Bundesschulärztin: Fettarme Milch hilft bei Kampf gegen Kilos

Zehn bis 20 Prozent der österreichischen Kinder sind übergewichtig

Für das Bildungsministerium ist die bereits jahrzehntelange Unterstützung der Schulmilch-Aktion keine isolierte Maßnahme, sondern ein Teil des Gesamt-Konzepts der Gesundheitsförderung im Sinne einer gesunden Lebensführung.

Die Milch (Weltmilchtag 26. September) und ihre Produkte haben ganz ohne Zweifel ihren Stellenwert als wichtiges Nahrungsmittel. Sie ist ein wertvoller Baustein einer gesunden Ernährung.

Unbestritten ist die Milch eine gute Quelle für Eiweiß und Fett, weniger für Kohlehydrate, aber auch für wichtige Vitamine und Mineralstoffe, allen voran Calcium, Kalium und Phosphor.

"Aus schulärztlicher Sicht sind einige Besonderheiten erwähnenswert, die vielleicht noch nicht so bekannt sind", meint Bundesschulärztin Dr. Lilly Damm.

Übergewicht - Fettarme Milch

Die SchulärztInnen begegnen zunehmend dem Phänomen, dass die Zahl der übergewichtigen Kinder und auch die der schwer Übergewichtigen zunimmt . Damit erhöht sich auch die Zahl der Folgekrankheiten des Übergewichts, wie Bluthochdruck, Arteriosklerose mit allen Komplikationen und nach den neuesten Studien auch der Typ II-Diabetes bereits bei Kindern und Jugendlichen.

Diese Form der Zuckerkrankheit trat bisher praktisch nur bei älteren Erwachsenen als langjährige Folge von Fehlernährung und Fehlverhalten bei angeborenem Risiko auf. Jetzt sieht man, dass diese Form bei Jugendlichen in erschreckendem Maße ansteigt. Aufgrund des frühen Auftretens sind gerade diese Patienten hoch gefährdet, schon sehr früh Langzeitkomplikationen zu erleiden (Arteriosklerose der Herzkranzgefäße, im Gehirn, in den Beinen usw.).

Da neben dem Bewegungsmangel in allen Fällen die Gesamtenergie-Zufuhr zu hoch ist, verursacht vor allem durch die erhöhte Fettzufuhr, ist bei allen Kindern im Sinne einer Vorbeugung vor diesen folgenschweren Erkrankungen die Gabe von fettreduzierter Milch und Milch-Produkten ausgesprochen sinnvoll. Gerade Österreich hat einen besonderen Vorteil, da es hier - im Gegensatz zu anderen EU-Staaten - eine breite Palette von Milch-Produkten, aber auch fettarmen Frischmilch-Sorten gibt. Allerdings ist die Bedeutung dieser Produkte noch viel zu wenig bekannt.

Unsere Empfehlung ist klar: Jedes Kind, das übergewichtig ist, oder in seiner Gewichtsentwicklung in den oberen Grenzbereich driftet, soll fettreduzierte Milchprodukte, deren Calciumgehalt praktisch unverändert hoch ist, erhalten.

Es gibt zahlreiche, ganz einfache Einsatzmöglichkeiten für fettarme Milch in der österreichischen Küche.

Milchzucker-Unverträglichkeit (Laktose - Intoleranz)

Es gibt eine sogenannte Laktose-Intoleranz, die nicht ganz selten ist und dazu führt, dass Milch nicht vertragen wird. Die Häufigkeitsangaben schwanken zwischen 3-5%. Die Symptome der Laktose-Intoleranz sind von der Menge an konsumierter Milch abhängig und gehen mit zunehmendem Lebensalter zurück.

Wenn Kinder nach dem Milchgenuss Blähungen haben, oder sich im Magen-Darm-Bereich nicht wohlfühlen, sollte man sie nicht zum Milchtrinken drängen.

In vielen Fällen werden fermentierte Milchprodukte, wie z.B. Joghurt, Buttermilch u.v.a. wesentlich besser vertragen, deshalb sollen sie - und auch Käseprodukte - ebenfalls angeboten werden.

Milcheiweiß-Allergie

Sicherlich ist auch die Unverträglichkeit von Milcheiweiß beim atopischen Ekzem bekannt. Hier muss auf andere Milch-Quellen ausgewichen werden. Sojamilch ist wegen des zu geringen Calciumgehalts keine empfehlenswerte Alternative. Man weicht üblicherweise auf Ziegen- oder Schafmilchprodukte aus.

Es gibt also keine generell für alle Kinder gleichermaßen sinnvolle Empfehlung zur gesunden Jause.

Calcium und Knochenwachstum

Die Knochendichte jedes Menschen unterliegt einer Vielzahl von Einflüssen: Genetische und hormonelle Faktoren, Ernährungsweise, körperliche Aktivität, Lichteinwirkung, um nur die wichtigsten zu nennen. All diese Faktoren wirken sich im Zusammenspiel u. a. auf die Qualität der Knochensubstanz aus.

Fest steht, dass für das Knochenwachstum Calcium ein wichtiger Bestandteil ist. Sowohl die Milch, als auch ihre Produkte sind wertvolle Calcium-Spender.

Präbiotoka und Probiotika

Dieser Bereich ist außerordentlich interessant. Hier werden z.B dem Joghurt Substanzen zugesetzt, die das Wachstum der gesunden Bakterienflora im Darm fördern = Präbiotika (zB. Inulin).

Probiotika sind Bakterien ( z.B. Bifidus, Acidophilus), die ganz bestimmte Mechanismen in die Wege leiten, also funktionellen Charakter haben. Hier wird die Ernährungsmedizin noch sehr interessante neue Erkenntnisse gewinnen, z.B. über Einflüsse in der Immunologie, in der Beeinflussung und Entstehung von Allergenen.

Diese Joghurtprodukte sind zwar keine Heilmittel, aber sie sind im Rahmen einer gesunden Ernährung zu empfehlen.

Tipps

Einige praktische Tipps aus der Erfahrung: Kindern die nicht frühstücken "können", sollten Eltern daraus keinen Vorwurf machen oder Schuldgefühle erzeugen. Vielmehr müssten gerade diese Kinder ein verführerisches Angebot einer gesunden Jause mit Milch oder Joghurt, Vollkornbrot oder -gebäck, Käse und Obst in der Schule erhalten.

Milch ist kein Durstlöscher, sondern ein Nahrungsmittel, und sollte deshalb schluckweise getrunken werden.

Schließlich soll auch der pädagogische Effekt nicht unerwähnt bleiben. Milch als ein Bestandteil eines vernünftigen ausgewogenen Ernährungskonzepts wird vielleicht vorübergehend, aber doch nicht vollständig, aus dem Ernährungsverhalten des späteren Erwachsenen verschwinden.

Weitere Informationen::
Gesundheitsfördernde Schule
Schulärzte-Folder
Agrarmarkt Austria

Geändert am 20.05.2003

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