Rede von Frau Bundesministerin Dr. Claudia Schmied anlässlich der Eröffnung der neuen Zwi Perez Chajes Schule am 17.09.2008

(Es gilt das gesprochene Wort)

Sehr geehrter Herr Bundespräsident,
sehr geehrter Herr Vizekanzler,
sehr geehrter Herr Minister,
sehr geehrte Frau Vizebürgermeisterin,
sehr geehrter Herr Präsident Dr. Muzicant,
sehr geehrter Herr Oberrabbiner,
meine Damen und Herren!

Was kann sich eine Unterrichtsministerin Schöneres wünschen, als gemeinsam mit Schülern, Eltern und Lehrern an der Eröffnung eines neuen, modernen, freundlichen Schulgebäudes teilzunehmen.

Ihre Schule ist eine besondere Schule. 1919 als jüdische Privatschule gegründet, wurde sie bereits nach weniger als 20 Jahren von den Nationalsozialisten geschlossen.

Der damalige Direktor, Dr. Viktor Kellner konnte den Schülerinnen und Schülern nur einen Trost für den Schrecken der folgenden Terror-Jahre mitgeben: "Ich weiß nicht, welche Zukunft ihr vor Euch habt. Aber eines kann ich Euch mit Sicherheit sagen: Man wird länger Schma Israel als Heil Hitler sagen."

Dieser Satz hat sich bereits nach sieben Jahren bewahrheitet, aber viele der Adressaten haben das nicht mehr miterlebt.

Wir dürfen die Geschichte der 1930er und 1940er Jahre niemals vergessen und wir müssen vor allem wachsam sein, wenn leichtfertig oder aber in böser Absicht politische Forderungen in unserem Land aufgestellt werden, die aus der Gedankenwelt des Rechtsextremismus stammen und geeignet sind, die Demokratie zu unterhöhlen.

Das sage ich an dieser besonderen Stelle und ich sage es mit besonderem Nachdruck.

Erst zu Beginn der 1980er Jahre wurde die Schule wieder eröffnet. Sie ist heute ein Symbol für den Reichtum der jüdischen Schulbildung, wie es ihn vor der Shoah in so großer Fülle gegeben hat.

Es ist eine Besonderheit des Judentums, dass Bildung und stetes Weiterlernen zu seinen höchsten Werten gehören. Dieses Credo hat dazu beigetragen, dass Juden in der Lage waren, das Leben auch unter schwierigsten Bedingungen zu meistern, dass so viele hochgebildete Menschen aus dem Judentum hervorgegangen sind.

Wer sich bildet, glaubt an eine lebenswerte Zukunft. Wer sich konsequent weiterbildet, schafft Chancen für eine bessere Zukunft, für sich selbst und für die Gesellschaft.

Als ich mir in Vorbereitung auf den heutigen Tag die Erziehungsgrundsätze der Zwi Perez Chajes Schule genauer angeschaut habe, habe ich mich gut verstanden gefühlt.

Diese Vorstellungen korrespondieren eng mit jenen, die ich als relevant für ein modernes, den heutigen Aufgaben angemessenes und den jungen Menschen verpflichtetes Bildungssystem erachte.

In den Bildungszielen der Schule ist verankert, dass Schülerinnen und Schüler ihrem Alter entsprechend, Wissbegierde und Neugier als Antriebskraft zum Lernen nützen sollen.

Das korrespondiert mit dem heutigen Erkenntnisstand, dass Schule so gestaltet sein muss, dass Kinder und Jugendliche gerne und mit Freude zum Unterricht kommen und dass ihnen dort alles angeboten wird, was sie brauchen, um kreative, soziale und gebildete Menschen zu werden.

In der Diktion der Bildungsziele der Zwi Perez Chajes Schule findet sich dazu auch der Passus, dass die Schüler in die Lage kommen sollen, vernetzt zu denken und mit allen Sinnen zu lernen.

So und nur so funktioniert eine ganzheitliche Bildung, die in einen das Leben begleitenden Entwicklungsprozess übergeht und die geeignet ist, geistige, kulturelle und lebenspraktische Fähigkeiten sowie personale und soziale Kompetenzen zu erwerben und zu erweitern.

Wer diese, Ihre Schule durchläuft, hat die Fähigkeit erworben, der Welt positiv kritisch gegenüber zu stehen, zu ihrer Entwicklung beizutragen und gegenüber allen Herausforderungen zu bestehen.

So, meine Damen und Herren, liebe Schülerinnen und Schüler sollte Schule überall in Österreich sein.

Ich denke, es ist ein zusätzlicher großer Vorteil der Zwi Perez Chajes Schule am neuen Standort, dass sie die Sportanlagen nützen kann, die der Hakoah endlich zurückgegeben wurden.

Denn auch der Sport und die Bewegung sind wichtige Elemente im Leben junger Menschen.

Liebe Schülerinnen und Schüler, die Zwi Perez Chajes Schule will mit Ihnen den Weg zu ehrlichen, kritischen, mündigen und selbstbewussten Menschen mit Zivilcourage gehen.

Solche Menschen braucht unser Land für eine friedliche Zukunft. Solche Menschen braucht unsere Gesellschaft, in der viel zu viele sich vom Kleinmut und vom Populismus der Fremdenfeindlichkeit anstecken lassen.

Sie werden in Ihrer Schulkarriere auch enge Kontakte zum Staat Israel knüpfen und damit eine Art von Botschafter für die Republik Österreich sein.

Tragen Sie dazu bei, dass die Beziehungen der beiden Länder von Vertrauen und Verständnis getragen werden.

Ich möchte meine Worte damit schließen, dass ich dem Staat Israel und der ganzen Region aus vollem Herzen Frieden wünsche. Damit Kinder und Jugendliche dort, wie Sie hier, ihre Jugend und ihre Ausbildung unter optimalen Bedingungen leben können.

Ich wünsche Ihnen Allen anlässlich der bevorstehenden Feiertage ein glückliches Neues Jahr (Rosh Hashanah zwischen 29.9.und 1.10.), den Schülern und Lehrern ein schönes Schuljahr, und ich sage aus vollem Herzen das Wort des Friedens: Shalom.

Geändert am 17.09.2008

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