Frühzeitiger Schulabbruch ist sowohl ein individuell als auch ein gesellschaftlich relevantes Problem, das im Kontext von Bildungsarmut und Chancengerechtigkeit steht. Bildungsarmut zeigt sich einerseits in Zertifikatsarmut (also in fehlenden Schulabschlüssen) als auch in Kompetenzarmut (z.B. in mangelnden Fähigkeiten in den Bereichen Lesen, Mathematik oder Naturwissenschaften). Für das Phänomen Schulabbruch gibt es komplexe Ursachen und Wirkungszusammenhänge, die sich erst durch das Zusammenspiel von sozioökonomischem Milieu, (fehlenden) individuellen Problemlösungsstrategien und systemischen Bedingungen (z.B. hohe Selektivität des Schulsystems,…) erklären lassen. Frühzeitiger Schulabbruch vermindert spätere Lebens- und Berufschancen und trägt langfristig dazu bei, dass persönliche Risiken wie Gesundheitsgefährdung, soziale Ausgrenzung oder Arbeitslosigkeit über die Lebensspanne hinweg hoch sind.
Österreich liegt in Bezug auf den EU-Benchmark zum Schulabbruch relativ gut im europäischen Vergleich (8,3% im Jahr 2010 bei den 18-24 Jährigen, die keinen Abschluss der Sekundarstufe II oder einer Lehre haben bzw. sonst in keiner Ausbildung sind). Zu bedenken ist jedoch, dass nicht allein Schulabschlüsse zählen, sondern auch ausreichend Kompetenzen vorhanden sein müssen, um ein beruflich erfolgreiches und privat gelingendes Leben zu führen.
Um über entsprechende Daten für eine evidence based policy zu verfügen, hat das BMUKK mehrere Studien beauftragt. Diese stehen im Folgenden als Download zur Verfügung.
Darüber hinaus werden eine Reihe von Studien, Dokumenten und Publikationen – national wie aus dem europäischen Zusammenhang - zum Thema frühzeitiger Schulabgang und Chancengerechtigkeit in der Bildung für Interessierte präsentiert.
Seit Anfang Jänner gibt es in Wien und der Steiermark ein neues Kooperationsprojekt zwischen Sozial- und Unterrichtsministerium, das schulabbruchsgefährdete und ausgrenzungsgefährdete SchülerInnen am Ende der Schulpflicht durch so genannte Jugendcoaches berät und bei Bedarf auch länger begleitet. Mehr Infos zu dieser präventiven Maßnahme finden Sie unter: www.neba.at/jugendcoaching
Datenlage zum EU-Benchmark auf nationaler Ebene, Stand Mai 2011 (pdf, 12 KB)
IHS im Auftrag des BMUKK, 2007 - interdisziplinäres Strategiepapier
Auf Basis von aktuellen Studien und Workshops mit Key-Playern aus allen befassten Bereichen wurde ein Ist-Stand als Wissensbasis erarbeitet. Ergebnis der Studie ist die Vorlage einer österreichischen Strategie zur Verhinderung von Dropout und zur Reintegration von frühzeitigen Schulabbrecher/innen, die aufzeigt, dass ein vernetzter Zugang der politischen Akteure wie auch der Umsetzungsakteure (zuständiger Ministerien, der Wirtschaft, von Sozialdiensten, Gebietskörperschaften, Ausbildungsstätten, Betrieben, Gewerkschaften, AK, AMS etc.) unumgänglich ist. Zu berücksichtigen sind dabei – neben der Schule - die aktive Einbindung weiterer Schlüsselakteure wie Eltern, peers.
empirische Studie der Uni Graz, Reihe Bildungsforschung des BMUKK, Bd. 19, 2006
Diese Studie bildet eine Basis für die Entwicklung strategischer Maßnahmen zur Vermeidung frühzeitigen Schulausstiegs sowie zur Wiedereingliederung Jugendlicher in das Schulsystem. Sie hat das Ausmaß von Schulabsentismus in Österreich sowie die Ursachen und Bedingungen, die zu Schulabsentismus und Schulabbruch führen, untersucht. Für die Befragung wurden vor allem Schulen in städtischen Bereichen ausgewählt, die in erhöhtem Maße von Schulabsentismus betroffen sind.
Die zentralen Einflussgrößen für Schulabsentismus sind vielfältig - dazu zählen Peer-Group, Schule und häusliches Umfeld; wirksame Maßnahmen zur Vermeidung des Phänomens müssen daher auf allen Ebenen ansetzen.
empirische Studie der Uni Salzburg, Reihe Bildungsforschung des BMUKK, Bd. 20, 2006
Die schulischen Maßnahmen zur frühzeitigen Bekämpfung des Schulschwänzens, der Schulverweigerung und des Schulausstiegs sind - aufgrund der Komplexität der Ursachen - oft nicht explizit auf die Prävention von frühzeitigem Schulabgang ausgerichtet und werden nur langfristig auf unterschiedlichen Systemebenen im Innenraum der Schule, in der Schule als System und im Umfeld wirksam:
Im März / April 2008 wurde im Auftrag der Arbeiterkammer Steiermark eine qualitative Bestandsaufnahme zum Thema „Bildungsabbruch“ durchgeführt.
Ziele der Studie: Gründe bzw. Auslöser für den Schulabbruch, zwischenzeitliche und derzeitige Aktivitäten (ausbildungsbezogen /arbeitsbezogen), derzeitige Berufstätigkeit, zukünftige Pläne (ausbildungsbezogen / arbeitsbezogen).
Befragt wurden Steirerinnen und Steirer im Alter von 15 bis 24 Jahren
Aktuelle OECD Studie zu den langfristigen ökonom. Effekten von Bildung. Für Österreich werden - bei einer Anhebung des PISA Niveaus aller Schüler/innen auf mind. 400 PISA Pkte.(innerhalb der nächsten 20 Jahre) - langfristig Wachstumseffekte in dreifacher Größe des aktuellen BIPs prognostiziert.
Sehr interessante Analyse und Zusammenfassung von Good practices in Europa hinsichtlich sozial benachteiligter Jugendlicher, insbesondere Maßnahmen zur Prävention bzw Reintegration von Drop-outs .
Univ.-Prof. Dr. Erna Nairz-Wirth von der WU Wien
wien.arbeiterkammer.at/bilder/d125/StudieQuoVadisBildung2010.pdf
Stakeholdertagung vom März 2010
B1: Early School Leaving und Schulversagen im österreichischen Bildungssystem
Mario Steiner
Early school leaving
Early school leaving is an urgent and serious problem, both for
individuals and society as a whole. The EU Member States work together to reduce the number of pupils who drop out
before the end of secondary education.
Die Studie der Steirischen Volkswirtschaftlichen Gesellschaft zeigt Strategien und Maßnahmen zur Verhinderung von frühzeitigem Schulabbruch in Österreich auf und stellt diese in einen internationalen Kontext. August 2011
Kontakt
Dr. Andrea Fraundorfer
BMUKK, Abt. I/5d
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Geändert am 26.01.2012