Wien, Architekturzentrum Wien, 02.03.2011
(es gilt das gesprochene Wort!)
Sehr geehrter Dietmar Steiner!
Sehr geehrte Kuratorinnen und Kuratoren!
Sehr
geehrte Pädagoginnen und Pädagogen!
Sehr geehrte Damen und Herren!
Fotocredit: eSeL
Erich Kästner, von dem der Titel für die Ausstellung stammt, ist ein idealer Namenspatron für ein Projekt, das zu einer zeitgemäßen Schule beitragen will.
Leider steht mir der Weg, den der Neffe Konrad in Kästners Buch „Der 31.Mai“ genommen hat, für die Schulreformen nicht offen.
Da müsste ich mit meinem Team nur durch die Hinterwand eines Kastens in die ideale Schulwelt eintreten, wie Konrad, der samt seinem Onkel und seinem Pferd in eine wunderbare Traumwelt gelangte.
Doch die Rückwände der politischen Kästen sind stark verleimt.
Es freut mich, dass sich diese Ausstellung dem Thema „Schulbau“ und „Lernumgebung“ widmet.
Die Schule der Zukunft, wie ich sie anstrebe, vermittelt Werte der Demokratie, gibt Raum für forschenden Geist, Kreativität und Leistung, fördert jeden nach seinen Fähigkeiten und lässt keinen am Rande stehen.
Schule ist ein Ort der Kultur.
Wenn Schülerinnen und Schüler, ebenso auch Lehrerinnen und Lehrer eine Umgebung vorfinden, die keinen Raum lässt, die das Rechteck zum Maß aller Dinge macht, geht viel von jener Energie verloren, die für das Schöpferische, das Originelle, das Neue oder schlicht für das konzentrierte Lernen und Lehren benötigt wird.
Erich Kästner hat in seinem Roman über das „Fliegende Klassenzimmer“ die Botschaft an uns Erwachsenen vermittelt, dass es notwendig ist, an die eigene Kindheit zurück zu denken, um Kinder und ihre Bedürfnisse zu verstehen.
Ich denke, die Vielfalt der hier präsentierten Konzepte zeigt, dass die Architektinnen und Architekten ihre Erinnerung an die Kindheit wunderbar mit ihrer Expertise zusammenfügen konnten.
So wie ich versuche, neue Schulmodelle zu entwickeln und ein System der Veränderung und der positiven Lernumgebung zu schaffen, so eröffnen die hier gezeigten Raumstrukturen eine Vielfalt von pädagogischen Möglichkeiten.
Erich Kästner hat die „Neue Schule“ in einem knappen Satz definiert, als er sagte: „Der Mensch soll lernen, nur die Ochsen büffeln.“
Die Verwirklichung der hier vorgelegten Pläne erfordert konzentrierte Arbeit, wie jene der Schulreformen, die ich anstrebe. Aber auch in dieser Hinsicht können wir uns auf Erich Kästner verlassen, dessen Trostworte lauten: „Auch aus Steinen, die dir in den Weg gelegt werden, kannst du etwas Schönes bauen.“
Es bleibt mir, dem Architekturzentrum zu danken, dass es neben seiner Präsenz in der Kulturvermittlung für Kinder und Jugendliche mit dieser Ausstellung die Architektur als Begleiter der Schulreform betont.
Fotocredit: eSeL
Geändert am 11.03.2011