(Es gilt das gesprochene Wort!)
Sehr geehrte Damen und Herren!
Sehr geehrte Frau Stojka!
„Das was wir suchen ist schwer zu finden. Die Angst müssen wir nicht suchen. Sie ist da.“, lautet der Anfang eines Ihrer Gedichte. Mit diesen paar Worten, sehr geehrte Frau Stojka, umreissen Sie Ihre Lebensgeschichte und die Erfahrungen, Erinnerungen und Gegenwart von Roma und Sinti in Europa.
Vor 21 Jahren rüttelte uns Ihr Buch „Wir leben im Verborgenen“ auf. Es dokumentierte durch die Geschichte Ihrer Familie eine bis dahin an den Rand der Wahrnehmung geschobene Tatsache der Verfolgung und Vernichtung von Roma und Sinti in den Konzentrationslagern des Dritten Reichs.
Dass die an Ihnen begangenen Verbrechen sie nicht nur zornig und enttäuscht zurückgelassen haben, zeigen Sie uns seit vielen Jahren als Vermittlerin, als Zeitzeugin für junge Menschen in den Schulen, als Mahnerin gegen Intoleranz und Krieg.
Sie suchen den Dialog mit Ihren Mitmenschen, ob über die künstlerischen Arbeiten, ob über das Gespräch oder als Stimme für ein friedliches Zusammenleben in unserer Gesellschaft. Dabei verlieren Sie nie Ihr Ziel aus den Augen - der Wiedererlangung der in den Konzentrationslagern verloren gegangenen Identität.
Frau Professor Stojka, - ich darf Sie bereits so ansprechen - Sie haben die Kraft, für die nachkommenden Generationen diese Identität wieder erstehen zu lassen.
Auf Ihrer Website finden sich neben ausgewählten Gedichten auch Fotos aus Ihrem Leben.
Eines davon hat mich besonders angesprochen - Sie sitzen an einem Tisch und sehen nachdenklich aus dem Fenster und der Bildtitel lautet "Es war ein guter Tag!"
Gute Tage müssen festgehalten werden und ich hoffe, dass die heutige Verleihung in diese Galerie Einlass findet.
Ich gratuliere Ihnen von ganzem Herzen zur Verleihung des Professorentitels!
FOTO:HBF/Pusch
Geändert am 20.10.2009