Wien, Österreichische Nationalbibliothek, 06.05.2010
(es gilt das gesprochene Wort!)
Sehr geehrter Herr Staatssekretär, lieber Andreas! (Schieder)
Sehr geehrte Frau
Generaldirektorin!
Sehr geehrter Herr Dr. Fingernagel! (Kurator)
Sehr geehrte Frau Dr.
Spera!
Exzellenzen!
Meine Damen und Herren!
Das Neue kommt durch das Kennenlernen des Anderen, durch Wahrnehmung und Verstehen der Differenz in die Welt.
Der Unterschied zur eigenen gesellschaftlichen Entwicklung, zur eigenen Kultur, gibt die wichtigen Anstöße, um sich selbst weiter zu entwickeln.
Zwei Aspekte erscheinen mir wesentlich, wenn wir diesen Dialog in alten Schriften heute betrachten:
1. Es war die Kenntnis anderer Sprachen, die die Kommunikation und damit die Auseinandersetzung mit dem jeweils Anderen erst möglich gemacht hat, und
2. war es der Respekt gegenüber dem Fremden und die Wertschätzung gegenüber anderen Kulturen.
Beides setzt Ich-Stärke, eine Stärke eigener Identität voraus. Das Andere können wir erst dann wahrnehmen, wenn wir uns selbst angenommen haben.
Die Österreichische Nationalbibliothek unter Generaldirektorin Johanna Rachinger versteht es immer wieder, Themen aus den Bereichen Kultur und Bildung aufzugreifen und zur Diskussion zu stellen.
Die Ausstellung zum interkulturellen Dialog weist direkt und unmittelbar in unsere heutige Zeit.
Fotocredit: Roland Ferrigato
Ich habe 2008, im Jahr des interkulturellen Dialogs, in meinem Ministerium die Abteilung für „Migration, Interkulturelle Bildung und Sprachenpolitik“ eingerichtet. Sie soll dazu beitragen, den gesellschaftlichen Diskurs um Menschen mit Zuwanderungsgeschichte aus dem Bereich der Agitation herauszuholen.
Wenn heute in den Wiener Volksschulen rund 50 Prozent der Kinder eine andere als die deutsche Sprache als Erstsprache haben, können wir das populistisch als „Ausländer“-Problem definieren, oder aber wir können es konstruktiv als Chance für unser Land, für unsere Heimat begreifen.
Jedes Kind bringt mit seiner Sprache auch einen Schatz mit, der für unsere Gesellschaft wertvoll ist.
Alle Menschen, alle Kinder, die bei uns leben gehören zu unserem Land.
Darum müssen wir die jungen Menschen dabei unterstützen Sprachen zu pflegen und perfekt zu erlernen.
Schon Johann Wolfgang Goethe hat gesagt: „Wer fremde Sprachen nicht kennt, weiß nichts von seiner eigenen.“
Die eigene Kultur, die Kultur unserer Heimat, wird, wie die Ausstellung zum interkulturellen Dialog zeigt, durch fremdes Wissen bereichert.
Die eigene Kultur kann und muss aber auch so selbstbewusst sein, sich nicht abschotten zu wollen, sondern sich dem Austausch zu stellen.
Das erfordert Selbstbewusstsein und eine ausgeprägte Identität.
Die heutige Ausstellung zeigt, wie wichtig der Austausch der Kulturen ist.
Mit großer Freude sage ich: Die Ausstellung „Juden, Christen und Muslime – Interkultureller Dialog in alten Schriften“ ist eröffnet.
Fotocredit: Roland Ferrigato
Geändert am 14.06.2010