Bregenz, Festspielhaus, 20. Juli 2011

Rede von Frau Bundesministerin Dr. Claudia Schmied zur Eröffnung der Bregenzer Festspiele am 20. Juli 2011

(Es gilt das gesprochene Wort!)

Sehr geehrter Herr Bundespräsident!
Sehr geehrte Frau Nationalratspräsidentin!
Sehr geehrter Herr Bundeskanzler!
Sehr geehrter Herr Vizekanzler!
Sehr geehrte Mitglieder der Bundesregierung!
Sehr geehrter Herr Landeshauptmann!
Sehr geehrter Herr Festspielpräsident!
Sehr geehrte Damen und Herren!

Wir werden, so will es David Pountney, „Schöpfung und Kreativität“ erleben, bestehende Werke und Auftragswerke, die eigens für die Bregenzer Festspiele geschaffen wurden.

Das Programm zeigt die innovative Kraft der Festspiele.

Das Programm ist der Beweis einer selbstbewussten Intendanz,
David Pountney und einer mutigen Präsidentschaft, Günter Rhomberg!

Herzliche Gratulation und große Wertschätzung!

Meine sehr geehrten Damen und Herren!

Wir leben in einer Zeit der großen Umbrüche und das wohl in mehrfacher Hinsicht.

In vielen Ländern dieser Welt versuchen Menschen ihre Unterdrücker abzuschütteln. Wir sehen im Fernsehen Bilder von Revolutionen. Wir sehen die Leidenschaft von Menschen, die – André Chénier gleich – für die Demokratie kämpfen.

Der Geist des Widerstands ist auch in Europa angekommen.

Überall da wo viele junge Menschen ohne Arbeit und somit ohne Perspektive sind, ist der soziale Friede in Gefahr.

Deshalb, meine sehr geehrten Damen und Herren, ist es so wichtig dafür zu sorgen, dass jede und jeder in Österreich die Chance hat, zu lernen, sich zu bilden, zu arbeiten und am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben.

Das ist unser klares politisches Bekenntnis.

So wie André Chénier mutig gegen das alte Regime auftritt, müssen wir heute gegen die Finanzkrise ankämpfen, die in ihrer Substanz eine Krise der Kultur und eine Krise der Werte ist.

Heute müssen wir „Rettungsschirme“ aufspannen, weil wir den „sauren Regen“ nicht verhindern konnten, den die Maßlosigkeit der Finanzmärkte verursacht hat und der die Realwirtschaft zu ertränken droht.

Schon der deutsche Humanist Erich Fromm hat vor der Dominanz des „Habens“ gegenüber dem „Sein“ gewarnt.

Es ist Zeit, dass wir uns bei allen marktwirtschaftlichen Prinzipien auf die Grundwerte unserer Kultur, auf Solidarität und Teilhabe besinnen und dass wir entschlossen für diese Werte eintreten.

Auf einer breiten politisch-ökonomischen Ebene werden wir dieses Umdenken aber nur schaffen, wenn wir einen Pakt mit der nächsten Generation eingehen.

Wenn wir sie ermutigen und wenn wir sie dabei unterstützen, mit Selbstbewusstsein, Mut und Zuversicht, Verantwortungsbewusstsein in die Welt zu gehen.

Der Psychoanalytiker Arno Gruen hat in seinem bemerkenswerten Buch „Der Fremde in uns“ darauf hingewiesen, welche fatalen Auswirkungen es hat, wenn Kinder keine Ich-Stärke entwickeln können, weil sie in ihrer Beziehung zu den Eltern, zu den Lehrern keinen Respekt und somit keine Bestätigung als Mensch erhalten.

Elternhaus und Schule sind jene Orte, an denen Empathie, Verantwortungsbewusstsein und Mitgefühl vorgelebt werden müssen, damit unsere Kinder immun werden gegen das Unmenschliche, damit sie keinem Verführer, keinem „starken Mann“ anheim fallen, weil sie „Identität“ gegen „Identifikation“ zu setzen gelernt haben.

Meine sehr geehrten Damen und Herren!

Kunst spielt in der Persönlichkeitsbildung eine entscheidende Rolle.

Und damit komme ich zurück zum Programm der Bregenzer Festspiele.

Ich gratuliere Ihnen, lieber David Pountney zu Ihrem Mut und zu Ihrem Engagement, niemals den allzu leichten Weg der bewährten Stücke zu gehen, sondern auch Auftragswerke und bislang noch nicht so bekannte Stücke nach Bregenz zu bringen.

Und jedes Jahr freue ich mich ganz besonders über das Programm „crossculture,“ wo Sie junge Menschen an die Kunst heranführen. Und ich habe gelesen, heuer werden es schon 11.000 junge Menschen sein, die hier in Kunstprojekte integriert sind. Und ich bedanke mich bei Ihnen, lieber Herr Präsident Rhomberg, für so vieles, Sie sind für viele von uns ein großes Vorbild.

Herzlichen Dank!

Meine sehr geehrten Damen und Herren, freuen wir uns alle auf anregende Festspiele.

Vielen Dank!

Geändert am 01.08.2011

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