Rede von Bundesministerin Dr. Claudia Schmied zur Eröffnung der Festwochen Gmunden am 19. Juli 2009

(es gilt das gesprochene Wort)

Sehr geehrte Damen und Herren,

Friederike Mayröcker schreibt in einem ihrer Gedichte:
„Was brauchst du –
einen Baum, ein Haus
zu ermessen wie groß wie klein ein Leben als Mensch.
Wie groß wie klein
wenn du aufblickst zur Krone
dich verlierst in grün üppiger Schönheit.

Bei einem Spaziergang entlang der Gmundener Esplanade sieht man sie, die alten Bäume, die ruhig dastehen, harmonisch und schön, wie die Sätze der großen Wortgestalterin, der in diesem Kultursommer in Gmunden ein „Fest“ gewidmet ist.

Ihr Werk wird die „Salzkammergut Festwochen“ bereichern und den gelungenen Literaturschwerpunkt fortsetzen.

Wie überhaupt das Programm durch seine Vielfalt auffällt. Ich möchte die Gelegenheit nutzen, dieses Programm in einer Analogie zu meiner Kunstpolitik zu beleuchten.
Es gibt viele Anknüpfungspunkte.

Die Erweiterung aus Gmunden hinaus zu vierzig Kooperationsveranstaltungen und die Zusammenarbeit mit Linz09 tragen dazu bei, dass zunehmend mehr Menschen beim Kulturfest dabei sein können.

Diese Teilhabe möglichst Vieler an Kunst und Kultur ist ein Schwerpunkt meiner Politik.

Dazu müssen wir Gelegenheiten schaffen, so wie es hier geschieht und wir müssen zum Publikum hingehen, oder um die Definition der Festspiele selbst zu verwenden, müssen „Zeit, Ort und Kunst verknüpfen.“

Ein weiterer Schwerpunkt meiner Arbeit bringt mich allerdings in einen unauflösbaren Konflikt zu einem Mann, den wir immer mitdenken, wenn es um Gmunden geht.

Thomas Bernhard schrieb für Ritter, Dene, Voss jenen Satz: „Jungen Künstlern ist nicht zu helfen, es gibt keinen größeren Unsinn als jungen Künstlern zu helfen, überhaupt Künstlern zu helfen ist Unsinn.“

Ich bin überzeugt davon, dass es Sinn macht, junge Künstlerinnen und Künstlern zu unterstützen. Das darf nicht in einer Vereinnahmung münden, nicht in Bevormundung, nicht in Einschränkung ihrer künstlerischen Tätigkeit.

Aber ihnen zu ermöglichen, hinauszugehen in die Welt, etwa auf Basis von Auslandsstipendien, die mein Ressort vergibt, ist sinnvoll.

Ihnen die ersten Schritte auf dem internationalen Kunstmarkt zu ermöglichen, baut Freiräume für die Kunst.
Das ist der Sinn der Atelierförderung und der Galerienförderung meines Ressorts.

Internationalität ist immer schon Teil der Identität der Festwochen Gmunden.

Bei den klassischen Konzerten, beim Jazzschwerpunkt, bei Liederabenden, bei Ausstellungen und Filmen treffen sich Künstler und Künstlerinnen aus der ganzen Welt und zeigen einen Teil der globalen Welt, jenen der Kunst und Kultur.

Gestern hatten wir Gelegenheit den Film „Crossing Cultures“ von Carola Mair anzuschauen, der sich mit dem Leben in den jungen afrikanischen Staaten und mit dem Leben von Afrikanern in Europa auseinandersetzt.

Dieses filmische Dokument ist ein Symbol für die Bedeutung von Kunst:

Es dient der Aufklärung über die Lage von Menschen, denen wir sonst kaum begegnen und es lässt uns sinnlich erfahren, wie Andere leben, wie sie fühlen, welchen Kampf um die Existenz sie führen müssen. Kunst erklärt, Kunst berührt, Kunst verstört.

Schlendern wir weiter auf der Esplanade des Festivalprogramms: Auch bei der Zeitgenössischen Kunst treffen sich unsere Ansprüche.

Hier in Gmunden werden Aufführungen, wie jene von Martin Reiter mit „The Flow“ oder Lesungen von Literaten und nicht zuletzt der schon erwähnte Schwerpunkt Friederike Mayröcker dem Publikum heutige Kunst präsentieren.

Wir brauchen die junge Kunst, die Zeitgenössische Kunst, weil sie uns ein Spiegel ist. Eine Gesellschaft muss sich dem Widerspruch stellen, der Provokation, der Reflexion des Heutigen.

Ein zeitgemäßes Festival, wie jenes in Gmunden und eine zeitgemäße Kulturpolitik haben den Anspruch, das Beste zu fördern, möglichste Vielen zugänglich und verständlich zu machen und jede Enge aufzubrechen.

Friedrich Schiller, der in seinen späten Jahren an der Esplanade wohnte, wenn auch an jener von Weimar, sagt in den „Sprüchen des Konfizius“: "Musst ins Breite dich entfalten, soll sich dir die Welt gestalten, In die Tiefe musst du steigen, soll sich dir das Wesen zeigen."

Meine Damen und Herren, die nächsten Wochen gehören der Breite und Tiefe der Salzkammergut Festwochen Gmunden.

Mit den besten Wünschen für ein gutes Gelingen und großes Publikumsinteresse, erkläre ich die Festwochen für eröffnet.

Geändert am 19.07.2009

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