Wien, BMUKK, Audienzsaal, 26.04.2010
(es gilt das gesprochene Wort!)
Sehr geehrte Damen und Herren!
Sehr geehrter Herr Pahor !
Europas Geschichte ist nicht nur eine Geschichte des unaufhaltsamen wirtschaftlichen Erfolgs.
Aus guten Gründen wird das letzte Jahrhundert daher auch als das Zeitalter der Extreme von Historikern bezeichnet.
In ihm trafen Hoffnungen und Wahn gleichermaßen das Leben der Menschen.
Sie zerstörten Existenzen aber bereicherten diese auch.
In der Biographie von Boris Pahor finden sich diese Elemente des individuellen und des kollektiven Leids in erschreckender Weise wieder. Darum sind Ihre Berichte, sehr geehrter Herr Pahor, Ihr Augenzeugnis, über diese Zeit so wichtig: Sie sind aber mehr als nur literarische Dokumente über eine Ära.
Sie sind menschliche Zeugnisse des Vergangenen und eindrucksvolle Warnung für die Zukunft.
Boris Pahor hat sein Leben bisher immer in der Auseinandersetzung zwischen staatlicher Dominanz und persönlicher Subversion gelebt.
Seine Biographie ist der Versuch einer Selbstbestimmung inmitten einer Welt von Fremdbestimmungen der unterschiedlichsten Art und Weise.
Sie ist aber auch ein Kampf um das nackte Überleben.
In diesen langen Momenten war das Wort Selbstbestimmung ein vergessenswerter Luxus.
Es ging nur mehr um Selbstbehauptung als Mittel zum Überleben.
Ihr literarisches Werk ist ein historisches, ein persönliches und ein ergreifendes Dokument einer Unzeit, die durchaus wiederkommen kann.
Das zeigen Wahlresultate bis in die jüngste Gegenwart hinein. Europa hatte aber immer auch Alternativen.
Boris Pahor ist ein sprachmächtiger Vertreter dafür. Vor allem soll uns Ihr Werk auch an das Existenzrecht aller Sprachen erinnern.
Es freut mich ganz besonders, dass Boris Pahor heute mit dem Österreichischen Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst ausgezeichnet wird.
Geändert am 27.04.2010