(Es gilt das gesprochene Wort!)
Sehr geehrte Damen und Herren,
Globalisierung, der rasante Wissenszuwachs und die Überfülle an Informationen, die durch die neuen Technologien verfügbar sind, werden das Bildungswesen nachhaltig verändern. Lebensbegleitendes Lernen, so lautet eine These der Delphi - Studie zur Zukunft der Bildung, wird deshalb zu einem Grundprinzip im zukünftigen Bildungswesen.
Eine ganzheitliche und vernetzte Ausrichtung von Allgemeinbildung, beruflicher Bildung, Weiterbildung und Arbeitswelt ist eine entscheidende Grundlage in einer Perspektive des Lebensbegleitenden Lernens.
Wir brauchen ein Bildungssystem mit transparenten und durchlässigen Übergängen. Kein einmal eingeschlagener Bildungs- oder Ausbildungsweg darf zu einer „Bildungssackgasse“ werden.
Wir brauchen ein Bildungssystem, das lebensbegleitend Begabungen und Talente fördert und Lernen mit positiven Emotionen, mit Freude verknüpft.
Denn: Spitzenleistungen brauchen eine breite Basis! Leistung und Freude sind kein Widerspruch!
Wir können und wollen uns nicht länger ein Bildungssystem leisten, das
Wir sind verpflichtet, ungleiche individuelle Ausgangsbedingungen in gleiche Chancen zu verwandeln – und das in jeder Lebensphase.
Es ist Zeit zu handeln! Was ist konkret zu tun?
Ich zähle einzelne Maßnahmen auf:
Meine Damen und Herren, wir müssen in die Neugestaltung von Lernen und in die Innovation unseres Bildungssystems investieren – Lebensbegleitendes Lernen muss ein hoher Wert in unserer Gesellschaft sein.
Die strategischen Überlegungen der Industriellenvereinigung gehen in diese Richtung. Auch die Sozialpartner fordern das sehr deutlich in ihrem Positionspapier „Chance Bildung“ und unterstützen mich bei meinen Reformen.
Insbesondere Schulen, aber auch alle anderen Bildungseinrichtungen, müssen zu attraktiven Orten für Innovation und Kreativität werden.
Investition in Bildung ist Investition in eine nachhaltige und innovative Weiterentwicklung Österreichs und Grundlage für eine konfliktfreie, gesellschaftliche Entwicklung.
Meine Damen und Herren,
Lebensbegleitendes Lernen hat in unserem Regierungsprogramm einen prominenten Stellenwert. Die konkreten Zielsetzungen lauten: „Forcierung des Lebenslangen Lernens (LLL)“ sowie „Ausarbeitung eines LLL-Strategiepapiers“.
Internationalen Rückenwind erhalten wir von der Europäischen Kommission, die Österreich unter jene Länder der Europäischen Union einreiht, die bei der Entwicklung ihrer nationalen LLL-Strategie bereits große Fortschritte verzeichnen.
Einer der wichtigsten Indikatoren für das Lebensbegleitende Lernen stimmt mich zuversichtlich, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Als EU-Ziel für 2010 wurde eine Weiterbildungsquote von 12,5% festgelegt. Österreich hat bereits eine Weiterbildungsquote von 13,1% erreicht. Auf dieser Grundlage können wir mit unseren nächsten Schritten aufbauen.
Mit den „Leitlinien einer kohärenten LLL-Strategie für Österreich bis 2010“, die von anerkannten Bildungsexpertinnen und –experten erarbeitet wurde, verfügen wir über einen soliden Rahmen für eine umsetzungsorientierte Gesamtstrategie.
Ich bedanke mich in diesem Kontext bei Vizerektorin Dr. Ada Pellert, bei Mag. Peter Schlögl und bei Mag. Thomas Mayr sowie allen anderen Expertinnen und Experten, dass sie ihre Kompetenz und Erfahrung in die Diskussionen einbringen.
Wir alle wissen – sehr geehrte Damen und Herren - dass Lebensbegleitendes Lernen die Gesamtheit der Lernprozesse in unserem Leben umfasst.
Lernen findet von der frühen Kindheit bis ins hohe Alter an unterschiedlichen Lernorten und in unterschiedlichen Organisationsformen statt und schließt dabei auch informelles und selbstgesteuertes Lernen mit ein.
Das Konzept des Lebensbegleitenden Lernens verbindet die bislang stark voneinander abgegrenzten Bildungsbereiche und integriert vorschulische Erziehung, schulische Bildung, berufliche Ausbildung, Hochschulbildung und Weiterbildung zu einem aufeinander aufbauenden, durchlässigen Gesamtsystem.
Es muss uns gelingen, in Kindergarten und Schule die Freude am Lernen zu wecken und vor allem auch wach zu halten. Es muss uns gelingen, die grundlegenden Kulturtechniken wie Lesen, Schreiben und Rechnen ausreichend zu vermitteln. Das ist die wichtigste Basis für Lebensbegleitendes Lernen.
Diskussionen über das Lebensbegleitende Lernen werden leider immer noch häufig über die Frage der Zuständigkeiten geführt. Die Bedürfnisse der Lernenden werden dabei zu wenig berücksichtigt. Deshalb ist es mir ein zentrales Anliegen, den Menschen in den Mittelpunkt meiner bildungspolitischen Überlegungen zu rücken.
Lernprozesse am Arbeitsplatz und in der Freizeit – das sogenannte informelle Lernen – müssen verstärkt beachtet werden.
Sehr geehrte Damen und Herren,
Konzepte gibt es viele. Jetzt sind Umsetzungsschritte gefordert.
Beschäftigungsfähigkeit ist ein wichtiges Ziel. Ebenso wichtig wie beschäftigungspolitische Aspekte sind mir persönliche Entfaltung, aktive gesellschaftliche und kulturelle Beteiligung und soziale Integration.
Wenn wir über Lebensbegleitendes Lernen reden, dann geht es auch um
Viele Maßnahmen, die zur Erreichung dieser Ziele beitragen, werden in meinem Ministerium bereits mit Elan vorbereitet.
Meine Damen und Herren,
Wir können die Potenziale des Bildungsbereiches nur dann nutzen, wenn alle involvierten Ministerien und wichtige Akteure wie die Länder und das AMS zusammenarbeiten.
Ich lade daher alle Akteure des Lebensbegleitenden Lernens dazu ein, an einer umsetzungsorientierten Strategie engagiert mitzuwirken.
Heute wurden Ihnen erste Überlegungen für diese umsetzungsorientierte Strategie in den Workshops vorgestellt. Mein Haus wird unter Einarbeitung Ihrer Feedbacks einen Strategieentwurf bis Jänner 2008 fertig stellen und Ihnen für weitere Entwicklungsschritte zur Verfügung stellen.
Unser gemeinsames Ziel muss es sein, die beruflichen, sozialen und kulturellen Chancen aller Menschen in Österreich zu verbessern.
Ich danke Ihnen – sehr geehrte Damen und Herren - dass Sie uns mit Ihrem Know-how unterstützen.
Geändert am 12.12.2007