(Es gilt das gesprochene Wort)
Meine sehr geehrten Damen und Herren!
Linz, die Kulturhauptstadt des Jahres 2009 hat einen hervorragenden Umgang mit seinen kulturellen Werten gefunden. Einen Umgang, der dazu beiträgt, die Stadt liebenswert und lebenswert zu gestalten.
An mehreren Beispielen zeigt sich ein offener und breiter Weg zur Kunst, der als Symbol für eine demokratische Gesellschaft gelten kann.
Hier wird Kunst für die Bürgerinnen und Bürger erlebbar. Hier werden wir einbezogen. Hier wird für uns gestaltet.
Transparenz, Liberalität, Kreativität und Dynamik sind Begriffe, die sich mit den Kunstmuseen dieser Stadt verbinden lassen, sei es mit dem neuen Südflügel des Schlosses, in dem wir uns befinden, sei es mit dem Lentos als Sinnbild von Durchsicht und moderner Klarheit, oder mit der Ars Electronica als österreichisches Vorzeigemodell für die Verbindung neuer Technologien mit Kunst.
Ich erlebe Linz als Kultur-Stadt, die durch ihren Umgang - hier vor allem mit der zeitgenössischen Kunst - uns am Deutlichsten zeigt, welcher historischer Wandel, welche Änderungen in den Einstellungen seit den unseligen Zeiten des Nationalsozialismus in dieser Stadt vollzogen wurden.
Der wohl dunkelsten Epoche der Geschichte Oberösterreichs folgt eine Periode der wirtschaftlichen und kulturellen Dynamik, die ein ganz anderes Linz, ein Linz der Demokratie geschaffen hat.
Dafür ist den Verantwortlichen der Stadt und ihren Bürgerinnen und Bürgern Respekt auszusprechen.
Wenn sich nun Linz auf die anspruchsvolle Aufgabe des nächsten Jahres als europäische Kulturhauptstadt vorbereitet, so ist es wichtig und klug, die Geschichte der Jahre 1938 bis 1945 kritisch zu beleuchten und mutig zu diskutieren.
Es geht darum, der internationalen und heimischen Öffentlichkeit den Wandel der Stadt zu zeigen. Es geht darum, die Wahrnehmung der Jugend dafür zu schärfen, dass die Kunst Freiheit, Toleranz, Offenheit, ja den Geist der Liberalität braucht.
Diese Ausstellung demonstriert den Unterschied zwischen den verbrecherischen Allmachtsphantasien des NS-Regimes und der daraus folgenden Instrumentalisierung der Kunst und dem diskursiven Leben mit der Kunst in einer demokratischen Gesellschaft.
Das nie errichtete Kunstmuseum der Nationalsozialisten wäre ein Symbol für Unterdrückung, Vertreibung und Ermordung geworden. Wie die Kolonialisten des 16. und 17. Jahrhunderts Eingeborene der überfallenen Länder als Zeichen der Macht in Käfigen auf Jahrmärkten ausstellten, so hätten die Nationalsozialisten geraubte Kunstschätze aus allen, von ihnen überfallenen Ländern präsentiert.
Nicht die Kunst, sondern ihre Inbesitznahme stand im Zentrum der Begehrlichkeit. Linz wäre keine „Kunststadt“ geworden, wie es euphemistisch hieß, sondern ein Käfig für die geraubte Kunst aus ganz Europa, Symbol für Machtrausch und Gewissenlosigkeit.
Der „Sonderauftrag Linz“ stand für Beschlagnahme, Enteignung, für ein gigantisches, zynisches Projekt des Verbrechens.
Es ist wichtig am Beginn des Kulturhauptstadtjahres 2009, die Verbrechen des Nationalsozialismus auch im Kunstbereich zu thematisieren und die Differenz zu heute aufzuzeigen.
Zu einem Heute, das Kunst als Ausdruck einer offenen, demokratischen und partizipativen Kultur versteht.
Meine Damen und Herren, die heutige Ausstellung passt sehr gut zu einem meiner zentralen politischen Anliegen. Ich will die kulturelle Bildung viel stärker in das öffentliche Bewusstsein rücken.
Die Ausstellung „Kunst und Nationalsozialismus in Linz und Oberösterreich“ wird helfen zu verstehen. Das ist kulturelle Bildung im besten Sinn des Wortes.
Zeige mir, wie du mit Kunst und Kultur umgehst, und ich sage dir, wer du bist.
Linz, meine Damen und Herren, wird eine würdige Kulturhauptstadt Europas sein.
Geändert am 16.09.2008