Österreichisches Kulturforum Berlin, 9. Februar 2011

Rede von Frau Bundesministerin Dr. Claudia Schmied bei der „Hommage an Walter Jurmann – Unforgettable You“

(es gilt das gesprochene Wort!)

Sehr geehrter Herr Botschafter!
Hoch geschätzte Frau Jurmann!
Sehr geehrte Damen und Herren!

„Lange, bevor ich meinen Mann kennenlernte, kannte ich bereits seine Musik. Während meiner Jugend in Ungarn, in und nach dem Zweiten Weltkrieg, wurde Musik für mich - wie für viele andere - Zuflucht vor den Schrecken und der Hoffnungslosigkeit des Alltags“, schrieben Sie, sehr geehrte Frau Jurmann, in Ihren Erinnerungen.

Ich habe Sie, liebe Frau Jurmann, als Menschen kennengelernt, der mit Charme und großem Einsatz bis heute für die Verbreitung der Musik Ihres Mannes rund um die Welt reist. Und heute sind wir hier in Berlin, wo auch die Karriere Ihres Mannes komentenhaft begann.

Umso mehr freue ich mich, mit Ihnen heute diese Hommage an Walter Jurmann am Vorabend der Berlinale, die „Ausgerechnet Donnerstag“ (Liedtitel) beginnt, feiern zu können.

Die sieben Jahre des großen Musikers im Berlin der Jahre 1927 bis 1933, die am Klavier der Bar des legendären Hotels Eden ihren Anfang nahmen, wurden in der Partnerschaft mit Fritz Rotter zu einer wahren Erfolgsgeschichte.

Diese Jahre waren ein „Lenz“ - nicht nur für Veronika - sondern auch für den bis dahin noch unbekannten Komponisten, der mit seinen Schlagern in dieser Zeit große Erfolge feierte.

Den Untergang der Kultur, das Herandräuen des Bösen konnte man in dieser Zeit aber schon erahnen.

Noch vermittelten die Lieder von Walter Jurmann Freude und Unbeschwertheit und Schlagerklassiker wie „Ich habe im Frühling nur dich geküsst“, oder „Blumen leg ich dir zu Füßen“ entstanden.

Doch anders als seine Musik im Film „Es wird schon wieder besser“ es verheißen wollte, wurden die Verhältnisse für jüdische Künstlerinnen und Künstler, und für alle, die sich nicht dem Unrechtssystem beugten, schlechter, feindlich, schließlich tödlich.

„Ich geh nie von dir fort, denn ich lieb dich“, konnte für die verfemten und verfolgten Juden in ihrer Beziehung zu Berlin nicht mehr gelten, sie mussten die geliebte Stadt verlassen.

Auch die Heimat Wien stand Walter Jurmann nicht mehr offen, war doch deren Filmwirtschaft eng mit jener Deutschlands verbunden und das Klima Juden gegenüber ebenso vergiftet und mindest so bösartig.

Der Versuch, dem Aufkommen der autoritären Kräfte mit Mitteln der Kunst, entgegenzutreten, scheiterte. Walter Jurmann verließ Berlin nach Hitlers Machtergreifung und ging nach Paris und von dort in die USA.

Ob in Paris oder in den USA, er schaffte es, die kulturellen Wurzeln seiner Gastländer zu verstehen und zu verinnerlichen und dazu passende, herrliche Musik zu schaffen.

Die USA wurden ihm über ein Gastland hinaus, zu einem neuen, geliebten Heimatland. Kein Wunder, fand er doch dort Sie, sehr geehrte Frau Jurmann, seine große Liebe, und erlebte darüber hinaus ein Klima der Akzeptanz und Bewunderung.

Seine Hommage an San Franzisko, die Lieder „A better world to live,“ oder „Cosi Cosa“ aus „ A night in the opera,“ um nur einige, wenige zu nennen, sind Kunstwerke, die noch viele kommende Generationen singen und anhören werden.

Walter Jurmann war und ist, wie es in einem Beitrag des Österreichischen Rundfunks hieß, ein „Weltbürger der Musik,“ dem wir so vieles verdanken.

Aus William Shakespeares „Was ihr wollt“ stammt der Satz: "Wenn die Musik der Liebe Nahrung ist, spielt weiter, gebt mir volles Maß."

Ich freue mich gemeinsam mit Ihnen allen auf volles Maß Musik von Walter Jurmann.

Geändert am 17.02.2011

 top