Die Firma an der Schule ist das Modell eines realen Unternehmens. Mit dessen Hilfe werden
betriebliche Abläufe für Lernprozesse transparent gemacht und die Komplexität eines realen Unternehmens für die
Schülerin und den Schüler vereinfacht.
Die schulische Übungsfirma ist an allen österreichischen
Handelsschulen und Handelsakademien sowie für die Höheren Land- und
forstwirtschaftlichen Lehranstalten im Lehrplan verpflichtend vorgeschrieben, in den anderen
berufsbildenden Schulen als Wahlpflichtgegenstand oder Freigegenstand für die kaufmännische Ausbildung empfohlen.
Übungsfirmen sind eine Trainingsstätte für unternehmerisches Denken und Handeln – die
Schüler/innen arbeiten ein ganzes Jahr lang wöchentlich 3 – 4 Stunden in der Übungsfirma. Sie wenden dabei das in
anderen Unterrichtsgegenständen Gelernte praktisch an und lernen dabei wie ein/e Unternehmer/in zu denken und zu
handeln. Übungsfirmen haben reale Partnerfirmen in der Wirtschaft. Ziel dieser engen Partnerschaft ist ein
Erfahrungsaustausch zur Simulation der betrieblichen Praxis. Zur Verbesserung der Fremdsprachkenntnisse und zur
Erweiterung des Horizonts (Cross Cultural Management – internationale Kontakte) werden auch fremdsprachige Übungs
firmen geführt.
Seit 2002 gibt es einen österreichweiten Wettbewerb zur externen
Zertifizierung „Qualitätsmarke Übungsfirma“ – ca. 30% Übungsfirmen aus allen Schultypen sind bereits
zertifiziert. Seit 2005 gibt es die ONR 42000 (ÖNORM Regel) für Übungsfirmen als weiteres
Evaluierungsinstrument der Übungsfirmen.
In Österreich gibt es derzeit 950 Übungsfirmen.
In diesen Firmen fallen alle der Praxis entsprechenden branchenspezifischen Geschäftsfälle von der
Beschaffung über die Leistungserstellung bis zum Absatz an. Die damit verbundenen kaufmännisch-verwaltenden Arbeiten
sind unter Berücksichtigung der kaufmännischen Usancen und der rechtlichen Voraussetzungen durchzuführen.
Waren und Dienstleistungen sowie das für die Zahlung erforderliche Geld sind virtuell
vorhanden.
Die Schülerinnen und Schüler trainieren in den verschiedenen Abteilungen eines
Unternehmens und leisten spezifische Arbeiten. Ziel des Unterrichts in der Übungsfirma ist die fächerübergreifende,
handlungs- und problemorientierte sowie schülerzentrierte praxiskonforme Vermittlung von innerbetrieblichen
Abläufen und der Zusammenhänge zwischen den Betrieben. Vor allem die von den Geschäftspartnern ausgehenden
Aktivitäten fördern bei den Schüler/innen Lernprozesse. Entscheidungen, die im wirklichen Geschäftsleben bis zur
Gefährdung der eigenen Unternehmung führen können, können hier trainiert werden. Sie sind Teil der
Selbsterfahrung der Schüler/innen und ein wesentlicher Faktor des Lernprozesses.
Das Betriebswirtschaftliche Zentrum ist ein für das Betreiben von Übungsfirmen als Großraumbüro gestalteter Sonderunterrichtsraum von ca. 95 m2. Es ist in Abteilungen gegliedert und enthält 15 bis 22 Arbeitsplätze für die Schülerinnen und Schüler.
ACT stellt den österreichischen Übungsfirmen durch Simulation von Behörden jene für einen
realitätsbezogenen Geschäftsverkehr notwendigen Dienstleistungen online zur Verfügung, die der Übungsfirmenmarkt nicht
bietet und unterstützt durch verschiedene Serviceangebote den nationalen und internationalen
Geschäftsverkehr:
Bank, Firmenbuch, Finanzamt, Sozialversicherung, Außenhandelsstelle, Gericht,
Gewerbebehörde, Zoll, Transport: Post, RailCargo, RoadTrans, Webshops, Fremdsprachenservice
ACT ist
Projekt des BMUKK und der Sektion Berufsbildung.
www.act.at
ACT unterstützt als Exporteur österreichischen Wissens den Aufbau und Austausch von
Übungsfirmennetzwerken in anderen Staaten (v.a. in Südosteuropa). Es werden dabei keine fertigen Lösungen
„verkauft“, sondern Modelle zur Integration des Konzeptes in die berufliche Bildung vorgestellt. Die
Entscheidungsträger und beteiligten Schulen werden beim Aufbau der Übungsfirmennetzwerke beraten und überstützt (z.B.
Projekt
ECO NET von KulturKontakt Austria).
Gleichzeitig wird das Know-how in
europäischen Bildungsprogrammen gemeinsam mit internationalen Partnern weitergegeben: Multiplikatorenprogramme,
Austauschprojekte, EU-Pilotprojekte z.B. im Rahmen von Leonardo.
Geändert am 23.07.2008