Graz, 3. Dezember 2010
(Es gilt das gesprochene Wort!)
Sehr geehrter Herr Bischof!
Sehr geehrter Herr Präsident des Landesschulrates!
Sehr geehrte Frau Direktorin!
Meine sehr geehrten Festgäste!
Foto: Jungwirt
Ich freue mich, dass ich diesen Anlass, die offizielle Eröffnung der Grazer Internationalen Bilingualen Schule – „GIBS“ genannt - am neuen Schulstandort in Graz-Eggenberg mit Ihnen verbringen darf. Danke für die Einladung, liebe Frau Direktorin.
An Ihrem neuen Schulstandort haben Sie nun auf einer Fläche von über 7.000 m² nicht nur Platz für Ihre Schule, sondern Ihre Schule befindet sich auch in einem historisch interessanten Gebäude.
In den Jahren 1965-1967 wurde das Gebäude von den Architekten Eilfried Huth und Günther Domenig errichtet.
Das Ensemble gehört - in seiner Gestaltung und Materialauswahl - zu den wenigen österreichischen Zeugen einer Architekturströmung, die nach dem sichtbar belassenen Baumaterial - Beton - „Brutalismus“ genannt wurde. Diese Architekturströmung war in den Sechziger Jahren eine progressive und zukunftsweisende Antwort auf die internationale Nachkriegsmoderne.
Beide Architekten Eilfried Huth und Günther Domenig gelten als Protagonisten der Grazer Schule, die bis heute national und international sichtbar und ideengebend ist.
Heftig, wild, expressiv, explosiv, zertrümmernd, dabei sinnlich und poetisch, undogmatisch und unakademisch waren gängige Charakterisierungen dieser neuen Architektur aus Graz.
In einer Atmosphäre des Experimentierens schienen Theorien oder historische Vorbilder für die Grazer bedeutungslos.
„Die Zukunft besteht nicht in der Technologie von Bauwerken - heute ist ja fast alles möglich - sondern darin, dass wir uns der gesellschaftlich-politischen Rahmenbedingungen voll bewusst werden“ sagte vor einigen Jahren Architekt Eilfried Huth in einem Interview.
Auch der Träger des Großen Österreichischen Staatspreises für Architektur Günther Domenig ist sich einig: „Wir müssen immer streiten, wenn wir was Neues machen wollen!“
In Zusammenarbeit mit dem Bundesdenkmalamt konnte im Zuge der Planung ab 2008 eine gute Lösung für den Zubau gefunden werden, eine Lösung, die das Interesse der Wahrung des Denkmalschutzes mit einer Nutzung als Bildungseinrichtung verbindet.
Der Erweiterungsbau von Architekt Wladimir Goltnik wurde laut Medienberichterstattung vom ursprünglichen Architekten Eilfried Huth mit der Anmerkung "Gut und sensibel gemacht" positiv beurteilt.
Liebe Frau Direktorin Fleischmann, auch Sie zeigten sich begeistert von der Architektur des neuen Zubaus. Ich darf Sie zitieren: „Der großzügig konzipierte freie Raum vor den Klassenzimmern bietet die Möglichkeit für zeitgemäßes Arbeiten in kleinen Gruppen, ein Umstand, der der Arbeitsweise an der GIBS besonders entgegenkommt.“
An dieser Stelle darf ich mich auch für die gute Kooperation mit der Diözese Graz-Seckau - als Bauherr und Vermieter - bedanken.
Die Grazer Internationale Bilinguale Schule „GIBS“ ist eine kreative, innovative, multilinguale und multikulturelle Schule. Sie ist eine Erfolgsstory.
Das wird klar, wenn man zum Beispiel das Schulsprachenprofil hervorhebt.
Die Unterrichtssprache ist Englisch.
Französisch oder Spanisch ist die 2. Lebende Fremdsprache. Ab der 5. Klasse bietet die GIBS ein weiteres Sprachenangebot.
Mehrsprachige Schülerinnen und Schüler, internationale und hochmotivierte Lehrerinnen und Lehrer sowie Fremdsprachenassistentinnen und -assistenten, ein ausgefeiltes pädagogisches Konzept und internationale Schulpartnerschaften sind Beispiele dafür, dass an der GIBS Mehrsprachigkeit erlebt und gelebt wird!
Es ist meine tiefe Überzeugung, dass SprachenkompetenzenSchlüsselkompetenzen für die persönliche Entwicklung, den beruflichen Erfolg, aber auch für den sozialen und kulturellen Zusammenhalt einer Gesellschaft darstellen. Eine andere Sprache lernen heißt, eine andere Kultur wahrnehmen.
Projektunterricht, fächerübergreifender Unterricht und offenes Lernen sowie e-learning stehen im Mittelpunkt des Schulalltags. Die Vermittlung von Schlüsselqualifikationen wie Teamarbeit, Time-Management, Konfliktlösungskompetenz sowie Präsentieren und Diskutieren sind Teil der täglichen Unterrichtsarbeit.
