Die schulische Tagesbetreuung bietet Möglichkeiten der individuellen Förderung, die im Regelunterricht am Vormittag aufgrund des Zeitmangels oder der höheren Schülerzahlen häufig unterbleiben, die jedoch besonders der Selbstentfaltung der Schülerinnen und Schüler dienen.
Basiskompetenzen wie die Reflexion des eigenen Lernverhaltens und das zielorientierte Arbeiten mit Stoffeinteilung und Wiederholungsphasen müssen den Schülerinnen und Schülern vermittelt werden, damit sie ein effektives Zeit- und Lernmanagements entwickeln. Darunter fällt auch die Förderung der Lesekompetenz, die für das Verständnis vieler Aufgabengebiete unabdingbar ist.
Die Tagesbetreuung sollte verschiedene Schwerpunkte anbieten, die immer auf die zur Betreuung angemeldeten Kinder
abgestimmt werden. Dabei sind auch Kooperationen mit außerschulischen Institutionen wie Sportvereinen oder Musikschulen
sinnvoll.
Einige Schwerpunkte könnten sein:
Angebote, die das Interesse der Kinder an der Umwelt, an Kunst, Kultur und Tradition wecken, erzielen eine Horizonterweiterung der Schülerinnen und Schüler und umfassen hauptsächlich außerschulische Aktivitäten. (Exkursionen zu Sehenswürdigkeiten und regionalen Besonderheiten wie Ausstellungen, Wetterwarte, Mühle. etc, Führungen in ortsansässigen Betrieben wie Bäckerei, Zeitung, Theater etc.)
Durch soziale Kontakte zu Altersgleichen können ein Regelbewusstsein und Praktiken sozialen Verhaltens entwickelt werden. Betreuungspersonen werden in dieser Situation als Berater und Vorbild wahrgenommen, indem sie Respekt, Toleranz, Wertschätzung und gewaltfreie Konfliktlösung an die betreuten Kinder weitergeben.
Die Lernzeiten können in ihrem Stundenausmaß schulautonom festgelegt werden.
Die vier wichtigsten Voraussetzungen für richtiges Lernen und Verhalten:
An erster Stelle wird Bezug genommen auf die Lehrpläne der einzelnen Schularten und auf den Fördererlass des Bundesministeriums für Unterricht, Kunst und Kultur (Rundschreiben 11/2005 vom 28. Juni 2005).
Die Freizeitgestaltung muss Qualität besitzen und sollte folgende Bereiche berücksichtigen:
Um einen qualitätsvollen Nachmittagsbetrieb zu gewährleisten, müssen von den Schulen Konzepte entwickelt werden, die als oberstes Ziel die Persönlichkeitsentwicklung der jungen Menschen anstreben. Dabei sollten – neben den Inhalten der musisch-kreativen Fächer – die folgenden Bereiche berücksichtigt werden:
An Schulen reichen Ansätze sozialen Lernens von Persönlichkeitsstärkung über Konfliktmanagement, geschlechterbewusste Pädagogik und Friedenserziehung bis hin zu politischer Bildung.
Soziales Lernen im Kontext von Gruppen
Schulische Tagesbetreuung ermöglicht soziales Lernen in einer Gruppe Gleichaltriger durch:
Soziales Lernen im Kontext von Persönlichkeitsbildung
Diese Perspektive zielt darauf ab, dass Schülerinnen und Schüler im weitesten Sinne empathiefähig werden sollen, durch
Es geht nicht nur um das Anwenden von geschlechtergerechter Sprache, Gender Mainstreaming ist mehr. Es umfasst die unterschiedlichen Rollen und Verhaltensweisen von Männern und Frauen in unserer Gesellschaft. Diese sind nicht angeboren, sondern erlernt. Um den Stereotypen zu begegnen, ist Gender seit längerem ein Unterrichtsprinzip, das in den Lehrplänen verankert ist. Gerade die schulische Tagesbetreuung bietet viele Chancen und Möglichkeiten, Gender unverkrampft zu leben.
