(Es gilt das gesprochene Wort!)
Sehr geehrte Herr Landeshauptmann,
sehr geehrter Herr Domenig,
sehr geehrte
Stiftungsvorstände,
dear Mr. Mayne,
sehr geehrte Damen und Herren!
Gut Ding braucht Weile, heißt es im Sprichwort.
Hervorragendes Ding braucht noch ein bisschen länger, lässt sich angesichts des Steinhauses sagen.
Vor rund dreißig Jahren hat Günther Domenig mit den Planungen begonnen. Vor rund zwanzig Jahren wurden die Bauarbeiten gestartet und heute eröffnen wir gemeinsam ein Meisterwerk der Architektur. Wir eröffnen den stehenden und die schwebenden Felsen.
Das Steinhaus bricht aus der Landschaft heraus.
Ein Fels, der im scheinbaren Widerspruch zur Anmut der Natur steht und doch für sie geschaffen ist, sie ergänzt.
Dieses Miteinander von Kultur und Natur, das Miteinander von mitunter schroffen Gegensätzen, scheint mir eine schöne Symbolik gerade für diese Region, eine Symbolik für das Bundesland Kärnten zu sein.
Weniger als 50 Kilometer von hier befinden sich zwei weitere Kulturen, jene Sloweniens und jene Italiens, die anders gewachsen sind als die österreichische, in denen andere Sprachen gesprochen werden als hier, und die dennoch in vielfältigen Verbindungen mit uns stehen und stehen sollen.
Die Vielfalt der Kulturen hat die Region bereichert, ohne sie Identität gekostet zu haben. Das sollte unser Anspruch an eine offene, eine österreichische Kultur sein.
Eine österreichische Kultur, die respektvoll zusammenlebt mit Anderen.
Und das mit der starken Gewissheit, dass sie damit ihr eigenes Selbstverständnis nicht aufgibt.
Weil der Stein der Stein bleibt, auch wenn er aus dem Grün heraus bricht und weil die Wiese grün bleibt, auch wenn sie den Stein beherbergt.
Miteinander aber bilden sie, wie uns Günther Domenig so eindrücklich zeigt, ein gewaltiges, ein ganz eigenes Werk. Die unterschiedlichen Elemente beziehen sich voll Respekt auf den jeweils Anderen.
Meine Damen und Herren, eine Werkstätte für Architektur ist entstanden, ein Ort der Kommunikation, ein Ort, der Experten und Expertinnen aus der ganzen Welt zum Austausch, zum Erkenntnisgewinn, zum Dialog einlädt.
Auch das möchte ich als Symbol für meine Kulturpolitik begreifen.
Es ist dies eine Kulturpolitik, die stark auf Vermittlung setzt.
Es muss unser Anspruch sein, zunehmend mehr Menschen in unserem Land für Architektur, Bildende Kunst, Literatur, Musik und andere Kunstbereiche zu begeistern.
Es ist eine wesentliche Herausforderung einer funktionierenden Demokratie, dass sie versucht, möglichst alle Menschen an der Kunst teilhaben zu lassen. Wir müssen uns daher auch um jene kümmern, die aus sozialen, geografischen oder anderen Gründen fern von Bildung aufwachsen und wenig Chance haben, Freude an Kunst zu entwickeln.
Dazu sind offene Räume der Kunstvermittlung ebenso notwendig, wie Schulen, die es als eine ihrer vornehmsten Aufgaben betrachten, das Verständnis und Interesse der jungen Menschen für Kunst und Kultur zu wecken.
Ich erwarte mir davon ein Miteinander von Menschen, deren gesicherte kulturelle Identität ein Zusammenleben mit Menschen aus anderen Kulturen zur Selbstverständlichkeit werden lässt.
Meine Damen und Herren, das Steinhaus, der Ort der Begegnung von Architektur und darüber hinaus aller künstlerischen, kulturellen und wissenschaftlichen Disziplinen steht in seiner Ästhetik der Transparenz und des Selbstbewusstseins als Wahrzeichen für diese offene und wertschätzende Form von Kultur.
Was Günther Domenig geschaffen hat, und wozu ich ihm an dieser Stelle auf das Herzlichste gratuliere, ist ein schwebender Felsen der Poesie und im gleichen Maße ein Symbol für die Vielfalt der Kulturen und des produktiven Miteinander von Unterschiedlichkeit.
Es ist, in Abwandlung von Günther Domenigs Steinhaus-Gedicht, der hohe Weg zum Wasser der Schönheit und in das Wasser des Respekts.
[ Günther Domenig, Steinhaus-Gedicht:
„Im tiefen Keller
die Stufenspirale
der Pfeil
und das Wasser aus der Erde
Im stehenden
und in den schwebenden
Felsen träumt man
Auch im Huckepacke
Der tiefe Weg unter das Wasser
zum Wasser
und in das Wasser
der hohe Weg
zum Wasser
und in das Wasser…“ ]
Geändert am 06.10.2008