Sie, liebe Lehrerinnen und Lehrer, nehmen sich Zeit für ausführliche und schülergerechte Berufsorientierung und Bildungsberatung. Sie unterstützen Ihre Schülerinnen und Schüler dabei, ihre Talente und Begabungen zu entdecken und ihre Berufsentscheidung zu treffen. Das Modell der „companions“, in dem ältere Schülerinnen und Schüler die jüngeren betreuen, gefällt mir besonders gut.
Die „GIBS“ ist übrigens einer der ersten Teilnehmer der Schulversuche im Rahmen der neuen standardisierten und kompetenzorientierten Reifeprüfung. Mit hervorragenden Ergebnissen.
Zukunftsweisende Themen wie Reflexion der Lehrerinnen und Lehrer in Teamsitzungen, Tagesbetreuung und das Angebot eines Kurssystems in der Oberstufe sind Teil Ihres Schulalltags und der Schulentwicklung.
Ihre Schule hat ein wunderbares Leitbild:
discovery learning - personal responsibility - language proficiency - international character - critical thinking
Das Profil und die Atmosphäre einer Schule werden vor allem von der Schulleitung und den Lehrerinnen und Lehrer geprägt. Es sind immer Persönlichkeiten, die Entwicklungen prägen. Von ihrem Engagement und ihrer Motivation hängt die Qualität der Schule ab.
Eine Vielzahl meiner „Lieblingsprojekte“ haben Sie umgesetzt. Das begeistert mich sehr. Hier steht der Schüler, die Schülerin im Mittelpunkt. Und das spüren wir.
Meine sehr geehrten Damen und Herren!
Österreich braucht eine Bildungsreform – sie ist unsere Zukunftschance. Unsere Jugend braucht eine Perspektive. Die Ziele sind klar vorgezeichnet, die Umsetzung läuft.
Wir brauchen bei allen bildungspolitischen Maßnahmen den Mut zur Gleichzeitigkeit, Kraft, eine klare Linie und Durchhaltevermögen.
In den vergangenen Jahren haben wir gemeinsam schon einiges geschafft. Zahlreiche große Projekte wurden gemeinsam entwickelt und erfolgreich umgesetzt. Darauf können wir stolz sein.
Ich denke dabei zum Beispiel an kleinere Klassen und Kleingruppenunterricht, an die „Neue Mittelschule“, an schulische Tagesbetreuung, an Sprachförderung, an Gewaltpräventionsprogramme, an Bildungsstandards und an die neue standardisierte, kompetenzorientierte Reifeprüfung als zentrales Qualitätssicherungsinstrument sowie an „Lehre mit Matura“ und an die Modularisierung der Abendschule.
Als nächste Schritte stehen der Ausbau der ganztägigen Schulformen, die Stärkung der Verantwortung am Schulstandort, die Schulaufsicht als regionales Qualitätsmanagement, ein neues und attraktives Dienst- und Besoldungsrecht für Lehrerinnen und Lehrer sowie die LehrerInnenbildung NEU und der Ausbau der Neuen Mittelschule auf meinem Arbeitsprogramm.
Alle Kinder müssen die Möglichkeit zur besten Bildung und Ausbildung haben. Im Mittelpunkt sollen das Vermitteln von Kompetenzen, das Fördern von Talenten, das Wecken von Interessen und das Vorleben von Werten wie Demokratie, Verantwortung, Integrität, Zivilcourage, Selbstbewusstsein und Disziplin stehen.
Wir brauchen junge Menschen, die selbständig und mit Überzeugung ihren Weg gehen. Wir brauchen junge Menschen mit
eigenem Kopf.
Mit Ecken und Kanten.
Sehr geehrte Frau Direktorin Fleischmann!
Sie sind eine Direktorin mit Weitblick, Organisationstalent, Visionen, Begeisterungsfähigkeit sowie Zielorientiertheit und seit Beginn der Vorbereitung und Realisierung der Internationalen Bilingualen Schule in Graz mit dabei.
Vor fast 20 Jahren hat die GIBS im September 1991 mit drei ersten Klassen den Unterricht aufgenommen; seit 1999 sind Sie Direktorin dieser außergewöhnlichen Schule. Sie haben ohne Zweifel Maßstäbe im Bereich innovativer Schulen gesetzt.
Die GIBS war 1991 die erste Schule Österreichs, in der der gesamte Unterricht in englischer Sprache stattgefunden hat und sie war auch das erste Gymnasium Österreichs, das das Kurssystem ab der 6. Klasse eingeführt hat.
Heute steht die GIBS für Innovation und Nachhaltigkeit und sie ist im Bereich der Schulentwicklung immer am Puls der Zeit.
Liebe Frau Mag. Fleischmann! Unter Ihrer Leitung ist diese wunderbare Schule gewachsen. Dafür danke ich Ihnen und wünsche Ihnen für Ihren nun beginnenden Ruhestand alles Gute und Zeit für die Dinge, die Ihnen wichtig sind.
Liebes Schulteam, Ihnen und Ihrer neuen Direktorin Frau Mag. Görög wünsche ich alles Gute für Ihre Arbeit und weiterhin so viel Erfolg. Bleiben Sie so voller Engagement, Motivation und Begeisterung!
Geändert am 01.02.2011