Schule – und als Teil davon – die schulische Tagesbetreuung muss ein Ort ohne Aggression und Gewalt sein. Übergriffe müssen sofort konsequent geahndet werden:
Peer-Mediation ist ein innovativer und langfristig Erfolg versprechender Ansatz der konstruktiven Konfliktbewältigung. Dabei werden Schülerinnen und Schüler zu Peer-Mediatorinnen bzw. –Mediatoren ausgebildet, die bei Konflikten zwischen Gleichaltrigen vermitteln.
Gute schulische Tagesbetreuung kann vor allem positiv auf die Entwicklung von Kindern mit Migrationshintergrund wirken und damit einen wesentlichen Beitrag für erhöhte Chancengerechtigkeit in deren späterem Berufsleben leisten. Gerade bei Kindern mit Migrationshintergrund konnte festgestellt werden, dass diese offener, gesprächiger und kooperativer wurden, sich mehr gegenseitig unterstützten und bei Lernschwierigkeiten ermunterten. Das Angebot sollte folgende Aspekte berücksichtigen:
Freizeitprojekte dienen gerade in der schulischen Tagesbetreuung der Steigerung der Motivation der Kinder und Jugendlichen. Bewährte Freizeitprojekte wären ua. künstlerisch-kreative Angebote (zB Tonarbeiten, Malerei, Batiken, …) oder Angebote aus dem naturwissenschaftlichen Bereich (zB Ernährung, Tierschutz, Laborarbeit, …). Dies gibt den Schülerinnen und Schülern die Gelegenheit zu erkennen, welche Eigenart oder Möglichkeiten der Problemlösung die verschiedenen Methoden bzw. Betrachtungs- und Verfahrensweisen jeweils enthalten.
Vorrangige Ziele der Projektmethode sind:
Schulische Gesundheitsförderung umfasst nicht nur die Information über Gesundheitsthemen und das Einwirken auf das Verhalten des Einzelnen, sondern auch die Gestaltung eines gesundheitsfördernden Lebensraumes.
Das Mittagessen sollte nicht nur auf reine Nahrungsaufnahme reduziert werden; es strukturiert den Tagesablauf und erfüllt auch soziale Funktionen.
Die Schülerinnen und Schüler sollen angehalten werden, ihre verfügbare Zeit sinnvoll und ihren individuellen Fähigkeiten, Fertigkeiten und Neigungen gemäß zu verbringen. Ein attraktives Freizeitprogramm sollte aus möglichst vielen unterschiedlichen Bereichen bestehen: Sport, Musik, Schach, Kunst und Kultur, Informations- und Kommunikationstechnologie, Soziales Lernen, Gewaltprävention, Schulbibliothek, Spielesammlung, Schulgarten etc.
Die Schwerpunkte können auch in Kooperation mit einer außerschulischen Organisation, wie Vereine, Musikschulen oder Traditionsverbände, angeboten werden.
Die schulische Tagesbetreuung ist eine bedeutsame Schnittstelle zwischen schulbezogenen Lernprozessen und außerschulischem Umfeld. Die Organisation und das Angebot der Tagesbetreuung sollte auf die Wünsche und Bedürfnisse der Kinder und Eltern des jeweiligen Standortes abgestimmt werden.
Die ganztägige Betreuung muss auf die Grundbedürfnisse der Schülerinnen und Schüler eingehen und so weit wie möglich deren Wünsche berücksichtigen, wie:
Über alle Schulformen und Schulstufen hinweg gibt es grundsätzlich drei Bereiche, die Eltern in der schulischen Tagesbetreuung abgedeckt wissen wollen: eine Unterstützung und Förderung im Lernbereich, ein vielfältiges Freizeitangebot und die Möglichkeit sozialen Lernens in einer Gruppe Gleichaltriger. Im Besonderen wünschen sich Eltern für ihre Kinder:
Prinzipiell sollte für die schulische Tagesbetreuung nur pädagogisch geschultes Personal eingesetzt werden. Neben den erforderlichen Grund- und Zusatzqualifikationen sind aber auch die Eigenschaften, die Lehrkräfte und Betreuungspersonen mitbringen (sollen), für die Arbeit in der Tagesbetreuung relevant. Kreativität, Empathie, Geduld und vor allem Verständnis für die Kinder und Jugendlichen sind essenzielle Eigenschaften für diese Tätigkeit.
