(es gilt das gesprochene Wort)
Sehr geehrter Ernesto Cardenal!
Sehr geehrter Herr Pfarrer Mikl!
Sehr geehrter
Herr Prälat Joachim Angerer!
Liebe Frau Dobner!
Sehr geehrte Damen und Herren!
BM Dr. Claudia Schmied gratuliert Ernesto Cardenal (Foto: Globart)
GLOBArt Award Preisträger Dirigent Ricardo Muti hat einmal das schöne Bild vom Gleichklang der Musiker in einem Orchester gezeichnet.
Die Musiker sprechen unterschiedliche Sprachen, manchmal haben sie auch eine unterschiedliche Religion, eine unterschiedliche Hautfarbe.
All diese Differenzen, so Muti, tun nichts zur Sache, denn die Musiker sitzen nebeneinander und spielen mit demselben Ausdruck.
Wir Menschen von heute sitzen gemeinsam im großen Weltorchester, doch wir erreichen diesen Gleichklang nicht. Denn was dem Norden dieser Welt zugute kommt, erleben die Menschen des Südens, wo Sie, Herr Ernesto Cardenal herstammen, vielfach als Unterdrückung und Ausbeutung.
Sie, Herr Cardenal, sind stets gegen die Ungerechtigkeit aufgetreten, und das in vielen Rollen.
In einem Interview haben Sie einmal auf die Frage geantwortet, was Sie denn nun seien, Christ, Marxist, Revolutionär, Anhänger der Gewaltlosigkeit, Vertreter des gerechten Kriegs oder Poet: „Ich bin das alles, und es widerspricht sich nicht.“
Die Verbindung von Zuwendung zu Gott und Zuwendung zu den Menschen fasziniert uns an Ihnen, Herr Ernesto Cardenal.
Über Sie wird gesagt, dass es Ihnen immer um das Ganze gehe, um das Reine, um das Ideal.
Dass manchmal die Realität andere Wege geht, zeigt sich auch an der Revolution in Nicaragua.
Aber Sie können ins Treffen führen – ich zitiere – dass „die Revolution Nicaragua von einer 50 Jahre währenden Diktatur befreit hat. Und jetzt gäbe es zwar keine Revolution, aber doch die Demokratie.“
In diesem Streben um Demokratie befinden wir uns auf einer Seite.
Wir finden uns dort, wo die Idee von GLOBArt ihren Platz hat: Bei der Förderung von globalen Gedanken und Ideen, die den Anderen zum Vorbild, den Entrechteten zum Vorteil gereichen.
Das Auftreten gegen das Unrecht, Herr Cardenal, verbindet uns.
Als Kulturministerin der Republik Österreich freue ich mich, einen ehemaligen Kulturminister Nicaraguas, freue ich mich Ernesto Cardenal, den Lyriker zwischen Revolution und Mystik, hier zu begrüßen.
Joachim Angerer, Brigitte Karner, Ernesto Cardenal, Heidemarie Dobner, Claudia Schmied in der
Wotrubakirche (Foto: Globart)
Geändert am 22.06.2009