Wien, Praterateliers, 10.06.2010
(es gilt das gesprochene Wort!)
Herzlich Willkommen zum Sommerfest in den Praterateliers!
Fotocredit: bmukk/APA-OTS/Thomas Preiss
Liebe Gäste,
wir feiern heute einen historischen Schritt in der Geschichte der Praterateliers, dieser verwunschenen Insel der österreichischen Kunst.
Seit Mai dieses Jahres sind die Praterateliers wieder bei „DER KUNST“.
Ich bedanke mich herzlich bei der BIG für den Vertragsabschluss, für die Übertragung der Nutzungsrechte an mein Ministerium.
In Zukunft wird wieder die Kunst an diesem Ort „herrschen“ – so wie es die noch aus der k.u.k.-Zeit stammende Inschrift „DER KUNST“ über der Treppe des Südgebäudes postuliert.
Sehr geehrte Damen und Herren! Wir befinden uns an einem historischen Ort, der eine wechselvolle Geschichte erlebt hat - und mit der Kraft der Kunst überlebt hat.
Die beiden Bauten, einer davon noch im satten „Kaisergelb“ gehalten, sind die letzten noch erhaltenen Bauwerke der Wiener Weltausstellung aus dem Jahr 1873.
Die New York Times hat am 28. April 1872 – also bereits ein Jahr vor der Weltausstellung – begeistert über die Pläne für das Prater-Gelände geschrieben, ich zitiere:
„Das Areal wird als Ziergarten angelegt und mit Statuen und Brunnen verschönert.
In den durch
überdachte Wege verbundenen Pavillons werden Werke von „Amateurkünstlern“ und Bilder aus Privatgalerien gezeigt. Man
kann vermuten, dass sich darunter viele „Juwelen und Edelsteine“ befinden werden, die nur für diese Ausstellung aus
ihren Verstecken hervorgeholt werden.“
Als „offene“ Pavillons für die Weltausstellung errichtet, wurden die Gebäude – damals „ateliers des amateurs“ genannt – nach der Weltausstellung von Kaiser Franz Joseph I. „den Künsten“ gewidmet.
Ein „Kunstgriff“, wie sich zeigen sollte.
Bald zog die „Creme de la Creme“ der Kunst in die Pavillons ein und seither wirken hier die bedeutendsten Bildhauerinnen und Bildhauer, Künstlerinnen und Künstler Österreichs.
Wir können heute mit Stolz behaupten: Die Praterateliers sind seit über 135 Jahren ein künstlerischer Angelpunkt in der wechselvollen Geschichte Österreichs.
Monarchie, Zerfall der Monarchie, Kriegsjahre, Faschismus und wieder Krieg bis hin zur zweiten Republik haben die
Praterateliers als Spiegel der jeweils herrschenden Gesellschaft zu einem Blickpunkt der österreichischen Kunst
gemacht.
Die Bezeichnung „Staatsateliers" war dabei nur teilweise zutreffend, standen doch die Werke
der Kunstschaffenden oft uneinig zeitgeistig oder in Opposition zu den politischen Strömungen.
Aber der Ort, an dem Künstlerinnen und Künstler wie Anton Hanak, Tina Blau, Rudolf Hoflehner, Bruno Gironcoli oder Alfred Hrdlicka kreativ gewirkt haben, hat immer die Inspiration für erstklassisches Kunstschaffen geboten. Es ist eben ein besonderer Platz.
Auch heute lesen sich die Namen der Prateratelier-Künstlerinnen und -Künstler wie ein „Who-is-Who“ der österreichischen Kunst:
Sie, sehr geehrte Prateratelier-Künstlerinnen und Künstler, haben diesen wunderbaren Ort in der Krieau – eingebettet zwischen Sport und Unterhaltung sowie Wirtschafts- und Messegeschehen – zu einer „Insel der Kunst“ im Herzen von Wien gemacht.
Wir wollen ihn weiter beleben, diesen besonderen Platz der Kunst im Sinne der Kunst.
Schon im Herbst werden nach unbedingt notwendigen Instandsetzungsarbeiten Künstlerinnen und Künstler in die drei freien Ateliers des besser erhaltenen Nordgebäudes einziehen.
Aufgrund der Beschaffenheit der Räumlichkeiten sind dabei ein Atelier für Bildhauerei und größere Objektkunst, die anderen beiden Ateliers für Malerei und Objektkunst vorgehen. Befristet auf 7 Jahre sollen diese vorrangig an österreichische Künstlerinnen und Künstler vermietet werden. Dabei wird auch auf den Anteil der Künstlerinnen in den Praterateliers Bedacht genommen werden. Eine Jury wird die Auswahl vorbereiten.
Im Frühjahr 2011 wird dann mit den notwendigen Sanierungsarbeiten im Südgebäude begonnen.
Aufgrund der aufsteigenden Mauerfeuchte sind hier Baumaßnahmen zur Trockenlegung bzw. Sperre der Bodenfeuchte und die Sanierung des Stiegenaufgangs notwendig. Diese Arbeiten sollen im ersten Halbjahr abgeschlossen werden, um weitere Ateliers im Herbst 2011 zu vermieten.
Ulrike Truger hat einmal gesagt: „Alles rundherum wird reglementiert, aber hier im Prater bleibt es ein schöpferisches Gebiet. Eine Insel des Freiraums.“
Ja, liebe Ulrike, sehr geehrte Künstlerinnen und Künstler, so ist es und so soll es bleiben - belebt um Künstlerinnen und Künstler, die die derzeit leerstehenden Ateliers nach und nach beziehen werden. „Für die Künste“, wie es schon Kaiser Franz Joseph I. gesagt hat.
Meine sehr geehrten Damen und Herren!
Ich darf Sie jetzt im Namen der Künstlerinnen und Künstler der Praterateliers zu einem Atelierrundgang einladen.
Einen Stunde lang haben die Prateratelier-Künstlerinnen und Künstler ihre Ateliers für Sie geöffnet.
Daran anschließend freue ich mich auf einen angenehmen und inspirierenden Abend mit Ihnen – von der Gruppe Celia Mara musikalisch umrahmt – an diesem, unseren Ort „DER KUNST“.
Genießen Sie diesen Abend der Kunst in den Praterateliers!
Fotocredit: bmukk/APA-OTS/Thomas Preiss
Fotocredit: bmukk/APA-OTS/Thomas Preiss
Fotocredit: bmukk/APA-OTS/Thomas Preiss
Fotocredit: bmukk/APA-OTS/Thomas Preiss
Fotocredit: bmukk/APA-OTS/Thomas Preiss
Fotocredit: bmukk/APA-OTS/Thomas Preiss
Geändert am 14.06.2010