Wien, Musikuniversität Wien, 21. November 2011
(Es gilt das gesprochene Wort!)
Sehr geehrte Damen und Herren!
Sehr geehrte Musikerinnen und Musiker!
Orchester heißt, dass hervorragende Musikerinnen und Musiker, jede und jeder für sich ein Künstler, zusammenarbeiten, um ein Team zu bilden, das mehr zu geben imstande ist, als der Einzelne es vermag.
Es ist gut und wichtig, wenn viele Menschen die erste Geige spielen können, aber wie der große Komponist Robert Schumann sagt: „ Wenn alle die erste Geige spielen wollen, kommt kein Orchester zusammen.“
Und das gilt für alle Lebensbereiche.
Neben dieser gesellschaftlichen Vorbildwirkung sind Orchester wichtige Träger unserer Kultur.
Sie machen das Musikland Österreich in seiner ganzen Breite aus.
Vom Schulorchester über die Volksmusik, die Populärmusik, Unterhaltung und Klassik reicht der Bogen der musikalischen Vielfalt.
Österreichische Orchester sind Kulturattachés unseres Landes. Ob wir nun an das Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker denken oder an Gastspielreisen von Ensembles in die ganze Welt. Sie alle tragen Musik hinaus als Botschaft österreichischer Kultur.
Schließlich sind Orchester in mehrfacher Weise Instrumente der Musikvermittlung.
Ich denke hier an die Jugendorchester, die dem musikalischen Nachwuchs Entfaltungsmöglichkeiten gemeinsam mit Gleichaltrigen bieten.
Viele große Orchester haben die Musikvermittlung als Aufgabe erkannt und bieten eigene Kinder- und Jugendprogramme.
Orchester sind also Träger, Vermittler und Symbole für Kultur.
Sie sind Beleg dafür, dass unser Land mit Fug und Recht als Musikland bezeichnet werden kann.
Dafür meine Wertschätzung auszusprechen, ist mir am „Orchestertag“ ein besonderes Anliegen.
Aber es wäre mir zu wenig, wenn wir es bei der Anerkennung an einem Tag im Jahr beließen.
Wir unterstützen die österreichischen Orchester im Rahmen der Kunstförderung und tragen dazu bei, dass ihr Schaffen national wie international präsent sein kann.
Dazu möchte ich einige Beispiele nennen, die zeigen, wie wir mit unseren Maßnahmen der kulturellen Vielfalt der Orchester gerecht werden.
Das Kunstförderungsgesetz der Republik Österreich sieht einen Schwerpunkt bei der Förderung zeitgenössischer österreichischer Kunst vor.
Daher unterstützen wir Ensembles, die sich der Erneuerung und Innovation in der Musik annehmen, wie beispielsweise das Klangforum Wien, das Ensemble Kontrapunkte, das Österreichische Ensemble für Neue Musik, um hier nur einige, zu nennen.
Mit der Zielsetzung, den musikalischen Nachwuchs zu fördern und Talente bestmöglich zu entwickeln, unterstützt mein Ressort Jugendorchester wie das Gustav-Mahler-Jugendorchester, das Wiener Jeunesse Orchester und die Junge Philharmonie Wien, sowie die Wettbewerbe "Musik der Jugend".
Unser Beitrag zur Musik ist aber nicht auf die Förderung der Orchester beschränkt, sondern versucht schon früh, bei der Jugend anzusetzen.
Zwar ist es nicht die Aufgabe der Schule, Kindern das Spielen eines Instrumentes beizubringen, es ist aber für die Entwicklung wichtig, den Zugang und das Kennenlernen von Instrumenten zu ermöglichen. Kinder sollen die Möglichkeiten ausloten und der schulische Kontext soll motivieren die faszinierende Welt der Musik zu erleben.
Der schon zitierte Robert Schumann drückte es – seiner Epoche gemäß – romantisch aus, als er sagte: „ In jedem Kinde liegt eine wunderbare Tiefe.“
Für uns bedeutet das den Auftrag, die Schätze der Talente aus der Tiefe zu holen und fruchtbar zu machen.
Der laufende Ausbau der schulischen Tagesbetreuung liefert dazu eine gute Basis.
Der Bund investiert jährlich 80 Millionen Euro für die Aufstockung der Betreuungsplätze.
Ergänzend dazu haben wir einen Lehrgang an den Pädagogischen Hochschulen entwickelt, das eine berufsbegleitende Ausbildung zum „akademischen Freizeitpädagogen“ ermöglicht.
Wir wollen erreichen, dass die Betreuung an den Schulen professionell begleitet wird, um den Schülerinnen und Schülern ein umfassendes, vielfältiges Programm der Freizeitgestaltung zu bieten.
Musikschullehrerinnen und Lehrer können bei dieser Ausbildung auf ihr Vorwissen aufbauen und bekommen diese angerechnet.
Zusätzlich sind Schulen aufgerufen, Kooperationen mit Kultureinrichtungen, wie zum Beispiel mit Musikschulen, Orchester und Konzertveranstalter zu suchen, um den jungen Menschen eine direkte Auseinandersetzung mit den verschiedenen Formen der Kunst zu ermöglichen.
Diese Angebote ergänzen und bereichern den Musikunterricht an der Schule und bilden wichtige Schnittstellen zwischen schulischer und außerschulischer Arbeit.
Unsere Wertschätzung, meine sehr geehrten Musikerinnen und Musiker, hört nicht beim Ihrem wohlverdienten Applaus nach einem Konzert auf.
Wir sind Partner für Ihre Anliegen und unterstützen diesen wichtigen Bereich unseres Kulturlebens.
Ich bedanke mich bei Ihnen Allen, den österreichischen Orchestern, den Musikerinnen und Musiker, den Musiklehrerinnen und Lehrern und den Konzertveranstaltern für Ihre wertvolle Arbeit und die Freude, die Sie uns schenken.
Geändert am 22.11.2011