Wien, Zentralfriedhof, 08.03.2010

Rede von Frau Bundesministerin Dr. Claudia Schmied am Grab von Bruno Gironcoli

(es gilt das gesprochene Wort!)

Sehr geehrte Familie Gironcoli, geschätzte Trauergemeinde,

„Die nie endenden Mühen der Muttergottheit bei der Hervorbringung des Lebens“, so hat ein Kunstkritiker einmal über die Kunst Buno Gironcolis geschrieben. Er hat in seinen Skulpturen das Ergebnis eines gewaltigen Schöpfungsprozess erkannt.

Bruno Gironcoli hat diesen Vorgang der Entäußerung in radikaler Art betrieben, hin zu einem Werk, vor dem wir voll Bewunderung, vor dem wir in einer, wenn auch sehr weltlichen Andacht stehen.

Bruno Gironcoli hat sich nie geschont. Er hat für seine Kunst gelebt. Er ist durch sie viel zu früh verstorben.

Bruno Gironcoli war einzigartig in den Formen seiner Werke. Vor uns und für uns hat er neue Welten erschaffen, einzigartige Gebilde von davor nie Geschautem. Gironcoli - ein Titan in einem Umfeld, das mit Größe und Großzügigkeit oft nicht umzugehen imstande ist.

„Wahrhaft große Leute müssen in dieser Welt immer eine große Traurigkeit empfinden“, hat Dostojewski gesagt.

Jetzt stehen WIR hier am Grab eines großen Mannes und empfinden großen Schmerz darüber, das ER nicht mehr ist und sein Schaffen nicht mehr sein wird.
Bruno Gironcoli wird jedoch in seinen Werken und durch seine Schülerinnen und Schüler von der Akademie der Bildenden Künste, wo er mehr als 25 Jahre lehrte, weiter bestehen.
Wir werden auch in Zukunft damit konfrontiert werden, dass wir die Wirklichkeit in ihrer ganzen Unmittelbarkeit wahrnehmen und begreifen müssen.
Gewalt und Unterdrückung, enthüllte menschliche Natur und Erlösung versprechende Sicht auf fremde Welten und Formen, werden an Bruno Gironcoli erinnern und uns weiterhin vor Auge führen, dass es das nicht Fassbare, dass es das Gewaltige, dass es das Leben gibt.

Bruno Gironcoli hat einmal gesagt: „Mein psychisches Bewusstsein und mein ästhetisches Verlangen haben einen Zug zur Stille hin erzeugt, hin zu Dingen, die Kraft ihrer einfachen Oberfläche in ein Schweigen geführt werden.“

Auch wenn die Stimme des Bruno Gironcoli für immer schweigt, auch wenn die Hand nicht mehr schafft, werden wir sein einzigartiges Werk in uns tragen.

Wir neigen unseren Kopf vor Bruno Gironcoli und sagen hier und heute ein letztes Mal: Danke.

Geändert am 08.03.2010

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