Berufsorientierung meint in diesem Zusammenhang die begleitende Betreuung und/oder Beeinflussung
beim Finden und Wählen von Berufs- und Ausbildungswegen – dies kann sowohl schulische Maßnahmen umfassen als auch
Interventionen durch andere, für die Berufswahl zentrale, Instanzen.
Geschlechtssensible
Berufsorientierung zielt ähnlich wie geschlechtssensible Pädagogik auf eine Erweiterung der
Handlungsspielräume von Mädchen und Buben, hier in Hinblick auf das Berufswahlspektrum.
Geschlechtssensible BO ist sich der Auswirkungen geschlechtsspezifischer Sozialisation
gewahr und bietet Mädchen und Buben bewusst Informationen und Identifikationsmodelle auch abseits der traditionellen
Geschlechterrollen.
„Berufsorientierung bietet auch Gelegenheit, traditionelle
Einstellungen und Vorurteile im Hinblick auf Berufs- und Bildungswege zu überprüfen, und zielt darauf ab, den Raum
möglicher Berufs- und Bildungsentscheidungen, insbesondere für Schülerinnen und Schüler, zu erweitern.“ (aus
dem Lehrplan der Verbindlichen Übung für HS, siehe unten).’
Gender + Bildung: Glossar
Damit Lehrerinnen und Lehrer diese Gelegenheit wahrnehmen können, ist eine Reflexion ihrer eigenen Geschlechter- und Berufsrollenbilder notwendig.
Hier einige Tipps zur Umsetzung eines geschlechterreflektierten BO-Unterrichts:
Denn: „Sprache schafft Wirklichkeit“. Nennen Sie z.B. bei Berufen immer die weibliche und die männliche Form. KFZ-Technikerin und KFZ-Techniker, Krankenpflegerin und Krankenpfleger - So wird es für ihre Schülerinnen und Schüler denkmöglicher, sich mit nicht-traditionellen' Berufen auseinanderzusetzen.
Mädchen und Buben haben – aufgrund ihrer Sozialisation – unterschiedliche Zugänge zu Naturwissenschaft, Technik sowie zu geisteswissenschaftlichen Inhalten erworben. Daher macht es Sinn, den Unterricht streckenweise in Mädchen- und Bubengruppen zu teilen und damit qualitativ aufzuwerten.
Welche Berufe und Ausbildungsmöglichkeiten Kinder und Jugendliche in ihre Wünsche bzw. Wahl mit einbeziehen, orientiert sich stark an unmittelbaren Erfahrungen. Bieten Sie Ihren Schülerinnen und Schülern daher die Möglichkeit, ein möglichst breites Spektrum an unterschiedlichen Berufsbildern kennen zu lernen und zu erleben!
Laden Sie Frauen bzw. Männer, die in so genannten "nicht-traditionellen" Berufen erfolgreich tätig sind, in den Unterricht ein bzw. achten Sie bei Betriebserkundungen darauf, dass ihren Schülerinnen und Schülern positive – nicht-stereotype! – Identifikationsmöglichkeiten und AnsprechpartnerInnen geboten werden. Persönliche Kontakte mit im Berufsleben stehenden Personen können enorm wichtig für die Entscheidungsfindung von Jugendlichen sein ("Realbegegnungen"). Die Berufsbilder, die Jugendlichen präsentiert werden (z.B. über die Medien) vermitteln die Botschaft, dass es für Frauen und Männer unterschiedliche Berufswelten und Arbeitsfelder gibt. Die „Botschaften von außen“ – seien es nun konkrete Aussagen oder implizit prägende Bilder – wirken auf die Jugendlichen und beeinflussen ihre Berufsorientierung. Sie machen ihnen klar, dass ihr Weiblich- bzw. Männlichsein ein wesentlicher Punkt bei der Berufswahl ist, den sie neben ihren individuellen Fähigkeiten und Interessen mitbedenken müssen.
Dem kann gezielt entgegen gewirkt werden, indem die Identifikation und Auseinandersetzung mit nicht-stereotypen Vorbildern ermöglicht wird.
Dazu gehören z.B. Frauen in technischen/handwerklichen Berufen und in Führungspositionen, aber auch Männer, die im sozialen und pädagogischen Bereich tätig sind oder sich entschieden haben, in Karenz zu gehen.
Ermöglichen Sie Ihren Schülerinnen und Schülern bei Betriebserkundungen die Auseinandersetzung mit Role-models – nicht nur mit bereits erfolgreich im Beruf tätigen Frauen und Männern, sondern z.B. auch mit Lehrlingen. (Annähernd) Gleichaltrige haben eine wichtige Vorbildwirkung – die Hemmschwelle, selbst einen bestimmten Arbeitsbereich zu wählen, sinkt nachweislich, wenn Bekannte oder Freunde/Freundinnen vorhanden sind, die einen ähnlichen Weg eingeschlagen haben.
TIPP: auf www.femtech.at bzw. www.w-fforte.at finden sich z.B. Expertinnen und Expertendatenbanken und Publikationen, in denen in Wissenschaft und Forschung erfolgreiche Frauen vorgestellt werden. Weitere Tipps und Kontaktadressen von Role-models aus unterschiedlichen Bereichen finden Sie auf www.gender.schule.at/bo (Suchbegriff 'Role-model' eingeben!).
Familie und Verwandtschaft stellen über einen langen Zeitraum den wichtigsten Orientierungsrahmen für Kinder dar.
Mütter und Väter versorgen ihre Töchter und Söhne nicht nur mit Informationen zur Orientierung im Berufsfindungsprozess, sondern übernehmen auch eine wichtige (emotionale) Unterstützungs- und Beratungsfunktion, was die Begabungen und Interessen und die dazu „passenden“ Ausbildungs- bzw. Berufswege betrifft.
Sie haben bestimmte Vorstellungen und Wünsche in Bezug auf die Zukunft ihrer Kinder, kennen deren Fähigkeiten, Stärken und Schwächen und verfügen über eine eigene Einschätzung der Situation auf dem Ausbildungs- und Arbeitsmarkt.
Die Einbeziehung der Eltern in den (schulischen) Prozess der Berufsorientierung erscheint daher von großer Wichtigkeit.
Seit Frühjahr 2007 gibt es das Portal Gender + Bildung auf schule.at, dort ist auch der Themenbereich
‚Geschlechtssensible Berufsorientierung’ unter
www.gender.schule.at/bo online.
Informationen, Methoden, Materialien und
Links für den Einsatz im Berufsorientierungsunterricht oder im Beratungsprozess sind dort in folgenden Themenbereichen
gebündelt:
Viele der Methoden und Materialien können interessierte Lehrerinnen und Lehrer direkt in ihrem Unterricht einsetzen – und wer sich weiter in die Thematik vertiefen möchte, findet umfassende Hintergrundinformationen. Für Schülerinnen und Schüler und deren Eltern gibt es zahlreiche Links zur berufsbezogenen Recherche.
Die Mitarbeiterinnen des Portals erstellen darüber hinaus in regelmäßigen Abständen Wochenschwerpunkte zu bestimmten Themen aus dem Bereich Berufsorientierung – diese sind im Portal bzw. auf www.schule.at abrufbar.
Geändert am 01.12.2009