Wien, Akademie der Wissenschaften, 21. November 2011
(Es gilt das gesprochene Wort!)
Sehr geehrter Herr Rektor,
Sehr geehrter Herr Vorsitzender, lieber Hannes,
Sehr
geehrte Ehrengäste,
Sehr geehrte Damen und Herren,
In den letzten Jahrzehnten haben sich die Anforderungen an die Schule massiv verändert. Im Mittelpunkt stehen immer Kinder, junge Menschen und ihre Bedürfnisse.
Fotocredit: Claudia Leissner
Das Regierungsprogramm und die Strategie der Bundesregierung für Forschung, Technologie und Innovation führen Maßnahmen zur Strukturreform des Bildungssystems an, für deren Umsetzung ich Verantwortung trage.
Dazu gehören neben Frühförderung und Erhöhung der Ganztagesschulen: die Einführung von österreichweiten Bildungsstandards und teilstandardisierten Reifeprüfungen, die bessere individuelle Förderung und eine Erhöhung der Durchlässigkeit insbesondere im Bereich der Sekundarstufe 1 sowie die Stärkung der Humanpotenziale im Bereich Naturwissenschaft und Technik.
Dem muss auch das Bildungssystem Rechnung tragen – diese neuen Herausforderungen können nur mit sehr gut ausgebildeten PädagogInnen, den wichtigsten TrägerInnen der Bildungsreform, bewältigt werden.
Die Weiterentwicklung der Pädagogischen Hochschulen gemäß Regierungsprogramm ist dabei eines der zentralen Instrumentarien für eine Reform der PädagogInnenbildung.
Seit Oktober 2007 gibt es Pädagogische Hochschulen in Österreich. Begonnen haben die 14 Pädagogischen Hochschulen mit insgesamt rund 7.300 Studierenden in der Ausbildung.
Heuer, im fünften Studienjahr seit dem Start, hat sich diese Zahl mehr als verdoppelt. Zum Stichtag 31. Oktober 2011 gibt es bereits über 15.900 Studierende an den Pädagogischen Hochschulen.
Darüber hinaus haben die Pädagogischen Hochschulen im letzten Studienjahr für insgesamt 110.000 aktive Lehrerinnen und Lehrer Fort- und Weiterbildungsveranstaltungen durchgeführt.
Sie sehen: Die Ausbildung zur Lehrerin bzw. zum Lehrer boomt.
Die Zielsetzung, dass an den Pädagogischen Hochschulen auf höchstem Niveau gelehrt wird, kann nur erreicht werden, wenn es einen Umbau der Pädagogischen Hochschulen selbst gibt.
Durch neue rechtliche Rahmenbedingungen und gezielte Investitionen in die Forschungskompetenz soll der akademische Charakter der Pädagogischen Hochschulen gestärkt werden.
Zukünftige Lehrerinnen und Lehrer müssen die Möglichkeit erhalten, in ihrem Studium mit den wichtigsten Erkenntnissen der Forschung im Bereich der Fachwissenschaft, der Fachdidaktik, der Pädagogik aber auch vielen anderen wissenschaftlichen Disziplinen vertraut zu werden.
Das Forschungsforum der österreichischen Pädagogischen Hochschulen, das heute und morgen zum ersten Mal tagt, gibt einen Überblick zum Stand der Forschung vier Jahre nach der Gründung der Hochschulen.
41 Forschungsprojekte der Pädagogischen Hochschulen aus Themenfeldern von Diversität über Berufsfeld PädagogInnen, Fachwissenschaften/Fachdidaktik oder Schulentwicklung/ Unterrichtsentwicklung werden im Vortrag besprochen und diskutiert. Weitere 30 Projekte werden als Poster-Präsentationen vorgestellt.
Eine bemerkenswerte Bilanz, da die für Forschung erforderlichen Rahmenbedingungen noch im Aufbau sind.
Sehr geehrte Damen und Herren!
Es ist mir ein Anliegen, dass die Pädagogischen Hochschulen als Forschungs-Standorte weiter ausgebaut werden.
Als erster Schritt wurde von meinem Ressort der Förderschwerpunkt „Forschung an Pädagogischen Hochschulen“ eingerichtet. 2010 wurden daraus die ersten 7 Forschungsprojekte gefördert, 2011 wurden weitere 7 Forschungsprojekte bewilligt.
Das neue Dienstrecht für Lehrende an Pädagogischen Hochschulen soll mit der flexibleren Gestaltung der Aufgabenbereiche eine Stärkung der Position der Forschung an den Pädagogischen Hochschulen bringen. Der Begutachtungsentwurf wurde in konstruktiver Zusammenarbeit mit dem Bundeskanzleramt von den Sozialpartnern ausverhandelt, umgesetzt werden kann diese Reform ab dem Studienjahr 2012/13.
Durch eine gezielte Förderung des Stammpersonals an den Pädagogischen Hochschulen soll die Anzahl der Lehrenden mit einem facheinschlägigen Doktorat bzw. einer facheinschlägigen Habilitation deutlich erhöht werden. Ab dem Studienjahr 2012/13 wird mein Ressort zwischen 15 und 45 Personen pro Studienjahr bei der Erreichung des Doktorats bzw. der Habilitation unterstützen.
Die Förderung des Austausches von Forschungsergebnissen mit internationalen FachexpertInnen unterschiedlicher Disziplinen im Rahmen von Workshops für die Lehrenden an den Pädagogischen Hochschulen soll beginnend ab dem Studienjahr 2012/13 ebenfalls dem Ziel der Stärkung des akademischen Charakters der PH dienen.
Unterstützt durch diese bedarfsorientierten Personalentwicklungsangebote sollen die Pädagogischen Hochschulen in absehbarer Zeit über anerkannte Forschungskapazitäten in den Bereichen Pädagogik und Fachdidaktik verfügen.
Diese Forschung muss Rücksicht nehmen auf gesellschaftliche und internationale Entwicklungen. Und hier ist ein deutlicher Paradigmenwechsel hin zur Kompetenzorientierung im Gange.
Dieser Paradigmenwechsel vom Lehren zum Lernen, von der Vermittlungskompetenz des Lehrenden hin zu den Aneignungskompetenzen der Lernenden muss sich in der Forschung abbilden.
Von zentraler Bedeutung ist, dass Erkenntnisse aus der Bildungsforschung ihren Weg in den gelebten Schulalltag finden und Problemstellungen aus dem Schulalltag zum Gegenstand der Bildungsforschung werden.
Ich bin davon überzeugt, dass Individualisierung und Kompetenzorientierung dann gut gelingt, wenn Schülerinnen und Schüler in ihren Lernprozessen von Lehrerinnen und Lehrern begleitet werden, die selbst positive Forschungserfahrungen in ihrer Ausbildung gemacht haben und diese in Form von fragendem, forschungsgeleitetem Lernen weiter geben können.
Ich wünsche Ihnen für Ihre Tagung viel Erfolg und freue mich auf Anregungen, die als Ergebnis Ihrer Tagung sicherlich auch mich wieder erreichen werden.
Geändert am 24.11.2011