Kriegsberichte im TV – Wie mit Kindern darüber reden?

(von MinRat Mag. DDr. Franz Sedlak, Leiter der Abteilung Schulpsychologie-Bildungsberatung)

Folgende Grundsätze sollten beachtet werden:

  • Man kann die Welt nicht aussperren, aber man kann verhindern, dass sie zu invasiv wird! Kinder erfahren auf verschiedensten Wegen über Negatives in der Welt. Deshalb sind „Nachrichtensperren“ wie ein TV-Verbot zur Nachrichtenzeit nicht sinnvoll und auch nicht effektiv. Aber Einschränkungen sind notwendig, so wie es ja auch bei Filmen altersgerechte Zulassungsbeschränkungen gibt.

  • Eindrücke ohne Ausdruck machen krank! Kinder öffnen sich meist ganz unbefangen den Umweltreizen. Dadurch erlangen die Sinnesreize eine tiefe Wirkung. Auch positive Erlebnisinhalte können Kinder in Erregung versetzen. Noch mehr ist dies der Fall bei negativen Bildern und Szenen von Kranken, Leidenden, von Kriegshandlungen und Gefangenen. Diese Bilder bekommen auch die Erwachsenen tagelang nicht aus dem Kopf. Das Erlebte muss verarbeitet, ausgedrückt werden: Das Kind muss darüber reden, Fragen stellen. Was nicht verarbeitet, in das kindliche Verständnis eingebaut, ausgedrückt werden kann, lagert sich als belastende, unheimliche Schicht ab und erzeugt Dauerstress und diffuse Angst.

  • Bilder sagen mehr als Worte fassen können! Dies gilt ganz besonders für kleinere Kinder. Die Wahrnehmungseindrücke werden intensiv und detailgetreu aufgenommen – aber es stehen keine Begriffe dafür zur Verfügung. Die Kinder können sich z.T. nicht aussprechen, weil sie für das Gesehene keine Worte haben. Das zeigt die Verantwortung der Erwachsenen auf, welche Einschränkungen sie den Kindern bei TV-Berichten auferlegen müssen.

  • Gewalt macht Angst – auch im Fernsehen miterlebte! Kinder haben Angst vor Vernichtung, Trennung und Alleinsein, vor plötzlichen Veränderungen. Manche entwickeln rasch Schuldgefühle. Sie bedürfen daher der Zusicherung, dass sie geschützt und geborgen sind, dass keine Gefahr für Alleinsein besteht, dass alles, was das Kind schätzt, bleibt wie es ist. Kindern durch ein falsch verstandenes „Ernstnehmen“ die eigenen Katastrophenängste ohne ein positives Gegengewicht mitzuteilen, ist eine seelische Misshandlung. Mitgeteilte Hilflosigkeit klärt nicht auf, sondern neurotisiert. Kinder haben ein Recht auf Schutz.

  • Den Schmetterlingseffekt für den Frieden nutzen! Chaos-Forscher haben uns dieses Bild vermittelt: In einem komplexen System mit empfindlichen Abhängigkeiten kann der kleinste Effekt (z.B. ein Flügelschlag eines Schmetterlings) eine große Wirkung (z.B. ein Unwetter in der Karibik) auslösen, d.h. das Fass zum Überlaufen bringen. Daher kann jeder Mensch mithelfen, dass sich Positives ansammelt. Man kann daher Kinder ihrem Alter entsprechend anleiten, sich mit den anderen Kindern zu vertragen, ihnen Freude zu bereiten, für Menschen in Not etwas zu tun. Diese Vorläufer des moralischen Verhaltens (das sogenannte prosoziale Verhalten) lassen sich schon im Kindergartenalter vermitteln, wobei Vorzeigen immer besser ist als Vorsagen.

Hilfreiche Unterlagen (Kurzbeschreibung siehe unten)

kostenlos erhältlich unter www.schulpsychologie.at oder unter 0043-1-53120-2583, 2584)

Die sieben Säulen der Zukunft

Psychologischer Umgang mit Trauma und Terrorangst

Hier findet sich ein Kapitel: Was soll man Kindern in Zusammenhang mit Katastrophen erklären?

Zielgruppe: Jugendliche und Erwachsene (und über sie auch Kinder)

Über den Inhalt: Terrorismus bewirkt auch seelische Schäden. Er versetzt uns in dauernde Angst, Resignation, Mutlosigkeit, Hoffnungslosigkeit ....

Wir können durch Krisenintervention, notfallspsychologische und notfallsärztliche Maßnahmen die Traumafolgen verringern. Wir können üben, mit den vielen Mikrotraumen besser umzugehen. Aber damit bauen wir keinen Optimismus auf, wir brauchen dazu Säulen der Zukunft. Es handelt sich dabei um das Bewusstsein, dass Leben (BIOS) kostbar ist, dass wir Schönes erleben und gemeinsam fördern können (EROS); dass wir vernünftige geistbegabte Wesen sind, die das Wort, die Sprache (LOGOS) einsetzen können, dass wir Heldenhaftigkeit auch im Alltag benötigen (HEROS), das Bewusstsein, dass wir einerseits mit allem verbunden und Teil eines unermesslich großen Ganzen sind (KOSMOS), andererseits auch ein SELBST sind, einmalig, einzigartig. Und schließlich gehören HUMOR und Witz zum Aufbau einer menschlichen Zukunft, denn mit Humor und Witz verzeihen wir einander leichter unsere Unvollkommenheiten und finden zur Balance zwischen Gelassenheit und Engagement!

Auf diesen Säulen und anderen, die uns wichtig sind, müssen wir die Zukunft gemeinsam aufbauen! Jede/r von uns!

