Wien, Sammlung Verbund, 25. Jänner 2012
(es gilt das gesprochene Wort!)
Rede wird in Englische übersetzt
Dear Cindy Sherman!
Dear Helene Winer!
Sehr geehrter Herr Generaldirektor
Wolfgang Anzengruber!
Liebe Gabriele Schor!
Meine sehr geehrten Damen und Herren!
Sehr geehrte Frau Sherman, es freut mich ganz besonders, dass eine der bedeutendsten Künstlerinnen unserer Zeit bei uns hier in Wien zu Besuch ist.
Den frühen Arbeiten von Ihnen, Ms Sherman, begegnete ich zum ersten Mal in einer Ausstellung der Sammlung Verbund in Rom.
Die Ausstellung zeigte über 200 Werke von 17 Künstlerinnen, die alle in den 1970er Jahren entstanden sind und das Bild der Frau in der Kunst neu definierten.
Besonders beeindruckend war für mich Doll Clothes. Ein Film von Ihnen Ms Sherman, den wir auch hier sehen können.
In diesem Film von 1975 versucht die Künstlerin sich in Gestalt einer Papierpuppe mit Hilfe verschiedener Verkleidungen aus einem engen gesellschaftlichen Korsett zu befreien.
Es zeigt das Bemühen einer Frau, Selbstbestimmung und Individualität zu erlangen - aber auch ihr Scheitern daran.
Denn in der Schlussszene greift eine große menschliche Hand aus dem Off nach der Papierpuppe und steckt sie zurück in eine Plastikhülle als Symbol der Anonymität.
Ihre Kunst entspringt einer Zeit, die von gesellschaftlichen Umbrüchen gekennzeichnet war, wie beispielsweise die 68er-Studentenbewegung.
Zu Beginn der 1970er Jahre verstärkt sich die Präsenz der Frauen in der Kunstwelt.
Cindy Shermans Werk stellt eine spannende Auseinandersetzung mit weiblichen Rollenbildern und den Ansprüchen und Erwartungen der Gesellschaft an die Frau dar.
Ihr Werk konfrontiert uns mit Verwandlungen, mit dem Prozess des Alterns des Menschen, seiner Verletzlichkeit und seiner Endlichkeit.
Allein in ihrem Studio, mit Hilfe des Selbstauslösers, schaffen Sie Ihre Fotografien, die uns immer wieder begeistern und irritieren.
Gemäß Ihrem Motto: „I had this desire to transform myself. I would just play around and turn into a character.“
Gerade in diesen Tagen erfährt Ihr Werk, Ms Cindy Sherman, große Aufmerksamkeit.
Es ist ein schöner Zufall, dass in nur wenigen Wochen gleich zwei Ausstellungen eröffnet werden.
Hier in Wien wird erstmals der Blick auf das nahezu unbekannte Frühwerk von Cindy Sherman ermöglicht, ergänzt durch den außergewöhnlichen Catalogue Raisonné von Gabriele Schor.
Und schon kommenden Montag werden Sie mit Ihren Vorbereitungen zur großen Retrospektive im Museum of Modern Art in New York beginnen, die im Februar eröffnet wird.
Diese Schau wird wohl das Highlight des Museumsjahres 2012 in New York werden.
Umso mehr freuen wir uns, dass ein wichtiger Teil ihrer Werke der Sammlung Verbund gehört und mit der Veröffentlichung des Catalogue Raisonné zur Verbreitung Ihres Frühwerks beigetragen wird.
Wie schon beim Werk von Birgit Jürgenssen zeigt die Sammlung Verbund heute einmal mehr, dass sie ihrem Anspruch, Forschungstätigkeit zu leisten, konsequent folgt.
Ich möchte mich bei Ihnen, Herr Generaldirektor Anzengruber, dafür bedanken, dass der VERBUND in nur wenigen Jahren eine hochkarätige Sammlung für zeitgenössische Kunst aufbauen konnte, die in Österreich und längst auch internationale große Anerkennung genießt.
Liebe Frau Schor, Ihnen herzlichen Dank, dass Sie uns mit der Ausstellung und der damit verbundenen Publikation einen weiteren Einblick in die Arbeiten der Künstlerin Cindy Sherman ermöglichen.
Ich möchte Frau Sherman sehr herzlich danken, dass Sie zu uns nach Wien gekommen ist und durch Ihre Anwesenheit diese Ausstellungseröffnung besonders auszeichnet.
Dear Miss Sherman, it´s wonderful to have you here in Vienna and we would love to see you again!
Geändert am 27.01.2012