Weitere Auskünfte erteilen die Schülerberaterinnen und Schülerberater, die
schulpsychologischen Beratungsstellen in ganz
Österreich und die
Abteilung I/9 des
Bundesministeriums für Unterricht, Kunst und Kultur.
Bildungsentscheidungen sind wichtige Lebensentscheidungen. Zukunftsträume, Zukunftsängste, Freude, Unsicherheit, Gefühle der Überforderung sind oft damit verbunden. Bei Schülerinnen und Schülern, besonders aber auch bei Eltern. Es ist nicht leicht, sich zu entscheiden. Und manche Anbieter versprechen viel. Was kann man glauben? Worauf soll man sich verlassen, die Entscheidung stützen?
Im Folgenden einige Hinweise,
An Schülerinnen und Schüler, Eltern sowie Schülerberaterinnen und Schülerberater stehen vor einer ständig wachsenden Zahl von Bildungsangeboten, deren Träger oft auch außerhalb des öffentlichen Bildungswesens stehen, und deren Beurteilung eine große Herausforderung darstellt.
In sinngemäßer Anwendung der zehn "Kriterien für eine verantwortungsbewusste Umgangsweise mit neuen Strategien, Lernmethoden und Konzepten der Lebensbewältigung" ist Vorsicht geboten, wenn folgende Umstände zutreffen:
Beginnend mit dem Schuleintritt im Alter von sechs Jahren stehen Schülerinnen und Schüler sowie deren Eltern etwa alle vier bis fünf Jahre vor der Situation, Entscheidungen über den weiteren Bildungsweg treffen zu müssen: Nach Beendigung der Volksschule geht es um die Frage, ob eine Hauptschule oder eine AHS bzw. auch welcher Schulstandort vermutlich am geeignetsten für die weitere Entwicklung des Kindes sein wird. Nach der Hauptschule bzw. der AHS-Unterstufe ist eine Entscheidung darüber zu treffen, ob die weitere Ausbildung mehr berufsspezifisch oder mehr allgemein, mehr theoretisch oder mehr praktisch sein sollte und welche speziellen Interessen und Begabungen im Hinblick auf das Berufsleben besonders gefördert werden sollten. Nach Beendigung der Schulausbildung, insbesonders nach einer AHS-Matura, stellt sich eventuell auch die Frage nach der Studienwahl.
Die im Folgenden beschriebenen vier Phasen sind geeignet, bei allen diesen Situationen Orientierung ermöglichen, eigene Wünsche und Vorstellungen entwickeln, Bildungsangebote kritisch beurteilen und eine ganzheitliche Entscheidung unterstützen zu können:
ZIEL: Die Entwicklung von Kritikfähigkeit und Urteilsfähigkeit setzt Vertrauen in sich selbst voraus. Und dieses kann sich bei Kindern nur entwickeln, wenn sie erfahren, dass ihnen von anderen etwas zugetraut wird.
Entscheidungen, die einen selbst betreffen, sollte man auch selbst treffen. Dies gilt natürlich auch für Kinder und Jugendliche, die über ihre weitere Schullaufbahn (mit)entscheiden sollen.
Wahr ist aber auch, dass man sich selbst nie ganz kennt. Erst durch andere, die mit uns leben und uns erleben, können auch wir uns besser kennen lernen. Eigene Entscheidungen sind oft leichter zu treffen, wenn wir uns anderen anvertrauen, wenn wir bereit sind, Hilfe anzunehmen.
Eltern, die ihren Kindern bei Entscheidungen helfen wollen,
ZIEL: Das Reflektieren der eigenen Wünsche und Möglichkeiten und die daraus resultierende selbstbewusste Entwicklung eines persönlichen Anforderungsprofils bilden das Fundament der Bildungsentscheidung und machen resistent gegen unklare und phantastische Versprechungen.
Vor der Beschäftigung mit bestimmten Ausbildungsmöglichkeiten geht es für Schülerinnen und Schüler darum, sich auf sich selbst zu besinnen : Was sind meine Stärken und was sind meine Schwächen? Welche Interessen und Begabungen habe ich? In welcher Lebenssituation bin ich, welche Veränderungen sind vorstellbar, welche nicht (z.B. Schulbesuch mit Internat - ja oder nein)?
