Links

Linz, Bruckner-Haus, 11. September 2011

Rede von Frau Bundesministerin Dr. Claudia Schmied zur Eröffnung des Bruckner-Fests 2011

(Es gilt das gesprochene Wort!)

Sehr geehrter Herr Bundespräsident!
Sehr geehrte Frau Nationalratspräsidentin!
Sehr geehrter Herr Minister!
Sehr geehrter Herr Landeshauptmann!
Lieber Herr Bürgermeister!
Meine Damen und Herren!

Rede von Frau Bundesministerin Dr. Claudia Schmied zur Eröffnung des Bruckner-Fests 2011
Foto: Christian Herzenberger

Das Bruckner Fest, meine sehr geehrten Damen und Herren, ist ein Fest das unter der Schirmherrschaft eines großen Künstlers, Lehrers und Humanisten steht – Anton Bruckner.

Heute aber, zehn Jahre nach dem „11. September“, nach „nine/eleven“, müssen wir vor allem an die Opfer des furchtbaren Anschlags denken, der unsere Welt so nachhaltig verändert hat.

Wir haben damals - und vor wenigen Wochen erneut in Norwegen - die schreckliche Erfahrung machen müssen, dass Menschen im Namen einer Ideologie andere Menschen vernichten.

Es sind dies Einbrüche in die menschliche Kultur, die uns fassungslos und ohnmächtig zurücklassen.

Aber wir dürfen uns dieser Ohnmacht nicht ergeben.

Wir sind aufgerufen, meine sehr geehrten Damen und Herren, das Geschehene zu analysieren und Wege zu finden, das Schreckliche zu verhindern.

Jean Ziegler schrieb über die Mordtaten des 11. September: „Selten hat der pathologische Hass so hemmungslos gewütet.“

Und unversöhnlicher Hass ist es auch, was uns aus dem Pamphlet des norwegischen Massenmörders entgegenkommt.

In beiden Fällen haben die Täter anderen Menschen ihr Recht auf Leben abgesprochen, sie zu Opfern für ihre imaginierte Heilswelt erklärt.

Es sind zwei Aspekte, auf die ich hier vor Ihnen, meine sehr geehrten Damen und Herren, vor einem der Kultur verpflichteten Publikum verweisen will, wenn ich von den Erscheinungen der Unmenschlichkeit spreche.

Zu aller Erst müssen wir uns darauf verständigen, dass es kein Ziel gibt, das dazu berechtigt, andere Menschen herabzuwürdigen. Dort nämlich beginnt der Weg, der zum vernichtenden Terror führt.

Es hat sich in der Geschichte der Menschheit gezeigt, dass vor der Tat das Wort kommt. Es ist die Sprache, die den Grundstein legt zur Missachtung der Menschenwürde.

Wer hetzt, verallgemeinert.

Wer Worte der Gewalt predigt, der macht sich zum Vorbereiter für die mörderischen Handlungen Anderer.

Ich rufe also dazu auf, dass wir Österreicherinnen und Österreicher, unabhängig von unserer politischen Gesinnung einen Weg der kultivierten, respektvollen Auseinandersetzung wählen.

Ich rufe dazu auf, den respektvollen Dialog gerade bei unterschiedlichen Interessen und Weltanschauungen zu wählen.

Zum Zweiten möchte ich - auch vor dem Hintergrund der Ereignisse in London - auf unsere Verantwortung gegenüber der jungen Generation hinweisen.

Arno Gruen, Psychoanalytiker und Autor beschreibt in seinem Buch „Der Fremde in uns“ eindrücklich, wie der Mangel an Liebe und Anerkennung in der Kindheit zum Hass gegen sich selbst und gegen andere Menschen, führen kann.

Wenn junge Menschen zu Opfern von autoritärer Disziplinierung werden, wenn sie nicht Wertschätzung erfahren und Zuversicht, können sie sich und ihre Mitmenschen nicht als wertvoll begreifen.

Wir müssen der weltoffenen, respektvollen und anerkennenden Entwicklung der Kinder unsere volle Aufmerksamkeit schenken, damit sie zu toleranten und zu menschlichen Menschen werden.

Es ist das die große Verantwortung, die Familien, Lehrerinnen und Lehrer tragen.

Meine Damen und Herren!

Heute am Abend wird bei der Klangwolke die Ouvertüre zu Leonard Bernsteins „Candide“ ertönen.

Am Ende von Voltaires Novelle lautet Candides Erkenntnis, dass die Grausamkeiten der Welt schwer zu verstehen sind, aber es doch gilt, einzugreifen: „Il faut cultiver notre jardin“ („Unser Garten muss gepflegt werden“).

Das Bruckner Fest wird Linz für die nächsten Wochen zu einem Ort der Musik und der Freude machen. Es wird den „Garten der Kultur“ pflegen und mit einem vielfältigen Programm für Kinder und Jugendliche auch die nächsten Generationen einbeziehen.

Dafür danke ich ausdrücklich.

Und es wird das Bruckner Fest ein Ereignis sein, bei dem Menschen aus vielen Ländern friedlich zusammenfinden.

In diesem Sinn freue ich mich mit Ihnen auf das Bruckner Fest 2011.

Geändert am 18.10.2011

 top