Rede von Frau Bundesministerin Dr. Claudia Schmied bei der Eröffnung der Ausstellung „Gerhard Richter.
Retrospektive“
29. Jänner 2009, Albertina, Wien
(Es gilt das gesprochene Wort!)
Sehr geehrter Herr Gerhard Richter,
sehr geehrter Herr Direktor Schröder,
meine
Damen und Herren,
so in etwa alle zehn Jahre dürfen wir Sie, lieber Herr Gerhard Richter in Wien begrüßen. 1985 wurde Ihnen hier der Oskar Kokoschka-Preis verliehen, 1998 haben Sie in der Wiener Secession ausgestellt und heute eröffnen wir gemeinsam eine Retrospektive in der Albertina.
Das ist ein guter Schnitt, wenn wir in Betracht ziehen, in wie vielen Museen dieser Welt, von San Francisco bis Talinn, von London bis Taschkent, von Venedig bis Tokio zwischenzeitlich Werke von Ihnen ausgestellt wurden.
Gerhard Richter hat in den mehr als fünfzig Jahren seines Arbeitens ein enormes Oeuvre geschaffen, das immer neue Ansätze sucht und unterschiedliche Formen und Materialien verwendet.
Gerhard Richter ist immer anders und doch stets erkennbar.
Seine Annäherung an die Wirklichkeit differiert - wie seine Berufung an sich - von jener der Politik. Und so haben wir da und dort auch schon Richtersche Schelte für Politikerinnen und Politiker gelesen, vor allem für jene, die sich als „kunstinteressiert“ verstünden.
Ja so ist es: Wir PolitikerInnen müssen - nach unserem Selbstverständnis - in intensiver Kleinarbeit versuchen,
die Wirklichkeit zu erfassen und zu gestalten und hoffen dabei, die Umstände und Rahmenbedingungen für möglichst viele
Menschen zu verbessern.
Die Falle, die darin besteht, dass wir die Staatsbürger entmündigen und so also
auch die Künstler und Künstlerinnen, indem wir versuchen, ihr Leben - wie Paul Watzlawick das ausdrückt - „von der
Wiege bis zur Bahre sicher und glückstriefend zu gestalten,“ haben die meisten unter uns Politikern aber längst
durchschaut und tappen also nicht mehr oder nur mehr selten in sie hinein.
Gerhard Richter spricht bei seiner Formgebung von unbewussten Prozessen, die er auch nicht erklären mag, er sagt „erklären kann,“ weil er nicht plane, weil er „bewusstlos“ arbeite.
Sehr geehrter Herr Richter, wir folgen ihnen gerne auf diesem Weg der selbstständigen Aneignung und Interpretation dessen, was sie in Form gebracht haben.
Sie haben in einem Interview gesagt, dass ihre Werke von der Mechanik lebten, dass wir, wenn wir etwas wollen, es auch erkennen und benennen können.
So werden wir an diese, Ihre Ausstellung als Suchende und als Entdecker herangehen.
Wenn schon das Albertinum in Dresden, wo es mehrere Räume mit Kunstwerken von Gerhard Richter als feste Einrichtung gibt, derzeit noch umgebaut wird, ist es besonders erfreulich, dass die Albertina in Wien diese Möglichkeit für eine Entdeckungsreise bietet.
Ich freue mich auf die Retrospektive 2009 der Werke von Gerhard Richter.
Geändert am 30.01.2009