Wien, Oscar, Concordiaplatz, 22. September 2011
(Es gilt das gesprochene Wort!)
„Gendergerechtigkeit in der Förderung von zeitgenössischer Kunst und Kultur und sich daraus ergebende Herausforderungen in der Beirats- und Förderungstätigkeit“
Meine sehr geehrten Damen und Herren!
Liebe Andrea!
Ich freue mich sehr, dass Sie unserer Einladung gefolgt sind.
Herzlich Willkommen hier am Concordia Platz, im Haus für Kunst und Kultur!
Zuerst will ich mich bei Ihnen für Ihr Engagement für die österreichische Kunstszene und für Ihre Arbeit in den Beiräten des Ministeriums sehr herzlich bedanken.
Mit diesem gemeinsamen Meinungs- und Gedankenaustausches zwischen Ihnen und den MitarbeiterInnen der Kunstsektion wollen wir die Synergien verstärken, um für die Kunst und Kulturschaffenden in Österreich starke, verlässliche und gut informierte Partner zu sein.
Das ist mir wichtig.
Unsere Aufgabe muss es sein, mit der Kunstförderung des Bundes größtmögliche Qualität zu gewährleisten.
Auf Basis Ihrer Empfehlungen kann ich nachvollziehbare und transparente Entscheidungen treffen.
Aktuell sind 71 Beiräte und Beirätinnen bestellt, die in 13 Beiräten ihre Expertisen einbringen.
Beiräte sind auch ein Spiegel aktueller Entwicklungen in der Kunst. So wurde der Beirat für interdisziplinäre Projekte im Herbst 2009 neu eingeführt und aus den beiden Beiräten Tanz und Bühne formierte sich der Beirat für Darstellende Kunst im Spätherbst 2010.
Bevor ich Ihnen meine Schwerpunkte in Kunst und Kultur vorstelle, möchte ich ein paar Worte zum Kunst und Kultur-Budget sagen.
Es ist ein Erfolg, meine sehr verehrten Damen und Herren, dass wir das Kunst- und Kulturbudget ohne Kürzungen durch diese wirtschaftlich angespannte Zeit bringen.
Schauen Sie sich um in Europa. Die Kunst und Kulturbudgets der Staaten sind geschrumpft und ausgedünnt worden.
Österreich geht hier einen anderen Weg.
2007 startete ich mit einem Kunst und Kulturbudget von 391 Mio €.
2011 sind wir bei 430 Mio €.
Das ist eine Steigerung von knapp 10%!
Damit kann ich Ihnen versichern - das BMUKK ist und bleibt ein verlässlicher Partner in Kunst und Kulturangelegenheiten.
Und es ist mir ganz wichtig, Sie als Verbündete für die Kunst und Kultur in Österreich zu haben.
Wir brauchen eine breite gesellschaftliche Akzeptanz für Kultur, damit bei Umfragen zum Einsparungspotential Kunst und Kultur außer Frage gestellt ist.
Dafür setze ich mich ein!
Sichtbarmachung der künstlerischen Qualität in Österreich
Neben den wichtigen finanziellen Förderprogrammen wie Stipendien, Auslandsaufenthalte, Messeteilnahmen, Ateliervergaben und Projektförderungen ist die gesellschaftliche Anerkennung der Arbeit der Kunstschaffenden und der Kunstinstitutionen von großer Bedeutung.
Mit der Bündelung der Verleihungen ist es mir gelungen für die Künstlerinnen und Künstler eine breite Öffentlichkeit zu schaffen.
Outstanding Artist Award, der am 30. September im Radiokulturhaus verliehen wird, zeigt in beeindruckender Weise das breite künstlerische Schaffen in Österreich.
Ich würde mich freuen Sie im Radiokulturhaus zu treffen.
Mit diesem Kunstpreis konnte eine unverkennbare „Marke“ der künstlerischen Qualität in Österreich positioniert werden, auf die die Kunstschaffenden und deren Galeristen, Verleger oder Verleiher ebenfalls stolz sind.
Da sie heute Genderaspekte in der Kunstförderung diskutieren, ist es mir wichtig Ihnen zu vermitteln, dass in der Vergabe von Förderungen, Personalentscheidungen, Preisen oder wie jetzt gerade bei der Neuvermietung der Praterateliers selbstverständlich auf eine Gendergerechtigkeit Acht gegeben wird.
Ein wesentlicher Aspekt in der Kunst- und Kulturpolitik ist die verstärkte Förderung des zeitgenössischen Kunstschaffens und Förderung regionaler Kulturaktivitäten.
