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Salzburg, Haus für Mozart, 25.07.2010, 16:00

Rede von Frau BM Dr. Claudia Schmied anlässlich der Verleihung des Österreichischen Staatspreises für Europäische Literatur an Per Olov Enquist

(Es gilt das gesprochene Wort!)

Sehr geehrter Herr Per Olov Enquist!
Sehr geehrte Frau Gunilla Thorgren!
Liebe Landeshauptfrau Gabi Burgstaller!
Liebe Frau Dr. Rabl Stadler!
Lieber Herr Paulus Hochgatterer!

Rede von Frau BM Dr. Claudia Schmied anlässlich der Verleihung des Österreichischen Staatspreises für Europäische Literatur an Per Olov Enquist
Fotocredit: Aleksandra Pawloff

Wenn ich mich hier im Haus für Mozart umsehe, so ist es ein wahrhaft illustrer Kreis von Künstlerinnen und Künstlern, von Kulturschaffenden und Politikern, der heute versammelt ist.

Das hängt sicherlich mit der Festspielstadt Salzburg und dem wunderbaren Rahmen, in dem diese Preisverleihung stattfindet, zusammen.

Es unterstreicht aber auch den besonderen Stellenwert des Staatspreises für Europäische Literatur, den die Republik Österreich alljährlich vergibt.

Und es zeigt uns vor allem, dass die Bücher von Per Olov Enquist auch in unserem Land geschätzt und bewundert werden.

Seit der Stiftung des Staatspreises für Europäische Literatur durch Bundeskanzler Josef Klaus im Jahre 1965 hat sich Europa verändert.

Neue Staaten sind entstanden, neue Grenzen wurden gezogen, viele Grenzen wurden aber auch geöffnet und durchlässig gemacht. Mit dem Fall des Eisernen Vorhangs und vor allem durch die intensive Zusammenarbeit der europäischen Staaten in der Europäischen Union ist unser Kontinent stabiler, offener und vielfältiger geworden.

Die Republik Österreich zeichnet außergewöhnliche Schriftstellerinnen und Schriftsteller mit dem Staatspreis aus, die einen wesentlichen Beitrag zur Literatur unseres Kontinents geleistet haben.

Literatur, die auf höchstem Niveau Fragen aufwirft und zeigt, welche Problematik, welches Risiko, aber auch welche Verantwortung und Chance es bedeutet, Europäer zu sein, wird gewürdigt.

In der Literatur können wir unseren Wirklichkeitssinn schärfen und unseren Möglichkeitssinn erproben, in der Literatur können wir unser Leben und unsere Geschichte immer wieder aufs Neue betrachten und befragen.

In vielen Fällen bietet uns die Begegnung und Auseinandersetzung mit Literatur die lebendige Erinnerung unserer Vergangenheit, die Erfahrung unserer Gegenwart und da und dort einen Blick auf unsere Zukunft.

Manchmal macht sie uns auch deutlich, was es bedeutet, Engländer, Franzose, Schwede oder Österreicher zu sein. Oder macht uns begreifbar, was es heißt, im Europa des beginnenden 21. Jahrhunderts zu leben.

Sehr geehrter Herr Enquist, Genauigkeit und Meisterschaft zeichnen Ihr vielfältiges und reiches literarisches Oeuvre aus, das wie von leichter Hand geschrieben wirkt und den Leser auf einzigartige Weise in jene Geschichten involviert, die Sie als Grenzgänger zwischen Fiktion, Reportage, Essay und Autobiografie wie kein anderer zu erzählen wissen.

Sie haben dem sogenannten Dokumentarroman, dem historischen Roman, dem politischen Roman und mit dem Erinnerungsbuch „Das andere Leben“ der Autobiografie zu neuem Glanz verholfen und mit Ihren Büchern weltweit ein breites Lesepublikum begeistert.

Ich freue mich daher sehr, dass die von mir eingesetzte Jury, bestehend aus Autoren und Literaturkritikern, Sie für den Österreichischen Staatspreis für Europäische Literatur nominiert hat, und es ist eine große Ehre für mich, Ihnen, dem großen europäischen Geschichtenerzähler, diesen Preis nach der Laudatio von Paulus Hochgatterer überreichen zu dürfen.

Aber zuerst hören wir Wolfgang Amadeus Mozart, gespielt von den Wiener Philharmonikern, denen ich sehr herzlich dafür danke, dass sie auch heuer wieder unsere Feier musikalisch begleiten.

Rede von Frau BM Dr. Claudia Schmied anlässlich der Verleihung des Österreichischen Staatspreises für Europäische Literatur an Per Olov Enquist
Fotocredit: Aleksandra Pawloff

Rede von Frau BM Dr. Claudia Schmied anlässlich der Verleihung des Österreichischen Staatspreises für Europäische Literatur an Per Olov Enquist
Fotocredit: Aleksandra Pawloff

Geändert am 02.08.2010

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