(es gilt das gesprochene Wort)
Sehr geehrter Herr Kulturminister!
Sehr geehrte Sponsoren!
Meine Damen und
Herren!
Die österreichische Schriftstellerin Ingeborg Bachmann hat einmal zum Thema Kunst gesagt:
„Wenn sie eine neue Möglichkeit ergreift, gibt die Kunst uns die Möglichkeit zu erfahren, wo wir stehen oder wo wir stehen sollten, wie es mit uns bestellt ist und wie es mit uns bestellt sein sollte“.
Ich freue mich sehr, mit der Ausstellung „Wiener Aktionismus“ in Kooperation der National Art Gallery Sofia und „unseres“ MUMOK eine solche, neue Möglichkeit zu eröffen.
Diese Ausstellung wird einen anregenden Beitrag zum kulturellen Austausch zwischen Österreich und Bulgarien leisten, sie wird das Verständnis für die österreichischen Kunst- und Kulturgeschichte vertiefen und damit auch die Annäherung zwischen unseren beiden Ländern weiter verstärken.
Diese Ausstellung zeigt sehr deutlich, dass es ein Österreich jenseits der folkloristischen und touristischen Klischees gibt.
Es sind nicht nur die Lipizzaner, Mozart, Strauss, die Wiener Philharmoniker und viele traditionelle Kunsteinrichtungen, auf die wir stolz sind und die unsere österreichische Identität und deren Wahrnehmung im Ausland stark prägen.
Es gibt daneben eine bedeutende Tradition österreichischer Avantgarde, die den internationalen Stellenwert unseres Landes mitbestimmt.
Die Wiener Aktionisten sind solche Avantgardisten, die weltweit größte Aufmerksamkeit und Wertschätzung genießen und die ihrerseits auf eine geistesgeschichtliche Tradition seit der Moderne verweisen: Sigmund Freud, Ludwig Wittgenstein, Adolf Loos, Otto Wagner oder Arnold Schönberg sind einige „unserer“ bedeutendsten Vertreter.
In der Kunst sind es neben dem Ästhetizismus eines Gustav Klimt und dem Ornamentreichtum des Wiener Sezessionismus auch das Expressionistische und existentiell Abgründige von Egon Schiele, Richard Gerstl oder Oskar Kokoschka.
Das Analytische, Experimentelle und Gesellschaftskritische liegt unseren Künstlerinnen und Künstlern im Blut und war nach einer dunklen Periode des Stillstands nach 1945 wieder prägend für die österreichische Kunst- und Geistesgeschichte.
In den 50er- und 60er-Jahren waren es die Wiener Aktionisten, die den Kunstbegriff erweitert haben. Künstler wie Hermann Nitsch, Günter Brus und Otto Mühl haben in ihrer Auseinandersetzung mit der damaligen gesellschaftspolitischen Realität Mal- und Materialaktionen initiiert, um auf die „verkrusteten“ Strukturen der Nachkriegszeit hinzuweisen.
Kunst braucht das offene Klima, die Möglichkeit zur Provokation und zum Querdenken.
Oscar Wilde schrieb einmal: „Durch Ungehorsam entstand der Fortschritt, durch Ungehorsam und Aufsässigkeit."
Immer wieder war und ist es die Kraft der Kreativität, der Innovation und des Widerstands, die neue gesellschaftliche Phänomene hervorbringt und unsere Gesellschaft bereichert.
Preise und höchste internationale Auszeichnungen für „anders-denkende“ österreichische Künstlerinnen und Künstler - wie der Literatur-Nobelpreis für die Schriftstellerin Elfriede Jelinek oder der Oscar für den Film „Die Fälscher“ und die kürzlich verliehene Goldene Palme in Cannes für den Filmemacher Michael Haneke - zeigen, dass es eine große Tradition der kritischen Instanz gibt.
Diese gibt Impulse, Klischees zu hinterfragen, sie weiter zu entwickeln und Neues daraus zu schaffen.
Auch diese Ausstellung des Wiener Aktionismus soll und kann dieses innovativ- und kritikfreudige Bild Österreichs vermitteln.
In Sofia haben wir interessierte und kompetente Kooperationspartner gefunden. Ich danke der Sofia Art Gallery und dem MUMOK für ihre professionelle Umsetzung des Projekts, den Vertretern der österreichischen Botschaft für die Organisation dieses Besuchs und allen Sponsoren für Ihre Unterstützung.
Und Ihnen, sehr geehrter Herr Minister, danke ich für die Übernahme des Ehrenschutzes für die Ausstellung.
Ich freue mich auf weitere Projekte in Zusammenarbeit unserer beiden Länder und wünsche Ihnen allen einen angenehmen Abend.
Geändert am 15.06.2009