Rede der Frau BM Dr. Claudia Schmied
zum Festakt in Eisenstadt am Freitag, den 26.9.2008
Übersiedlung der Pädagogischen Hochschule Burgenland
in den FH-Campus Eisenstadt - Feierliche Eröffnung

(Es gilt das gesprochene Wort!)

Sehr geehrter Herr Landeshauptmann, lieber Hans,
Sehr geehrter Herr Landeshauptmann-Stellvertreter,
Sehr geehrter Herr Präsident, lieber Gerhard,
Sehr geehrter Herr Rektor,
Sehr geehrte Frau Vizerektorin,
Exzellenzen,
Sehr geehrte Festgäste,

mit einer gemeinsamen Stiftung von Bund, Land und Diözese haben wir vor einem Jahr die Pädagogische Hochschule Burgenland gegründet.

Durch den großen Einsatz aller Beteiligten konnten in kürzester Zeit die notwendigen Schritte der Gründungsphase gesetzt werden, um mit 1. Oktober 2007 das erste Studienjahr als Pädagogische Hochschule zu starten.

Ich freue mich, dass wir uns heute am neuen Standort der Pädagogischen Hochschule Burgenland treffen, um diesen Erfolg zu feiern.

Die Sommermonate waren für die Angehörigen der Pädagogischen Hochschule auch durch die Übersiedlung an den neuen Standort arbeitsintensiv.
Der Einsatz hat sich gelohnt.

Das neue Gebäude wird den Studierenden und Lehrende optimale Studien- und Arbeitsbedingungen bieten. Das neue Gebäude bringt durch die gemeinsame Nutzung des Campus mit der Fachhochschule viele zusätzliche Vorteile.

Sehr geehrte Damen und Herren,

auch die Bildungspolitik war in den letzten 20 Monaten aktiv.

Kleinere Klassen, mehr Lehrerinnen und Lehrer in den Klassenzimmern, intensive Sprach- und Frühförderung, Start der Neuen Mittelschule, Ausbau der Tagesbetreuung, Fixierung von Bildungsstandards, Start der Berufsmatura und Neugründung des BIFIE sind Beispiele für zukunftsorientierte Projekte.

All diese Projekte zeigen: Die Richtung stimmt.

Es ist allerdings klar: Die nächste Regierung muss den Weg der Bildungsreformen konsequent fortführen.

Sie darf sich nicht durch ideologische Blockaden und Standesinteressen bremsen lassen.

Wir stehen im internationalen Bildungs- und Innovationswettbewerb. Österreich kann sich einen Stopp der Reformen keinesfalls leisten.

Denn: Die Probleme des Bildungssystems von heute sind die Probleme des Wirtschaftsstandortes von morgen.

Oder wie es Henry Ford einmal formuliert hat: „Der Wohlstand einer Nation wird im Klassenzimmer entschieden.“

Die nächste Regierung ist aus meiner Sicht vor allem bei vier Themen gefordert:

1.) Frühkindpädagogik
2.) Neue Mittelschule
3.) Investitionen in den Lebensraum Schule

und von ganz besonderer Bedeutung

4.) Universitäre Ausbildung mit Aufnahmeverfahren für alle pädagogischen Berufe

Zentrales Erfolgskriterium für den Bildungserfolg unserer Kinder sind bestens ausgebildete Lehrerinnen und Lehrer. Zwischen 2012 und 2020 gehen 50 Prozent der Lehrerinnen und Lehrer in Pension.

Die nächste Regierung muss sicherstellen, dass die besten jungen Lehrerinnen und Lehrer nachfolgen.

Sehr geehrte Damen und Herren,

Bildung und stetes Weiterlernen gehören für mich zu den höchsten Werten. Wer sich bildet, glaubt an eine lebenswerte Zukunft. Wer sich konsequent weiterbildet, schafft Chancen für eine bessere Zukunft, für sich selbst und für die Gesellschaft.

Schule muss nach dem heutigen Erkenntnisstand so gestaltet sein, dass Kinder und Jugendliche gerne und mit Freude zum Unterricht kommen und dass ihnen dort alles angeboten wird, was sie brauchen, um kreative, soziale und gebildete Menschen zu werden.

Wer diese Schule durchläuft, hat die Fähigkeit erworben, der Welt positiv kritisch gegenüber zu stehen, zu ihrer Entwicklung beizutragen und selbstbewusst gegenüber allen Herausforderungen zu bestehen.

Solche Menschen braucht unser Land für eine friedliche Zukunft. Solche Menschen braucht unsere Gesellschaft, in der zu viele sich vom Kleinmut und vom Populismus der Fremdenfeindlichkeit anstecken lassen.

Wir brauchen den besten Unterricht für unsere Kinder, deshalb brauchen wir die besten Pädagogen. Wir brauchen mehr Durchlässigkeit zwischen den Schularten und mehr individuelle Karrierewege für Lehrerinnen und Lehrer. Nur so kann die Qualität im Bildungsbereich dauerhaft gewährleistet werden.

Lehrerinnen und Lehrer sind Schlüsselkräfte im Hinblick auf Talenterkennung und erfüllen eine wichtige Mentorenfunktion.

Motivation, Qualifikation und hohe fachliche und soziale Kompetenzen sind unverzichtbare Voraussetzungen für Lehrerinnen und Lehrer, davon hängen die Qualität des Unterrichts und das Gelingen jeder Schulreform ab.

Das Menschenbild, das Lehrende vertreten, ist dabei entscheidend.

Selbstverständlich brauchen wir ein zeitgemäßes Lehrerdienstrecht und Ausstiegszenarien für Lehrer, die den beruflichen Herausforderungen nicht gewachsen sind.

Sehr geehrte Damen und Herren,

wir müssen die Professionalität der Lehrerinnen und Lehrer neu denken und umsetzen. So wie Hartmut von Hentig eingefordert hat, Schule neu zu denken, müssen wir es auch mit der Lehrerbildung halten.

Sehr geehrte Damen und Herren,
ich erwarte mir von den Pädagogischen Hochschulen,

  • dass sie die Inhalte der Curricula der Lehramtsstudien an den Herausforderungen der Zukunft orientieren;
  • dass sie Aus-, Fort- und Weiterbildung der Lehrerinnen und Lehrer in einem berufsbiographisch orientierten Gesamtkonzept denken; und
  • dass sie sich mit den Stärken ihres Ausbildungsmodells aktiv in die Diskussion um eine zukünftige Lehrerbildung einbringen.

Sehr geehrter Herr Rektor, sehr geehrte Frau Vizerektorin, ich setze große Erwartungen in Sie und in die Arbeit der Pädagogischen Hochschule Burgenland und wünsche Ihnen und allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Pädagogischen Hochschule viel Erfolg, Optimismus und Zuversicht!

Geändert am 26.09.2008

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