Worte statt Waffen

Anregungen für eine bessere Konfliktkultur

Zielgruppe: Kinder, Jugendliche und Erwachsene

Aus dem Inhalt: Konflikte gehören zum Leben, sie machen uns bewusst, dass es Unterschiede gibt zwischen Personen, Meinungen und Bedürfnissen. Wenn Konflikte konstruktiv bewältigt werden können, sind sie der Motor der seelischen und geistigen Entwicklung. Wenn Möglichkeiten zu einer Konfliktbewältigung fehlen, kommt es zu einer inneren Spannung und die Gefahr einer ungesunden Entwicklung entsteht.

Die Broschüre zeigt Zusammenhänge auf und regt zum Nachdenken über die grundlegenden Prinzipien einer konstruktiven Konfliktbewältigung an:

  • Aggressionsabbau durch Entspannung und durch konstruktive Energieverwertung
  • Konfliktbewältigung durch das Gespräch (Kommunikation)
  • Konfliktbewältigung durch Suche nach gemeinsamen Lösungen (Kreativität)
  • Konfliktbewältigung durch gemeinsame Entwicklung (Koevolution)

Impulse der Schulpsychologie-Bildungsberatung zum Thema Gewalt in der Schule – Informationen und Materialien

Zielgruppe: Lehrerinnen und Lehrer

Über den Inhalt: Zwischen der in der Öffentlichkeit oftmals ungeprüft geäußerten Behauptung einer ständigen Zunahme von Gewalt in Schulen und den Einschätzungen von befragten Schulleitungen, Lehrern und Schülern bestehen Diskrepanzen. Schulleitungen, Lehrer und Schüler haben keineswegs den Eindruck, die Gewalthandlungen in Schulen hätten deutlich zugenommen. Aus zahlreichen Studien geht hervor, dass nur bei einer Minderheit von Schulen Aggressionen und Gewalt ein größeres Ausmaß angenommen haben, wodurch das Schulleben erheblich beeinträchtigt würde.

Jeder Mensch trägt Aggressionspotenziale in sich. Sie sind natürlich und gehören zum menschlichen Wesen. Beunruhigend sind die schleichend wachsende "ganz alltägliche Gewaltbereitschaft", das fehlende Mitgefühl und die sinkende Hemmschwelle.

Das Ziel soll letztlich sein, Gewalt in der Schule nicht als etwas Unvermeidliches zu betrachten, sondern zu verringern bzw. letztlich einzudämmen!

Wer die Gewaltbereitschaft bei Kindern und Jugendlichen ändern will, muss bei sich selbst anfangen und darf nicht darauf warten, dass andere etwas tun. Durch eigenes verantwortliches Handeln kann viel Gewalt abgebaut werden.

Die Broschüre unterstützt eine differenzierte Sichtweise von Gewalthandlungen durch Schüler und kann in der direkten Auseinandersetzung mit Konfliktsituationen und bei der Planung und Durchführung von Projekten unter Einbeziehung aller Beteiligten wertvolle Anregung sein.

Mut tut gut!

Alles Notwendige bei Ängsten und Krisen

Zielgruppe: Kinder, Jugendliche und Erwachsene

Aus dem Inhalt:

  • Leistungsängste
  • Beziehungsängste
  • Allgemeine Angst und spezifische Furcht
  • Entwicklungskrisen und seelische Krisen
  • Vom Kennen zum Können

Handreichung "Hinweise zum Umgang mit kritischen Situationen"

Zielgruppe: Lehrerinnen und Lehrer

Über den Inhalt: Nicht immer sind Helfer sofort bei der Hand. Auch die Schulpsychologie-Bildungsberatung kann "nur" eine qualifizierte Präsenz anbieten, nämlich dann wenn psychologisches und psychotherapeutisches Know-How unerlässlich ist. Daher muss die Hilfe an Ort und Stelle gewährleistet sein: Jede/r ist in der Lage, kritische Situationen zu entschärfen. Aber dieses Einsatzverhalten erfordert Übung, so dass alle wichtigen Schritte rasch, präzise und überlegt erfolgen.

Diese Zusammenstellung liefert nun wertvolle Ergänzungen aus allen Bundesländern, einerseits zum aktiven Umgang (Intervention) mit kritischen Situationen (Wie geht man am besten vor?), andererseits Beiträge, die die Bewältigung von Krisen in tatsächlichen Anlassfällen aufzeigen (Wie wurde konkret gehandelt?). Eine eigens einberufene Arbeitsgruppe von Schulpsycholog/inn/en aus mehreren Bundesländern erstellte grundsätzliche Überlegungen für einen Krisenfahrplan, weitere Konkretisierungen folgten in der Frühjahrsarbeitsbesprechung der Abt.V/4 des BMBWK mit den Landesreferent/inn/en für Schulpsychologie-Bildungsberatung.

Alle Anregungen sind als das erfolgt, was sie sind: Impulse zur eigenen Reflexion, Initiativen zum Einüben und Erproben passender Strategien im Umgang mit kritischen Situationen. Es gibt keine Patentrezepte für kritische Situationen, aber unser Verhalten wird sicher zielgerechter, unsere Situationserfassung sicher angemessener und unsere Bewältigungsstrategie sicher überlegter erfolgen, wenn wir durch entsprechende Übungserfahrungen im Umgang mit Notsituationen den Stress gegenüber der bisher völligen fremden Situationsanforderung abbauen konnten.

Bei Problemen oder Fragen können sich die Eltern an die Schulpsychologie-Bildungsberatung wenden. Die nächstgelegene Beratungsstelle kann man in der zuständigen Zentrale (Stadtschulrat bzw. Landesschulrat, Abt. Schulpsychologie-Bildungsberatung) erfahren!

Kontaktadressen Schulpsychologie

Infos des Österreichischen Jugendrotkreuzes zum Thema Irak

Geändert am 11.04.2003

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