächen.
Man soll und kann die Menschen nicht zwangsbeglücken. Verantwortungsbewusste Politik muss aber danach trachten, auf der Basis gesicherter Erkenntnisse und im Vertrauen auf den Tenor der Expertenmeinungen auch einmal ein Stück des Weges mutig voranzugehen und die Skeptiker durch die Beweiskraft des Faktischen zu überzeugen. Bildungspolitik wird nicht um ihrer selbst willen betrieben und ist keine Spielwiese für ideologische Experimente.
Sie ist wie alle anderen Politikbereiche gefordert, sich den Veränderungen in der Welt zu stellen und zukunftsfähige Modelle und Strukturen zu entwerfen, damit eine der vornehmsten und vordringlichsten Aufgaben jeder Gesellschaft, nämlich die Bildung und Ausbildung der Kinder und Jugendlichen bestmöglich gelingt.
Und Eines möchte ich an dieser Stelle nochmals wiederholen: Im Mittelpunkt all meiner Überlegungen und Entscheidungen stehen die Kinder als Träger der Zukunft unseres Landes.
Meine Damen und Herren, ich bin überzeugt, dass wir an einem entscheidenden Punkt der bildungspolitischen Diskussion angelangt sind und dass wir jetzt rasch handeln müssen, wenn wir nicht Gefahr laufen wollen, in Puncto Bildungsqualität und Bildungsbeteiligung den Anschluss an internationale Entwicklungen zu verlieren.
Nützen wir jetzt auch die Chance der aktuellen Diskussionen um eine Verwaltungs- und Verfassungsreform und schaffen wir klare Verantwortungen in der Schulverwaltung.
Veränderungen im Schulwesen entfalten ihre gesellschaftliche Wirkung erst nach einigen Jahren, wir dürfen keine Zeit verlieren. Setzen wir konsequent und selbstbewusst die vordringlichen bildungspolitischen Schritte.
Es geht um die Zukunftschancen der nächsten Generationen!
Geändert am 05.10.2007