Wien, MUMOK - Museum Moderner Kunst Stiftung Ludwig, 24.06.2010
(es gilt das gesprochene Wort!)
Sehr geehrter Herr Bundespräsident!
Sehr geehrter Herr Direktor Köb!
Liebe Frau
Kowanz!
Meine Damen und Herren!
(Foto: Rudi Schmied, Fotocredit: MUMOK)
Die Ausstellung "The Moderns" zeigt die enorme Vielfalt an Antworten der Kunst auf die Fragen der Zeit. Für uns ergeben sich aus den vielen Perspektiven und Blickwinkeln ebenso viele Möglichkeiten der Betrachtung.
Eine Art der Aneignung dieser Ausstellung könnte sein, die Kraft der Künstlerinnen und Künstler im Vorauserkennen kommender Entwicklungen wahrzunehmen, die Warnungen und Hoffnungen, das Auseinanderbrechen alter Bildmuster, das Erschaffen von neuen ästhetischen Welten.
Ich meine das im Sinne des Dadaistischen Manifests von Richard Huelsenbeck und seines Satzes: "Die höchste Kunst wird diejenige sein, die in ihren Bewusstseinsinhalten die tausendfachen Probleme der Zeit präsentiert..."
Ich sage das in einer geschichtlichen Periode, die von einer neuen Dynamik gezeichnet ist. Wieder stehen wir staunend vor der Rasanz der technologischen und gesellschaftlichen Entwicklungen und sind nur allzu leicht bereit, sie als Sachzwänge auf uns wirken zu lassen, ohne ihren Sinn und ihre Richtung zu reflektieren.
Die Kunst, wenn auch sie nicht alleine, muss beitragen ihre Zeit zu gestalten.
Meine Damen und Herren, ein Zeitgenosse der "Revolution der Künste und Wissenschaften" war der Arzt und Philosoph Albert Schweitzer, der im Konflikt um die Rolle des Menschen zwischen den Sachzwängen des technologischen Fortschritts und der ins Hintertreffen zu kommen scheinenden Moral eine neue Ethik einforderte und lebte. Er schuf den Satz: "Wo Licht im Menschen ist, scheint es aus ihm heraus."
Ja, mit dieser Überleitung will ich auf die Person und auf die Arbeiten von Brigitte Kowanz überleiten.
Ich hatte erst vor knapp einem Jahr die Freude, Ihnen, sehr geehrte Frau Kowanz, den Österreichischen Staatspreis für Kunst zu überreichen.
Und ich habe damals darauf hingewiesen, dass Sie in Ihrem Werk auf außerordentliche Weise Kunst und Innovation verbinden, neue Formen nicht als Selbstzweck verwenden, sondern genau diese von mir angesprochene, überraschende Sicht ermöglichen.
Das Licht, das Brigitte Kowanz auf die Welt wirft, zeigt uns Strukturen, die wir bisher nicht gesehen haben.
"Now we see" sind wir versucht zu sagen und schon wechselt die Perspektive erneut und wir stehen vor den Objekten, wie Kinder, die erstmals in die Geheimnisse des Lebens hineinschauen.
Die Magie des Lichts, der Farben und Projektionen innen im Museum, an seiner Außenwand und am Uniqa Tower wird uns Gespräch und Bild mit neuen Worten und Horizonten sein, Kunst also, die sich auseinandersetzt und uns mit einbezieht.
Die Zusammenstellung des Programms, das wir heute eröffnen - mit Birgitte Kowanz und mit "The Moderns" - ist eine runde Sache.
Ganz im Sinne des Satzes von Francis Picabia "Unser Kopf ist rund, damit das Denken seine Richtung ändern kann." Ich wünsche den Besucherinnen und Besuchern viele bewegte Gedanken und lichtvolle Eindrücke, und freue mich auf die beiden Ausstellungen.
(Foto: Rudi Schmied, Fotocredit: MUMOK)
(Foto: Rudi Schmied, Fotocredit: MUMOK)
Geändert am 25.06.2010