Mit Ihrer Arbeit in den Beiräten tragen Sie wesentlich dazu bei, dass neben der starken österreichischen Kulturtradition sich das Zeitgenössische entfalten und etablieren kann.
Mein Anliegen ist es, Menschen außerhalb von Ballungszentren in Kunst und Kultur einzubinden. Daher sind regionale Kulturaktivitäten und kulturelle Vielfalt so wichtig.
Mit dem freien Eintritt in die Bundesmuseen habe ich für die Menschen in Österreich einen wichtigen Schritt zur Teilhabe am Kunstgeschehen durchgesetzt.
2010 besuchten 24% mehr Kinder und Jugendlichen die Museen und nahmen an Vermittlungsprogrammen teil.
Viele Bundesländer sind unserem Beispiel gefolgt.
Die Kunstvermittlung ist mir ein besonderes Anliegen und ich sehe es als integrativen Anteil der Arbeit in den Kultureinrichtungen. Daher arbeite ich darauf hin, dass bis 2013 jede Schule eine Kooperation mit einer Kultureinrichtung oder mit Kunstschaffenden hat.
Verbesserung der Arbeitsbedingungen im Kulturbereich
Die Kulturnation Österreich steht zu seinen Künstlerinnen und Künstler und fördert ihren Werdegang, ob mit Startstipendien für den künstlerischen Nachwuchs, mit Wertschätzung ihrer Arbeit und mit Strukturmaßnahmen wie das Künstler-Sozialversicherungs-Struktur-gesetz oder die Modernisierung des Schauspieler-Gesetzes.
Beides wurde in der Interministeriellen Arbeitsgruppe erarbeitet und von der Politik umgesetzt.
Stärkung des österreichischen Films
Seit unserem letzten Treffen vor einem Jahr ist es mir gelungen, für die Stärkung des österreichischen Films das Film/Fernsehabkommen mit 8 Mio € neu zu positionieren.
Mit den Förderungen des BMUKK, des Österreichischen Film Instituts, des Film-Standort-Austria und den Länderförderungen gelingt es das hohe Niveau des österreichischen Films zu halten.
Meine sehr geehrten Damen und Herren, das ist ein Erfolg in Zeiten in denen Budgets knapp und unter Druck geraten.
Public Governance, meine sehr geehrten Beirätinnen und Beiräte, ist für mich ein wesentlicher Faktor einer transparenten und demokratischen Arbeit.
Dafür stehen auch meine Personalentscheidungen in den Bundesmuseen aber auch die Bestellungen der Leitungsfunktionen im Kunstbereich:
Andrea Ecker habe ich zur Sektionschefin der Kunstsektion bestellt.
Im Museumsbereich sind Sabine Haag (KHM) und Karola Kraus (MUMOK) als Direktorinnen von mir berufen worden. 2009 und 2011 ernannte ich hochqualifizierte Frauen zu Österreich-Kommissärinnen bei der Kunstbiennale: Valie Export, Silvia Eibelmayr und Eva Schlegel.
Auch bei der Besetzung der Beiräte wurde und wird auf eine Gendergerechte Verteilung wert gelegt. So haben wir aktuell 13 Beiräte mit 71 Personen, davon 38 Frauen und 33 Männer.
Damit sind wir auch beim heutigen Thema des Arbeitstreffens.
„Genderaspekte in der Kunstförderung“ ist vor dem Hintergrund des neuen Bundeshaushaltsgesetzes zu sehen, das mit 1.1.2013 in Kraft tritt.
Eine der wesentlichen Neuerungen dieses Gesetzes stellt die Implementierung der Wirkungsorientierung als Grundsatz der neuen Haushaltsführung dar.
Bisher war die Budgeterstellung von einer Inputorientierung geprägt.
Jetzt soll die Wirkung in das Zentrum der Betrachtung rücken.
Meine sehr geehrten Damen und Herren, Gender Budgeting ist ein Prozess.
Mit der Einführung von sinnvollen Genderkriterien in die Förderpraxis des BMUKK haben wir diesen Prozess bereits begonnen und werden ihn weiter vorantreiben.
Mit Ihrer Erfahrung und Einschätzung können wir konkrete Maßnahmen und Ziele diskutieren, die uns helfen, die Förderpraxis des BMUKK gendergerecht weiter zu entwickeln.
Ich freue mich auf die Zusammenarbeit mit Ihnen!
Geändert am 13.10.2011