Laudatio von Frau Bundesministerin Dr. Claudia Schmied für Gerhard Klingenberg anlässlich der Verleihung des Großen Goldenen Ehrenzeichens durch Herrn Bundespräsident Dr. Heinz Fischer am 16.11.2009 in der Hofburg

(es gilt das gesprochene Wort!)

Sehr geehrter Herr Bundespräsident!
Sehr geehrter Herr Klingenberg!
Meine Damen und Herren!

Wenn Einer fünf Jahre lang Leiter des Züricher Schauspielhauses war, länger noch der des Berliner Renaissance-Theaters, wenn Einer in seinem Leben Schauspieler war in Berlin bei Bert Brecht und anderswo, Filme für Fernsehen und Kino gedreht, als freier Regisseur gearbeitet hat, so bleibt er in Wien doch das, was er hier etwas mehr als fünf Jahre hindurch gemacht hat, er bleibt Gerhard Klingenberg, der Burgtheaterdirektor.

Laudatio von FBM Dr. Claudia Schmied für Gerhard Klingenberg anlässlich der Verleihung des Großen Goldenen Ehrenzeichens
Foto: HBF, Andy Wenzel

Und das ist auch richtig so. Denn Sie waren mit Sicherheit einer der Gründlichsten in der Analyse und Entwicklung dieses Theaters und auch sein zugewandter, kritischer Chronist, sie waren sein Erneuerer und Bewahrer, sie waren sein Glücksfall in der Entfesselung hin auf dem Weg zum europäischen Theater.

Begonnen hat die Beziehung, wie ich Ihrer Autobiografie entnehme, mit den Worten Ihres Vaters zum kleinen Gerhard, der da sagte: Heute gehen wir ins Burgtheater. Und dabei die gleiche ernste Miene zeigte, wie bei einem anderen Mal, als er sagte: Heute gehen wir zum Zahnarzt.

Ich habe mit großem Interesse Ihre programmatische Erklärung anlässlich der Übernahme der Direktion des Burgtheaters gelesen, die vor fast vierzig Jahren verfasst wurde und doch so zeitgemäß ist, dass sie wortgleich auch heute gehalten werden könnte.

Vor allem Ihr Bekenntnis zum elitären Theater im ganz besonderen Sinne möchte ich hervorheben. „Elite“, haben Sie damals formuliert „sollte aber keine Elite des Geldes, des Ranges oder des Berufs sein, sondern eine Elite des Geistes und der Kultur.“ Es ging und geht Ihnen, sehr geehrter Herr Klingenberg, um Menschen, die eine bewusste Einstellung zu unserer heutigen komplexen Welt besitzen und eben Kultur haben.“

Diese, Ihre Worte sprechen mir aus dem Herzen. Es muss uns darum gehen, junge Menschen zur Kultur hinzuführen und zwar auch alle jene, denen es nicht in die Wiege gelegt ist, die nicht aus Familien des Geldes, des Ranges, der Metropole kommen.

So wie Sie Theater als ein Werkzeug des Humanismus definieren, so wollen wir Kultur- und Bildungspolitik als Instrumente der Aufklärung verstanden wissen.

Bei vielen Sätzen, die Sie zum Theater formuliert haben, bräuchte man nur das Wort „Theater“ durch das Wort „Bildung“ ersetzen und hätte bereits das Rezept für eine visionäre Politik.

Ich zitiere, um ein Beispiel zu geben, Ihre Worte, Herr Klingenberg: „Theater dürfte nicht polarisieren, es müsste integrieren, es müsste das Publikum aus allen Ecken und Winkeln des gesamten Spektrums anlocken und in einem Geist des aufgeklärten, souveränen Denkens und der Toleranz zusammenführen!“

Sie haben es immer verstanden, Ihre Programmatik der permanenten Suche nach neuen Impulsen, nach sich ständig erneuerndem, europäischen Theater auch zu verwirklichen. Ihre Devise dazu ist auch ein gutes Zauberwort für die Politik: „Man muss wissen, was man will, und wie man es macht!“

Und auch das hebt Sie über Andere hinaus, dass Sie Ihr Fach von der Pike auf gelernt haben, dass Sie hinausgegangen sind in die Welt, dass Sie die Herausforderung gesucht haben.

Dazu braucht es Weltoffenheit, die Sie immer gelebt haben. Berliner Ensemble, Maxim-Gorki-Theater, Wien, Zürich, so viele Stationen, die alle zusammen einen Visionär geprägt haben. Ich möchte als einen Ihrer besonderen Verdienste für das Entwickeln des Neuen die Gründung der „Jungen Burg“ erwähnen, von der das Theater stets profitiert hat.

Sie haben in einem flammenden Appell geschrieben: „Muss eine Vision immer eine Vision bleiben, eine Utopie? Man müsste es doch bloß machen.“ Sie haben es gemacht und Ihre eigene Vision vom Theater als einen Ort der Wahrheit verwirklicht.

Lassen Sie mich mit einem Zitat von Ihnen Herr Klingenberg schließen: „Wo waren die schönsten Theaterjahre? Überall! Überall, wo gute Schauspieler gutes Theater machen und ein gutes Publikum gerne ins Theater geht!“

Geschätzter Gerhard Klingenberg, ich ergänze und sage: Überall dort, wo ein weltoffener Theaterleiter ermuntert, ermöglicht, inspiriert und fordert.

Sie können mit großem Stolz, wir können mit großer Bewunderung auf Ihr Lebenswerk zurückblicken.

Als österreichische Kulturministerin möchte ich mich bei Ihnen dafür aus vollem Herzen bedanken.

Geändert am 19.11.2009

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