Kinder und Jugendliche aus mehr als 160 Staaten besuchen die Schule in Österreich. Sprachliche und kulturelle Vielfalt in den Klassenzimmern ist heute eher die Regel als die Ausnahme. Das österreichische Bildungswesen versucht, auf diese neuen gesellschaftlichen Entwicklungen passende Antworten zu finden.
Kinder von Einwanderern, Flüchtlingen und anderen ausländischen Staatsangehörigen lernen gemeinsam mit einheimischen SchülerInnen im Klassenverband. Der gemeinsame Unterricht und der Kontakt in den Pausen und in der Freizeit ermöglichen diesen Kindern das zwanglose Erlernen der deutschen Sprache und geben allen SchülerInnen Gelegenheit, das Zusammenleben mit Menschen aus der ganzen Welt als Selbstverständlichkeit zu erfahren.
Gute Kenntnisse der deutschen Sprache in Wort und Schrift sind Voraussetzung nicht nur für den schulischen Erfolg, sondern auch für die Integration ins spätere Berufsleben und in die Gesellschaft. Dazu brauchen SchülerInnen mit einer anderen Muttersprache als Deutsch die Unterstützung der Schule.
Niemand lernt eine neue Sprache von heute auf morgen. Untersuchungen in verschiedenen Staaten haben gezeigt, dass der Erwerb einer neuen Sprache etwa sechs Jahre dauert. Diesen Erkenntnissen aus der Sprachwissenschaft trägt die Schule Rechnung: An den allgemein bildenden Pflichtschulen (Volksschulen, Hauptschulen, Polytechnischen Schulen, Sonderschulen) können SchülerInnen mit einer anderen Muttersprache als Deutsch einen besonderen Förderunterricht in der Unterrichtssprache Deutsch erhalten. Dafür gibt es auch einen eigenen Lehrplan.
Schließlich gibt es die Möglichkeit, SchülerInnen, die beim Erlernen der deutschen Sprache erst am Anfang stehen, bis zu zwei Jahre lang nicht zu benoten. Nach dieser "Schonzeit" wird angenommen, dass sie in der Regel dem Unterricht folgen und ihrem Alter entsprechende Leistungen erbringen können, auch wenn ihre Deutschkenntnisse noch nicht mit denen ihrer einheimischen MitschülerInnen zu vergleichen sind.
Die Kenntnis mindestens einer Fremdsprache gehört heutzutage zur Allgemeinbildung. In vielen Berufen kommt man angesichts zunehmender wirtschaftlicher Verflechtungen ohne Fremdsprachenkenntnisse nicht mehr aus. Daher wird in der Schule auf das Erlernen von Fremdsprachen großer Wert gelegt.
Etwa 15 Prozent aller SchülerInnen in Österreich sprechen in ihrem Alltag neben Deutsch eine andere Sprache. Sie können sich also, wenn auch nicht immer fehlerfrei, in zwei Sprachen verständigen. Aber Lesen, Schreiben und viele neue Wörter (vor allem Fachausdrücke) lernt man nicht in der Familie oder im Kontakt mit Gleichaltrigen, sondern in der Schule. Außerdem ist wissenschaftlich erwiesen, dass gute Kenntnisse in der Muttersprache beim Erlernen der Zweitsprache Deutsch nützlich sind und sich auch auf die Leistungen in den anderen Gegenständen positiv auswirken.
Aus all diesen Gründen ist es sinnvoll, die bereits vorhandene Zweisprachigkeit dieser SchülerInnen in der Schule zu fördern. Daher gibt es die Möglichkeit des muttersprachlichen Unterrichts, und zwar grundsätzlich in jeder Sprache. Voraussetzung ist, dass sich genügend SchülerInnen für diesen Unterricht anmelden und eine qualifizierte Lehrkraft für die jeweilige Sprache zur Verfügung steht. Ob und in welcher Sprache muttersprachlicher Unterricht angeboten wird, erfährt man am Schulstandort.
Wenn Sie wissen wollen, an welchen Schulstandorten und in welchen Sprachen muttersprachlicher Unterricht angeboten wird, öffnen Sie das pdf-Dokument und geben Sie Ihren Suchbegriff ein. Die Liste wird jährlich auf Basis der von den muttersprachlichen LehrerInnen ausgefüllten Erhebungsbögen erstellt und bezieht sich daher auf das jeweils vergangene Schuljahr. Da die jährlichen Änderungen minimal sind, bietet diese Übersicht auch für das laufende Schuljahr eine brauchbare Grundlage. In Zweifelsfällen wenden Sie sich an die jeweilige Schule. Liste (pdf, 168 KB)
Gerade die sprachlich und kulturell bunte Zusammensetzung vieler österreichischer Schulklassen eröffnet für
SchülerInnen wie LehrerInnen die Chance, ihren Horizont zu erweitern und den eigenen Standpunkt zu relativieren. Die
Schule soll diese Lernprozesse nicht nur tolerieren, sondern ausdrücklich fördern. Daher wurde Anfang der 90er
Jahre
"Interkulturelles Lernen" als
Unterrichtsprinzip verankert.
Das Referat für Migration und Schule bietet LehrerInnen, SchülerInnen und Eltern mehrere informative Websites sowie eine Reihe von Materialien, die kostenlos angefordert werden können. Bestellformular (pdf, 77 KB)
Für alle weiteren Fragen stehen Ihnen die Mitarbeiterinnen der Abt. I/13a – Referat für Migration und Schule – im Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur zur Verfügung.
Mag. Elfie Fleck
BMUKK, I/13a
T +43 1 53120-2552
Elfie.Fleck@bmukk.gv.at
Mag. Anna Lasselsberger
BMUKK, I/13a
T +43 1 53120-2528
Anna.Lasselsberger@bmukk.gv.at
Geändert am 09.12.2009