Wien, MUMOK-Factory, 24.06.2010
(es gilt das gesprochene Wort!)
Sehr geehrter Herr Direktor Köb!
Sehr geehrter Herr Präsident! (Günter Thumser, Präsident Henkel
CEE)
Sehr geehrter Herr Miljanovic!
Meine Damen und Herren!
Die Psychoanalyse verwendet den Begriff des Autofetischismus für Menschen, die ihren eigenen Körper zum Fetisch erheben. In der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts kam ein neuer Götze daher, der alle anderen, auch den eigenen Körper ablöste: Das Automobil.
Ein alternativer Auto-Fetischismus war entstanden. Und so wurden denn auch mit einem Mal die Menschen, ja ganze Nationen nach ihren Fahrzeugen beurteilt. Die Rasanz des Ferrari, die Biederkeit des Mercedes, die Eigenwilligkeit des Citroen oder die Begrenztheit des Trabant schufen Klischees und prägten Bilder von Ländern und ihre Bewohnern.
Sie, sehr geehrter Herr Miljanovic, spielen in kunstvoller Weise mit dem Thema des Autos, in diesem Fall mit der Marke "Zastava 101."
Ein Fahrzeug, an dem sich die Geschichte des Jugoslawiens nach Tito im Sinne der von Ihnen angestrebten "angewandten sozialen Kunst" auf das Beste erzählen lässt. Den Niedergang der Marke, das Zerfallen der Teile, die einzementierte Form, die räumliche Enge all das spiegeln Sie in Ihren Arbeiten.
Der Zastava, man muss es sagen, genießt keinen guten Ruf. Er hat seinerzeit Jugoslawien nicht ins hellste Licht gerückt. Das österreichische Magazin "Datum" hat in einer Reportage aufgedeckt, dass Autos der Marke Zastava, wenn auch die amerikanische Bauart, in zwei Romanen von Stephen King vorkommen. Der Abschluss-Satz lautete "Der Mann ist fraglos ein Meister des Horror."
Sie, lieber Herr Miljanovic, spielen auch humorvoll mit dem Image des Zastava, der am Balkan, ähnlich dem Trabant im Osten Deutschlands, neuen Kultstatus bekommen hat und gibt ihm eine alternative Bedeutung als Träger sozialer Eigenschaften. Mit diesem "Kunstgriff" vermitteln Sie eigene Lebenserfahrungen und zeigen uns Bilder von Ihrem Herkunftsland.
Der Henkel Art.Award würdigt diese künstlerische Leistung, Ihre Originalität und Ihren Esprit. Ich kann mich dieser Einschätzung mit einer herzlichen Gratulation nur anschließen.
Es ist mir eine Freude, diese Ausstellung zu eröffnen.
Geändert am 25.06.2010