Salzburg, Felsenreitschule, 27. Juli 2011

Rede von Frau Bundesministerin Dr. Claudia Schmied zur Eröffnung der 91. Salzburger Festspiele am 27. Juli 2011

(Es gilt das gesprochene Wort!)

Sehr geehrter Herr Bundespräsident!
Sehr geehrte Frau Nationalratspräsidentin!
Sehr geehrter Herr Bundeskanzler!
Sehr geehrte Frau Landeshauptfrau!
Sehr geehrte Frau Festspielpräsidentin!
Sehr geehrte Damen und Herren!

Sprechen wir über das Verhältnis von „Politik“ zu „Kunst und Kultur“. Sprechen wir über das Verhältnis von „Politikern“ zu „Kunstschaffenden“.

Ich gehe zurück in die Geschichte.

Im Abendland hat sich - von seinen griechischen Anfängen an - die Haltung gebildet und verfestigt: „Kunst ist aufrührerisch“.

Ausgehend von Platon, in dessen „gerechtem Staat“ kein Platz für Kritik vorhanden war, wurden Künstler Jahrhunderte hindurch mehr als Unruhestifter im Gemeinwesen, denn als konstruktive Kritiker wahrgenommen.

Je geschlossener die Gesellschaft war, sei es durch das Diktat von Machthabern oder durch die Dominanz von nicht hinterfragten Ideologien, desto mehr wurde versucht, den kritischen Einfluss von Künstlern und Künstlerinnen auf die Gesellschaft zu unterbinden.

Es gab und gibt dazu zwei Methoden, die wir kennen:
1.) Kunst wird bekämpft und zensuriert oder
2.) Kunst wird ignoriert.

Eine der großen Errungenschaften der aufgeklärten Politik, wesentlich des 20. Jahrhunderts, ist es, dass künstlerisches Schaffen und intellektuelle Kritik nicht als Störung betrachtet werden, sondern als Chance für Erkenntnis und Kurskorrektur und damit als Motor der gesellschaftlichen Entwicklung.
Kulturpolitik, die sich so definiert, und ich bekenne mich zu diesem Politikverständnis, sieht ihre Aufgabe darin, Rahmenbedingungen für das künstlerische Schaffen zur Verfügung zu stellen.

Kulturpolitik gibt keine Inhalte vor, reguliert Kunst nicht, sie ordnet nicht an, sondern sie schafft den Rahmen, in dem sich Kunst entwickeln kann.

Österreich kann für sich in Anspruch nehmen, unter den aufgeklärten Staaten des westlichen Europas eine Vorreiterrolle eingenommen zu haben.

Das Bekenntnis zur Freiheit der Kunst wurde 1982 in der österreichischen Verfassung, Artikel 17a Staatsgrundgesetz, verankert.

Meine sehr geehrten Damen und Herren!

Bruno Kreisky hat in seinen Bestrebungen, die Gesellschaft zu modernisieren, schon in den frühen 1970er Jahren Künstlerinnen und Künstler eingeladen, ein Stück des Weges mit ihm zu gehen. Den Kunstschaffenden galt seine besondere Aufmerksamkeit.

Diese Zuwendung ging und geht davon aus, dass Kunst sich entfalten können muss, damit sie uns mit ihrem Blick auf die Gesellschaft eine Chance zur Erkenntnis geben kann.

Neben der Wahrung der Freiheit der Kunst und ihrer Unterstützung, vor allem auch in finanzieller Hinsicht, gilt es heute, eine breite kritische Öffentlichkeit als Rezipienten der Kunst zu gewinnen.

Denn: Erst über die gesellschaftliche Wahrnehmung kann Kunst ihre volle gesellschaftliche Wirkung entfalten.

Meine sehr geehrten Damen und Herren!

„Förderung von Kunst“ und „Förderung einer kritischen Öffentlichkeit“ gehören zusammen – hier verbindet sich Kulturpolitik mit Bildungspolitik.

Demokratische Gesellschaften brauchen die emotionale Reife der Bürgerinnen und Bürger.

Bildung, Kunst und Kultur unterstützen uns auf unserem Weg zur Bildung unserer Persönlichkeit, zur Bildung unserer persönlichen Identität.

Bildung, Kunst und Kultur fordern uns in unserem Mensch-Sein. Sie verlangen unsere Stellungnahme. Sie formen unsere Prinzipien und Haltungen.

„Das Ohr aufwecken, die Augen, das menschliche Denken“, das Motto der Salzburger Festspiele unterstreicht diese Rolle der Kunst.

Gemeinsam mit den Kultureinrichtungen, den Kulturinitiativen und Kunstschaffenden haben wir, hat die österreichische Bundesregierung, große Anstrengungen unternommen, vor allem junge Menschen für die Kunst zu begeistern.

Hier finden wir uns von den Salzburger Festspielen auf das Beste unterstützt.

Produktionen zeitgenössischer Künstler und Künstlerinnen sind mittlerweile selbstverständlicher Bestandteil des Festspielprogrammes. Das ist wichtig, denn wie der amerikanische Künstler Jeff Koons so treffend formulierte: „Art is information in advance“.

Meine Damen und Herren, es ist unsere gemeinsame Verpflichtung, der Kunst ihre Freiheit zu garantieren, sie zu fördern und wertzuschätzen, ohne sie zu vereinnahmen.

Verhelfen wir gemeinsam dem Neuen zum Durchbruch – in der Bildung und in der Kunst! Mit der Bildung und durch die Kunst!

In diesem Sinn freue mich auf intensive Salzburger Festspiele 2011.

Ich wünsche den Salzburger Festspielen, Präsidentin Helga Rabl-Stadler, Markus Hinterhäuser, Thomas Oberender und allen Künstlerinnen und Künstlern viel Erfolg.

Geändert am 01.08.2011

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