Eisenstadt, Landesmuseum Burgenland , 16. März 2011
(es gilt das gesprochene Wort!)
Foto: Kulturservice Burgenland
Sehr geehrter Herr Landeshauptmann!
Sehr geehrte Damen und Herren!
Franz Liszt, Klavierwerke, Lieder, Chorwerke und Kammerkonzerte gehören zum Repertoire des Wunderkinds, Hexenmeisters, Superstars und was sonst noch an Bezeichnungen über ihn kursieren.
Das Werkverzeichnis nennt 702 Titel, und das ohne seine literarischen Werke.
Franz Liszt war ein Gigant der Musik, der über einen langen Zeitraum als Künstler und als Lehrender die Tonkunst maßgeblich beeinflusst hat.
Die Ausstellung hier im Landesmuseum Burgenland verweist im Rahmen der „Lisztomania 2011“ auf den „Hype,“ den Liszt auf seinen Reisen durch Europa ausgelöst hat.
Die Beschreibungen über die Reaktionen seines Publikums erinnern an die kreischenden Groupies von heutigen Stars, wenn auch die Bewunderung seinerzeit einen etwas ruhigeren Ausdruck fand, als wir ihn heutzutage erleben.
Die Damen sollen, wie man liest, Rosen geworfen haben und reihenweise in Ohnmacht gefallen sein.
Franz Liszt dürfte das gut gefallen haben, formulierte er doch einmal: „Jeder einzelne im Publikum ist ein Esel, aber alle zusammen sind sie die Stimme Gottes.“
Heinrich Heine verwendete dann auch den Begriff „Lisztomanie,“ um der fast hysterischen Bewunderung einen Namen zu geben.
Er stand dieser Erscheinung, die er bei einem Konzert im Jahr 1844 miterlebt hatte, allerdings mit einiger Skepsis gegenüber, sprach beunruhigt über „die elektrische Wirkung einer dämonischen Natur“ und „über die ansteckende Gewalt der Ekstase,“ bescheinigte Liszts Musik aber auch einen eigenen „Magnetismus.“
Wäre diese Qualität der Musik nicht das wirkliche Phänomen gewesen, wüssten wir heute nichts mehr vom Musikgenie Liszt und seinem 200. Geburtstag.
Was mich besonders beeindruckt, ist seine intensive Lehrtätigkeit, seine Freude daran, Wissen und Können weiterzugeben.
Liszt, der Weltenbürger, der nie irgendwo wirklich zu Hause war, hat in seinen späten Jahren eine Art „Systematik“ in sein Reiseleben gebracht.
Rom, Budapest und Weimar waren die Stationen seiner Reisen mit kurzen Abstechern nach Wien, wo er auf Verwandtenbesuch im „Schottenhof“ weilte.
In Budapest wurde er in den 1870er Jahren zum Präsidenten der neu gegründeten Musikakademie bestellt. Er kümmerte sich um die Auswahl der Professoren und wirkte an vorderster Stelle an der Ausarbeitung der Studienpläne mit.
Die Formel des großen Klavierkünstlers lautete dabei wenig überraschend: Jeder, der Pianist werden wollte, musste Komposition studieren und jeder Kompositions-Student musste auch eine Pianisten-Ausbildung absolvieren.
Auch in Weimar hatte er viele Schülerinnen und Schüler, von denen er, dem Vernehmen nach, nie ein Honorar verlangte.
So wurde der erfolgreiche Musiker, der selbst nach der Volksschule im burgenländischen Raiding nie eine Höhere Bildung bekam, zum „Popstar,“ der als junger Mensch Begeisterung und Hysterie ausgelöst hatte und zu einem seriösen Lehrer, der anderen zur höchsten Kunst verhalf.
Was ihm, dem Wunderkind von berühmten Musikern, wie Carl Czerny an Klavierspiel und Antonio Salieri in Komposition beigebracht wurde, war später Ansporn, die nächste Generation zu unterstützen und zu fördern.
Franz Liszt, das frühe Genie, der Weltenbürger, der Virtuose, der Komponist hat das verwirklicht, was ich als Bildungsministerin mir so sehr wünsche: Dass die Besten den jungen Menschen Wissen, Erfahrung und Begeisterung für Kunst und Kultur mitgeben.
Meine sehr geehrten Damen und Herren, ich eröffne die Ausstellung „Lisztomanie“ – Der Hexenmeister am Klavier - und wünsche ihr viele interessierte Besucherinnen und Besucher.
Foto: Kulturservice Burgenland
Foto: Kulturservice Burgenland
Foto: Kulturservice Burgenland
Geändert am 16.05.2011