(Es gilt das gesprochene Wort!)
Bildungspolitik muss ein tragendes Element einer nationalen Innovationsstrategie sein. Qualifizierung und Ausbildung sind zentral, wenn es um Wettbewerbsfähigkeit und Innovationsleistungen geht.
Innovation braucht eine breite Basis! Spitzenleistungen brauchen eine breite Basis!
Die Förderung von Begabungen und Talenten muss daher Maxime einer modernen Bildungspolitik sein. Schon im Kindergarten und in der Schule gilt es, den Entdeckergeist und die Neugierde von Kindern wach zu halten. Die Lust am Lernen muss im Vordergrund stehen, weil Spitzenleistungen nur dann gelingen, wenn sie mit Freude erbracht werden. Ich will, dass Schule den Kindern Freude macht, dass die Eltern mit der Schule keine Sorgen haben und dass lebensbegleitendes Lernen zur Selbstverständlichkeit wird.
Es muss uns zu denken geben - und es mag Teil der Begründung für die mangelnde Innovationsorientierung in Österreich sein, dass jeder dritte 15-jährige Schüler in einem der drei Fächer (Lesen, Mathematik, Naturwissenschaften) als so genannter Risikoschüler gilt, und dass weitere sechs Prozent dieser Altersgruppe gar nicht mehr im Bildungssystem sind. Die Ergebnisse von PISA 2007 zeigen uns auch, dass Österreichs Jugendliche nur geringe Motivation in den Science-Fächern und insgesamt wenig Zukunftsoptimismus haben.
Die Bundesregierung setzt daher wichtige bildungspolitische Schritte, um Lust am Lernen zu wecken und damit ein innovationsfreundliches Klima in Österreich zu schaffen.
1. Wir beginnen im Kindergarten: Die Kindergärten werden zu Bildungsgärten ausgebaut, wo es auch zu einer
Förderung der Deutschkompetenz und der Muttersprache (als Vorbedingung für den Erwerb anderer Sprachen) kommen wird.
Wichtig ist, dass wir kein Kind zurücklassen. Wir müssen jene sieben Prozent der Kinder erreichen, die heute noch nicht
im Kindergarten sind und sie zum Besuch des Kindergartens motivieren. Die Beherrschung der deutschen Sprache ist die
Grundlage für Lernerfolge und Integration. Jedes Kind, das in die Volksschule kommt, muss gut Deutsch können!
2. Wir werden die Schulen öffnen: Für Kooperationen zum Beispiel mit Forschungseinrichtungen wie im Programm "Sparkling Science", wo Forscherinnen und Forscher direkt an die Schulen kommen, um Interesse für Forschung und Innovation zu wecken. Das Interesse der Schulen ist groß, sich an diesen Programmen zu beteiligen.
3. Wir zeichnen innovative Schülerinnen und Schüler aus: Mit der Vergabe des Preises "Jugend innovativ", werden innovative Projekte ausgezeichnet. Bereits 32.000 Schülerinnen und Schüler haben sich an diesem größten österreichischen Schulwettbewerb beteiligt und dabei den Innovationsprozess von der kreativen Idee bis zur Umsetzung im konkreten Projekt erlebt.
4. Wir bilden Lehrerinnen und Lehrer weiter: Das "IMST"-Programm (Innovations in Mathematic, Science and Technology Teaching) vermittelt neue didaktische Maßnahmen sowie eine neue Lehr- und Lernkultur. In fachdidaktischen Zentren in den Bundesländern kooperieren Universitäten und Pädagogische Hochschulen bereits jetzt in der Weiterbildung von Lehrerinnen und Lehrern!
5. Wir ermutigen Frauen zu technisch-naturwissenschaftlichen Ausbildungen: Durch Programme wie "FIT"- (Frauen in die Technik) und
6. "mut!" (Mädchen und Technik), um Mädchen und Frauen dazu zu motivieren, sich verstärkt technisch-naturwissenschaftlichen Ausbildungen und Berufen zuzuwenden. Die Berufsaussichten sind in den technisch-naturwissenschaftltichen Fächern erstklassig! In Österreich fehlen derzeit zum Beispiel an die 1.000 HTL-Absolventinnen und Absolventen und 1.000 Absolventinnen und Absolventen der Ingenieurwissenschaften von Fachhochschulen oder Technischen Universitäten.
7. Das Bildungssystem selbst braucht einen Innovationsschub und muss mit den Herausforderungen der Gesellschaft des 21. Jahrhunderts harmonisiert werden: Es braucht frischen Wind im Bildungssystem, um Innovationen zu ermutigen. Ich setzte hier stark auf die Leadership Academy gestaltet von den Professoren Michael Schratz und Wilfried Schley, die mittlerweile schon rund 1.000 Führungskräfte aus dem Bildungsbereich absolviert haben. An der Leadership Academy wird zur Zeit ein Speziallehrgang eingerichtet, der sich an alle Direktorinnen und Direktoren bzw. Lehrerinnen und Lehrer wendet, die an den Modellregionen zur Neuen Mittelschule teilnehmen. Wesentliche innovative Impulse in Sachen Bildungsstandards und Qualitätssicherung erwarte ich mir auch vom neu gegründeten BIFIE (Bundesinstitut für Bildungsforschung, Innovation und Entwicklung des Bildungswesens).
Bildungspolitik ist Schulpolitik, Bildungspolitik ist Gesellschaftspolitik und Wirtschaftspolitik, weil es immer auch um Beschäftigung geht. Es muss uns gelingen, Glauben an die Zukunft zu vermitteln. Denn aus einem Jammertal heraus lässt sich Innovation nicht gestalten. Wir brauchen DRINGEND mehr Optimismus in der Bildungspolitik! Es geht um die Zukunft unserer Kinder! Es geht um unsere Zukunft! Wir können auf kein Talent, das es in unserer Gesellschaft gibt, verzichten!
Eine gute Bildung und Ausbildung ist auch das beste Rezept gegen Jugendkriminalität. Wer eine faire Chance hat, verbaut seine Zukunft nicht leichtfertig! Umso wichtiger ist hier die von der Regierung beschlossene Ausbildungsgarantie bis zum 18. Lebensjahr, die allen Jugendlichen eine volle Berufsausbildung ermöglicht, entweder in der Schule, am Lehrplatz oder in einer überbetrieblichen Lehrwerkstätte. Damit stellt die Regierung sicher, dass in Österreich alle Jugendlichen eine Perspektive haben.
Eine gute Bildung ist auch der beste Weg zur Integration! Das ist die soziale Dimension!
Ich will, dass jedes Kind in diesem Land unabhängig von seiner Herkunft eine ehrliche Chance hat.
Geändert am 24.01.2008