Für Eltern ist es hier auch wichtig, sich über die eigenen das Kind betreffenden Wünsche und Ängste klar zu werden : Welchen Einfluss haben meine Erfahrungen, Erfolge und Enttäuschungen im (Berufs-)Leben auf das, was ich mir für mein Kind wünsche? Inwieweit gelingt es mir, mein Kind als eigene Person zu sehen, das vielleicht neue, ganz andere Erfahrungen im Leben machen wird als ich?
Ziel dieser Phase wäre, ein persönliches Wunschprofil für die Weiterbildung zu entwickeln, auch wenn es die "ideale Schule" nicht gibt.
Bei der Klärung der eigenen Interessen und Begabungen können Schülerinnen und Schülern außer den Eltern auch noch Lehrerinnen und Lehrer, vor allem die Schüler- und Bildungsberater/innen behilflich sein. Diese verfügen vielfach auch über Hilfsmittel zur Interessenserkundung (z.B. Fragebögen). Bei großer Unsicherheit über die eigenen Fähigkeiten und Interessen ist es auch möglich, sich an die zuständige schulpsychologische Beratungsstelle zu wenden. Dort werden ausgehend von Interessens- und Begabungsfeststellungen auch psychologische Beratungsgespräche angeboten. Auch in Berufsinformationszentren des Arbeitsmarktservices und der Wirtschaftskammern werden oft diesbezügliche Hilfen - vor allem im Hinblick auf die Berufswahl - angeboten.
Die verbindliche Übung "Berufsorientierung" (in der 7. und 8. Schulstufe) gibt Schülerinnen und Schülern zusätzlich Impulse zur Selbsterkundung und vermittelt ihnen einen Eindruck von der Arbeitswelt.
ZIEL: Die Suche nach mehreren Alternativen macht Entscheidung und damit auch das kritische Hinterfragen der Angebote erst möglich.
In dieser Phase geht es darum, Ausbildungsmöglichkeiten zu finden, auf die das in Phase 2 erarbeitete Anforderungsprofil möglichst gut zutrifft . Es ist ratsam, nach mehreren Alternativen zu suchen und sich nicht sofort auf eine bestimmte Schule bzw. Schulform festzulegen.
Diese "Phase der Ideensammlung" kann ruhig länger dauern. Es kommt hier darauf an, offen zu sein: sich umzuhören, mit Verwandten, Freund(inn)en, Bekannten zu sprechen, sich Informationsbroschüren zu besorgen, auf Zeitungsberichte zu achten.
Kompakte Information bekommt man von Expert(inn)en: Den Schüler- und Bildungsberater/innen an den Schulen, den Schulservicestellen sowie einschlägigen Beratungsstellen (z.B. Schulpsychologie-Bildungsberatung, Arbeitsmarktservice, Wirtschaftskammer ).
ZIEL: Schullaufbahnentscheidungen sollten nicht zu spät aber auch nicht zu früh getroffen werden, sondern dann, wenn die Zeit dafür "reif" ist. Es ist jedoch darauf Bedacht zu nehmen, dass vor der Entscheidung in der Phase 4 die Phasen 1-3 wichtig sind und dass genügend Zeit dafür aufgewendet wird. Daher sollte die Bildungsplanung ein ständiger Bestandteil des gesamten persönlichen Bildungsweges sein.
Hier erfolgt die Beschäftigung mit den Alternativen, das Einholen und die Bewertung von Informationen (z.B. Ausbildungsdauer, Ausbildungsziel, Ausbildungsinhalte und Methoden, Berufsaussichten, Weiterbildungsmöglichkeiten).
Was und wer dabei hilft:
Wo bekomme ich diese Broschüren?
Weitere Broschüren, die über Berufe, Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten informieren, sind in Berufsinformations- und Beratungszentren des Arbeitsmarktservices und der Wirtschafts- und Berufsförderungsinstitute erhältlich.
Informationen über Bildungsangebote von Schulen, Fachhochschulen und Universitäten sowie berufliche Beschäftigungsmöglichkeiten finden Sie im Internet mit Hilfe des Internetguides für die Bildungsberatung
Unterstützung bei der persönlichen Bewertung von Bildungsangeboten erteilt die/der Schüler- oder Bildungsberater/in an der Schule bzw. die zuständige schulpsychologische Beratungsstelle.
Wenn Sie spezielle Bildungsfragen haben, wenden Sie sich bitte an das Referat I/9a im Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur, 1010 Wien, Freyung 1, T +43(0)1 531 20-2590 oder 2582, schulinfo@bmukk.gv.at.
Geändert am 26.07.2010