17. Februar 2009, Audienzsaal, Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur, Wien
Sehr geehrter Herr Kammersänger!
Sehr geehrte Damen und Herren!
Verehrter Herr
Mag. Rahimi!
Johann Wolfgang von Goethe hat in seinem West-östlichen Divan geschrieben:
Wer sich selbst und andere kennt,
Wird auch hier erkennen:
Orient und Okzident
Sind nicht mehr zu trennen
Angelehnt an dieses Zitat ist es mir eine besondere Freude, Sie, meine sehr geehrten Damen und Herren, heute hier in dieser bunten kulturellen Runde zu begrüßen.
Als Menschen mit den unterschiedlichsten biographischen Erfahrungen und kulturellen Hintergründen repräsentieren „Wir“ das neue Österreich.
Gerade diese kleine Feier dokumentiert die Möglichkeiten, die innerhalb unserer Gesellschaft existieren.
Es zeigt sich, dass sich im Herzen Wiens Gesellschaften nicht parallel voneinander entwickeln, sondern in Vielfalt als Einheit wachsen.
Die offene Gesellschaft, die wir als Demokraten wollen, lebt in all jenen, die sich ihr gegenüber offen zeigen. Diese Gesellschaft ist nicht vorgegeben, sondern muss und wird als gemeinsames Haus der Kulturen von uns tagtäglich neu gebaut.
Dazu gehören freilich der Geist der Gemeinschaft und die Bereitschaft von allen Seiten, sich auf das Abenteuer der Kulturen einzulassen. Niemand von uns ist verpflichtet seine kulturelle Identität aufzugeben oder auf das zu verzichten, was ihn ausmacht.
Unsere Feier gilt heute nicht dem Baumeister für unser Haus der Kulturen. Aber sie gilt einem großen Inneneinrichter – im direkten und indirekten Sinn.
Dieser Inneneinrichter hat unser Land seit über 40 Jahren um tausende Stücke gewebter Kultur bereichert. Zahllose Palais und Wohnungen sind ohne Ihre Boden- und Wand-Kunstwerke nicht vorstellbar. Wien und Österreich sind durch Ihre Importe lebendiger geworden.
Aber auch das kulturelle und gesellschaftliche Leben ist durch Sie, Herr Mag. Rahimi, bunter und vielfältiger geworden. Sie haben mit Ihren grenzüberschreitenden Kulturvermittlungs-Projekten wichtige Impulse der Toleranz und des interkulturellen Verständnisses gesetzt. Ihre ehemalige Arbeit als Lehrer hat sicherlich – und das sage ich als Bildungsministerin – einen prägenden Einfluss auf Ihre interkulturelle Vermittlungs- und Bildungsarbeit.
Der Händler war in früheren Zeiten mehr als nur ein Geschäftsmann. Die Phönizier trugen die antike Kultur nach ganz Europa. Marco Polo brachte die chinesische Welt nach Europa. Sie, Herr Mag. Rahimi, haben diese Tradition in Ihrem gesamten Schaffen gelebt. Sie haben Brücken gewebt und Kulturen verknüpft.
Geändert am 17.02.2009