(es gilt das gesprochene Wort)
© MUMOK / Rudolf Schmied
v.l.n.r.: Edelbert Köb/Direktor vom MUMOK, John
Ordway/Botschafter U.S.A., BM Dr. Claudia Schmied, Archim Hochdörfer/Kurator der Ausstellung
Sehr geehrter Herr Botschafter!
Sehr geehrter Herr Direktor!
Sehr geehrter Herr
Kurator!
Sehr geehrte Damen und Herren!
Wer im Gespräch mit einem Kunstliebhaber oder einer Kunstliebhaberin den Namen „Cy Twombly“ erwähnt, erntet leuchtende Augen. Und das mit gutem Grund: Cy Twombly gehört zu jenen herausragenden Künstlern unserer Zeit, die uns ein markantes, eigenständiges und über Jahrzehnte gültiges Werk geschenkt haben.
Er hat Generationen von kunstinteressierten Menschen begeistert, Generationen von jungen Malern beeinflusst – und tut das bis heute.
„Cy Tomblys Werk“, so schrieb eine Journalistin anlässlich der vorjährigen Retrospektive in der Tate Galery, „ist auch nach seinem 80. Geburtstag nicht abgehakt, sondern behält seine Anziehungskraft, die sich mit noch so vielen Worten kaum erklären lässt.“
Ich möchte mich daher kurz fassen und die in „unserem“ Museum der Modernen Kunst ausgestellten Werke für sich selbst sprechen lassen.
Cy Twombly ist ein Künstler, der seine Werke und nicht seine Worte sprechen lässt. Ihn umweht in der Öffentlichkeit der Hauch des Geheimnisvollen - er scheut öffentliche Auftritte und lässt sich ungern interviewen.
Mitunter taucht er, so sagt man, bei Eröffnungen seiner Ausstellungen im Publikum auf und versucht, unerkannt zu bleiben.
Sollte er heute hier sein, so rufe ich ihm zu: „Welcome to Austria, Mr. Twombly, we appreciate to see you work here in our Museum of Modern Art“.
Cy Twombly brauchte sich tatsächlich nie persönlich in den Vordergrund zu spielen. Seine Werke haben anfangs langsam, in den letzten dreißig Jahren mit großer Dynamik, die Kunstwelt überzeugt und beeinflusst.
Er selber erklärte einmal, dass es seine Herkunft aus Virginia war, die ihm verboten habe, die eigene Person allzu wichtig zu nehmen.
„Du solltest nicht zuviel über dich selber sprechen“, lautete die Erziehungsmaxime. Als Kultur- und Bildungsministerin greife ich diesen konstruktiven Impuls gerne auf. Erfolg und Anerkennung sollen aus der Qualität des Werks resultieren und nicht aus der Selbst-Vermarktung allein.
Auch in der Anwendung der Kreativität – vor allem seiner charakteristischen Verbindung von Schrift und Bild – können wir von Cy Twombly lernen.
„Wenn mich etwas anregt, wenn ich ein Bild oder etwas in der Natur sehe, das mich berührt, dann verfolge ich es weiter“, sagt er. Er arbeitet schnell, wenn der Gedanke einmal gefasst ist, aber er lässt sich Zeit für den Gedanken, für die Konstruktion.
Für den Betrachter bedeutet das die Verpflichtung, in aller Ruhe zu dechiffrieren, hinter die von allen Konventionen befreiten Bilder zu schauen. Der Künstler fordert mit seinen Bildern - und den in sie verwebten Textstellen - unsere Assoziationslust heraus. Und fördert damit scheinbar spielerisch unser kreatives Potential.
Ich freue mich sehr, die Retrospektive zu Skulpturen, Malereien, Zeichnungen, Grafiken und Fotografien eines der größten Künstler des 20. und beginnenden 21. Jahrhunderts erleben, in die Welt des Cy Twombly einzutauchen und seine Schaffenskraft bestaunen zu können.
Ich wünsche der Ausstellung viele interessierte Besucher und erkläre sie hiermit für eröffnet.
Geändert am 05.06.2009