Neuberg an der Mürz, Refektorium des Stiftes Neuberg, 18. Juni 2011

Rede von Frau Bundesministerin Dr. Claudia Schmied anlässlich der Verleihung des Ernst-Jandl-Preises für Lyrik 2011

(Es gilt das gesprochene Wort!)

Ich heiße Sie im Refektorium des Stiftes Neuberg herzlich willkommen.

Sehr geehrter Herr Bundespräsident!
Liebe Margit Fischer!
Verehrte Friederike Mayröcker!
Sehr geehrter Herr Bürgermeister Tautscher!
Sehr geehrter Herr Pfarrer! (Dariusz Rot)
Lieber Herr Morak!
Liebe Fest- und Ehrengäste!
Vor allem aber: Sehr geehrter Peter Waterhouse!

Viele von Ihnen sind bereits, so wie ich, seit Freitag hier in Neuberg und haben den gestrigen und heutigen Tag mit unseren Dichterinnen und Dichtern, bei Lesungen, Performances und Gesprächen, verbracht.

Ich hoffe, Sie haben diese Tage so genossen, wie ich.

Es ist ein Privileg, dass ich als Politikerin nicht „nur“ für den Bereich „Bildung und Schule“ zuständig bin, sondern auch für das weite Feld von Kunst und Kultur.

Ich bin der festen Überzeugung, dass Kulturpolitik, wenn wir jetzt einmal an die Literatur denken, nicht nur heißt: literarische Projekte fördern, Literaturhäuser finanzieren und Verlage unterstützen.

Das heißt es selbstverständlich auch - und ich kann Ihnen versichern, dass Sie in mir einen verlässlichen Partner haben.

Aber es bedeutet auch, dass wir der Gegenwarts-Literatur eine Bühne geben und öffentlich auf ihre Qualitäten und Leistungen hinweisen.

Mit dem im Jahr 2000 gestifteten Ernst-Jandl-Preis wird die zeitgenössische Lyrik verortet, hier in Neuberg, aber auch in unseren Köpfen.

Diese Lyriktage führen Menschen zusammen, wecken Neugierde, Interesse und, ja, Begeisterung für Gedichte.

Meine sehr geehrten Damen und Herren!

Wir sind sehr eigenen und sehr individuellen Stimmen begegnet in den letzten zwei Tagen, und wir haben verschiedene Möglichkeiten und Spielarten der dichterischen Sprache und des poetischen Sprechens kennengelernt.

Die Themen und Formen der Gedichte waren dabei ebenso unterschiedlich wie ihr Vortragsstil: von „nüchtern, klar und sachlich“ über „ruhig und zurückgenommen“ hin zu einem „ironischen Tonfall“, von „verhaltenem Pathos“ über einen „melodiösen Sprechgesang“ bis hin zur „Voice Performance“.

Sehr geehrte Dichterinnen und Dichter!

Sie haben uns sehr deutlich gezeigt, wie eigenwillig, wie vielfältig und wie lebendig Ihre literarische Gattung sein kann.

Noch nicht zu Wort gekommen ist bisher, meine sehr geehrten Damen und Herren, der Preisträger 2011: der Autor, Dichter und Übersetzer Peter Waterhouse.

Bevor wir mehr über ihn und von ihm hören, möchte ich fünf kurze Sätze aus Ihrem Spazier- und Lesebuch „Die Geheimnislosigkeit“ zitieren, die man vielleicht als Ihr dichterisches Credo verstehen könnte.

„Die Quitte duftet und der Dichter dichtet.
Warum duftet die Quitte?
Um an Quitten zu erinnern.
Warum dichtet der Dichter?
Um an Menschen zu erinnern; an die Welt zu erinnern; an alles zu erinnern.“

Lieber Peter Waterhouse!

In der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur nimmt Ihr Werk einen ganz besonderen Platz ein.

Sie haben im Laufe Ihres Schreiblebens zahlreiche bedeutende Preise erhalten, Ihre Werke wurden im Feuilleton gefeiert und hymnisch besprochen.

Mit Ihrer konsequenten schriftstellerischen Arbeit, unbeirrt von wechselnden Moden und unbeeindruckt von Trends und Zeitgeist haben Sie sich ein treues Lesepublikum geschaffen.

Kern all dieser Arbeiten ist aber wohl die Dichtung und Ihre poetische Weltsicht, die Sie Text um Text aufs Neue entwickeln.

Friederike Mayröcker hat Sie, Herr Waterhouse, als ein „von Inspiration und Präzisionskunst heimgesuchtes Himmelskind der Poesie“ genannt.

Ich freue mich sehr, dass Sie von unserer Jury für den Ernst-Jandl-Preis des Jahres 2011 vorgeschlagen worden sind und möchte Ihnen sehr herzlich zu dieser Auszeichnung gratulieren.

Geändert am 20.06.2011

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