Interaktion und Kooperation sind neben den sozialen Beziehungen entscheidende Qualitätsmerkmale in der schulischen Tagesbetreuung. Kooperationsfähigkeit sowie ein kooperatives Vorgehen innerhalb der Schülerschaft aber auch zwischen Betreuungspersonen und Kindern gilt als eine weitere Qualitätsdimension für Tageseinrichtungen. Kindern sollen Erfahrungen auf unterschiedlichen Kooperationsebenen ermöglicht werden.
Gelungene schulische Tagesbetreuung versucht Eltern in die Schule einzubinden und mit ihnen zusammen zu arbeiten. Dies kann nicht einseitig geschehen. Dazu gehört natürlich auch die Bereitschaft der Elternschaft, sich am Schulleben zu engagieren.
Kommunikation ist alles! Konkret geht es um die Optimierung von Informationsflüssen und einen regen Austausch. Und das ist auch notwendig, denn in die Lehrkräfte bzw. Betreuungspersonen, die in der schulischen Tagesbetreuung eingesetzt sind, werden hohe Erwartungen sowohl der Eltern, als auch der Jugendlichen gesetzt. Vom „Alleskönner“ bis zum (kompetenten) „Konfliktmanager“ wird ihnen alles zugemutet und abverlangt.
Wesentliche Bestandteile gelungener Tagesbetreuungsmodelle sind Kommunikationsbereitschaft und ein regelmäßiger Informationsaustausch auf allen Ebenen – zwischen den Kolleginnen und Kollegen der Tagesbetreuung, Vormittags- und Nachmittagslehrkräften, Eltern und Betreuungspersonen.
Innerhalb der Schule kann dies durch Konferenzen oder Tagesbetreuungsbesprechungen gefördert werden, für Eltern ließen sich zusätzlich zu den Sprechstunden Elternabende anbieten. Somit bestehen verbesserte Chancen, Lernschwächen, soziale Schwierigkeiten und entwicklungsbedingte Krisen bei Schülerinnen und Schülern rechtzeitig zu erkennen und zu bearbeiten.
Eine vollständige Integration des Betreuungsteams im Gesamtlehrkörper einer Schule ist eine unabdingbare Voraussetzung für ein positives Schulklima. Ein kollegiales Arbeitsklima wirkt stark motivierend und senkt überdies die Hemmschwelle, über eigene Schwächen und über Problemfälle zu sprechen.
Flexibilität – innerhalb stabiler Rahmenbedingungen – wird in hohem Ausmaß von den Betreuungspersonen und Lehrkräften in der Tagesbetreuung abverlangt. Lehrkräfte und Betreuungspersonen mit Zusatzqualifikationen bereichern – durch eine andere pädagogische Professionalität – das Angebot und tragen so zu mehr Attraktivität der schulischen Tagesbetreuung bei.
4. Rhythmisierung und verpflichtende Elemente an den Nachmittagen
Durch diesen kindgerechten Tagesablauf mit Lern-, Ruhe-, Spiel-, Förder- und Essenszeiten wird ein intensiveres Lernen und Leben ermöglicht. Der rhythmisierte Tagesablauf fördert Freundschaften unter Schülerinnen und Schülern und bietet mehr Chancen zum Erlernen von Regeln, sozialem Verhalten und Lernprozessen in der Gruppe. Schulen, die bereits seit langer Zeit im Ganztagsbetrieb arbeiten, halten die verschränkte Abfolge von Unterricht, Fördern, Ruhephasen und Freizeit für eine unerlässliche pädagogische Voraussetzung und Bedingung des Gelingens.
Geändert am 10.11.2011